Es war ein taktisches Meisterstück. Da sie allein keine Liste zustande brachten, spannten CVP, GLP und BDP für die Landratswahlen im Oberbaselbiet zusammen. «Die Mitte» war geboren und holte am 31. März tatsächlich einen Sitz. Im Wahlkreis Sissach wurde Regina Werthmüller wiedergewählt. Sie trat zwar als Parteilose an, erhielt aber von den Grünliberalen den besten Listenplatz. Direkt nach der Wahl wurde Werthmüller auch nicht müde zu betonen, wie wohl sie sich unter GLPlern fühle und wie viel sie der Partei zu verdanken habe.

Verhängte CVP einen Maulkorb?

Gestern nun der Knall: In einer persönlichen Pressemitteilung hält die 55-Jährige fest, dass sie nicht der gemeinsamen Fraktion von CVP und GLP beitreten werde. Stattdessen will Werthmüller, die in der laufenden Legislatur als Parteilose in der Fraktion von GLP und Grünen-Unabhängigen sitzt, ab Sommer fraktionslos im Landrat politisieren. «Wer mein Abstimmungsverhalten im Landrat verfolgte, kann erkennen, dass ein Zusammengehen mit der CVP schwierig geworden wäre. Meine politische Ausrichtung ist klar links-grün», schreibt sie, die 2015 nach dem Rauswurf von Jürg Wiedemann aus der Grünen Partei ausgetreten war.

Gegen die CVP erhebt Werthmüller schwere Vorwürfe. Die Fraktion habe ihr und der GLP eine Vereinbarung vorgelegt, die Werthmüller als «Maulkorb» empfand. Konkret hätte sie im Parlament nicht mehr spontan Stellung beziehen und auch keine eigenen Vorstösse ohne vorgängiges Besprechen in der Fraktion einreichen dürfen. «Da läuteten bei mir die Alarmglocken», sagt Werthmüller der bz.

Sie möchte als Vorstandsmitglied der «Starken Schule beider Basel» gerade in Bildungsfragen ihre Meinung frei vertreten können. Auch wolle sie bei den Wahlen im Herbst die wirtschaftsfreundliche CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter nicht unterstützen, was aber eine Bedingung der CVP-Fraktion gewesen sei.

Werthmüllers Alleingang kommt bei ihren Wahlhelfern gar nicht gut an: «Das ist frustrierend», sagt GLP-Landrat Daniel Altermatt. «Wir haben so viel investiert in den Wahlkampf und in Regina Wertmüller als Spitzenkandidatin. Sie verdankt uns ihre Wiederwahl.» Das bestätigt die Sissacherin sogar selber: «Erst Daniel Altermatts Verhandlungsgeschick brachte mir als Parteilose den Listenplatz.» Sie fügt aber an, dass es nie eine schriftliche Abmachung gegeben habe, dass sie danach der GLP oder der Fraktion beitreten müsse.

Ohne Fraktion keine Kommission

«Per Handschlag verpflichtete sie sich, in unsere Fraktion zu kommen», hält Altermatt dagegen. «Aber Regina scheint spezielle Vorstellungen von Ehrlichkeit zu haben.» Altermatt ist überzeugt, dass die «Mitte» in der Wahlregion 4 auch ohne Werthmüller einen Sitz gemacht hätte, auch wenn sie mit 1128 Stimmen klar die stärkste Kandidatin war.

Den angeblichen Maulkorb nennt Altermatt «Blödsinn». Es ginge bloss darum, die eigene Fraktion immer zu informieren, Einzelhaltungen seien aber weiterhin möglich. «Als Fraktionslose ist Regina jetzt chancen- und einflusslos. Den Mitte-Sitz hat sie einfach verschenkt.»

«Meine Arbeit wird ohne Fraktion nicht einfach», sagt Werthmüller im Wissen, nun all ihre Kommissionssitze zu verlieren. Doch ein schlechtes Gewissen habe sie nicht. Sie sei von vielen als Parteilose und nicht als Mitte-Politikerin gewählt worden. Tatsächlich erhielt sie 849 Panaschierstimmen von fremden oder freien Listen.

«Sie wird nie mehr auf einer Mitte-Liste kandidieren können», hält CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli trocken fest – und formuliert eine letzte Bitte: «Das Mindeste wäre, wenn Regina nach drei der vier Legislaturjahre zurücktritt, damit Marcel Zimmermann von der BDP nachrücken könnte.»