Fast unbemerkt von den meisten Menschen bahnt sich klimatechnisch ein Rekord an. Denn derzeit deutet alles darauf hin, dass das Jahr 2011 trockener wird als 2003. Dieses war unter anderem dank seinem «Jahrhundertsommer» als niederschlagsärmstes Jahr der letzten Jahrzehnte in die Annalen eingegangen.

Ganze erste Jahreshälfte aussergewöhnlich trocken

Im aktuellen Jahr war der Sommer zwar weniger spektakulär. Ausgerechnet zur Hauptferienzeit war es eher kühl und feucht gewesen. Doch punkto Niederschlagsdefizit trocknet 2011 die vergangenen Jahre wortwörtlich ab. Bereits die ganze erste Jahreshälfte war aussergewöhnlich niederschlagsarm gewesen – und seit August hat sich dieses Defizit sogar noch leicht vergrössert.

Die dramatische Bilanz: Bis Ende Oktober fielen in der Region erst rund 700 Liter; fast 1000 hätten es sein sollen. Bis Ende Jahr müssten es gar 1200 Liter sein. Aber nichts deutet derzeit darauf hin, dass das Defizit verkleinert wird; im Gegenteil: Im laufenden November hat bz-Wetterfrosch Hansruedi Schweizer erst mickrige 2,6 Liter gemessen. Und gemäss Prognosen bleibt es trocken. Für Schweizer ist darum klar: «2011 wird das trockenste Jahr, seit ich vor über 30 Jahren mit meinen Aufzeichnungen begonnen habe.» Er rechnet nicht damit, dass 2011 das bisher trockenste Jahr – 2003 – einholt. Damals fielen bis Ende Jahr 810 Liter. «Um das aufzuholen, müsste es im Dezember ganz ausserordentlich regnen.»

Grundwasser: Lage unter Kontrolle

Achim Benthaus, der Leiter der Wasserversorgung bei der Baselbieter Umweltschutzdirektion, bestätigt die Ausnahmesituation: «Der Grundwasserpegel ist nahe beim absoluten Minimum. Er liegt wirklich sehr, sehr tief.» Einen Unterschied zum Hitzesommer 2003 gibt es jedoch: Der tiefe Grundwasserpegel ist kein Problem. «Der Bedarf ist im Winter nicht so hoch ist wie im Sommer.
Darum ist die Lage nicht dramatisch», erklärt Benthaus. Wäre es Sommer, müsste man einen Aufruf zum Wassersparen starten.

Beunruhigend dürfte die Situation allerdings werden, wenn der kommende Winter und der Frühling niederschlagsarm ausfallen. Dann würde man mit einem sehr tiefen Wert in die Hauptverbrauchszeit starten; ohne jegliche Reserve.

Alarmglocken bleiben stumm

Vorläufig jedoch bleiben die Alarmglocken stumm. Die Situation ist beinahe paradox: Obwohl die Region eine der heftigsten Dürre-Phasen der vergangenen Jahrzehnte verzeichnet, stört sich niemand daran. Im Gegenteil: Die Förster beispielsweise sind sogar «glücklich», wie Kantonsförster Ueli Meier vom Amt für Wald beider Basel erzählt. Man könne gut im Wald arbeiten, weil der Boden problemlos befahrbar sei.

Ähnlich tönt es aus der Landwirtschaft: «Man kann jetzt sauber abernten oder gut weiden lassen, ohne dass der Boden kaputt geht», sagt Andreas Gruber vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. Weder die Landwirtschaft noch der Wald leide, weil die Pflanzen ihre aktive Phase eingestellt hätten und kaum mehr Wasser benötigen würden. «Für das, was die Vegetation jetzt noch braucht, reicht bereits der Tau am Morgen», hält Meier fest. Sowohl Meier wie Gruber betonen jedoch: Zieht sich die Dürre bis in den Frühling hin, werde es dann wohl ganz anders tönen.