Nach der Explosion am Dienstagmorgen hat das Feinchemieunternehmen Rohner AG in Pratteln für einen weiteren Grosseinsatz der Rettungsdienste gesorgt. Nachdem sich am Mittwochabend in weiten Teilen der Region ein penetrant nach Gas riechender Gestank ausgebreitet hatte, konnten Spezialisten erst nach Mitternacht die genaue Quelle ausfindig machen. Laut einer Mitteilung des Baselbieter Krisenstabs vom Donnerstagvormittag hat die Explosion am Dienstag dazu geführt, dass beim Aufräumen die stark stinkende Flüssigkeit Ethanthiol aus einem Leck an den durch die Explosion beschädigten Installationen austrat.

Der Gestank breitete sich bis über den Rhein nach Grenzach aus. Die Behörden riefen dazu auf, die Fenster zu schliessen. Betroffene sagten gegenüber der bz aus, dass es auch in Lupsingen, Seltisberg und Rheinfelden stark nach diesem Gas roch. Laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia ist die «ausserordentlich übelriechende Flüssigkeit» wegen ihrer Geruchsintensität sogar im Guinnessbuch der Rekorde eingetragen.

Laut Krisenstab standen das Schadenplatz-Kommando BL, die Feuerwehr Pratteln, die Betriebsfeuerwehr Rohner AG, die ABC-Wehr Basel-Landschaft, ein Chemiefachberater, das Sicherheitsinspektorat BL, das Lufthygieneamt beider Basel, die Regio-Messgruppe, die Geruchsmeldestelle Pratteln, der Dienstoffizier der Berufsfeuerwehr Basel-Stadt, der Kreisbrandmeister vom Landkreis Lörrach/D und die Polizei Basel-Landschaft mit insgesamt 122 Personen im Einsatz.

Lage nun  im Griff

Der Gestank begann am Nachmittag bei Entsorgungsarbeiten, wie der Baselbieter Krisenstab bereits am späten Mittwochabend mitgeteilt hatte. Er stamme von der Substanz Ethanthiol, die als riechbarer Markierungsstoff anderen Substanzen beigemischt werde; so wird auch das Koch-Gas zu Hause riechbar gemacht. Gefahr habe jedoch keine bestanden. Der Gestank war hingegen so unangenehm, dass der Krisenstab die betroffene Bevölkerung aufforderte, die Fenster geschlossen zu halten. Danach breitete er sich am Abend weiträumig aus, sodass laut Krisenstab Behörden-Einsatzzentralen in Basel, Liestal und Lörrach «zahlreiche Meldungen» von besorgten Anwohnern erhielten. Der Wind trug das Ethanthiol auch nordwärts über den Rhein nach Deutschland. Dort fiel es in Grenzach-Wyhlen unangenehm auf, wie die Gemeinde und die deutsche Polizei in der Nacht auf Donnerstag mitteilten.

Gemäss deutschen Informationen sei das Problem bei der Chemiefirma zunächst beim Belüften eines beschädigten Fasses aufgetreten. Danach aber habe man eine «Leckage» einer Produktionsanlage gefunden und abgedichtet. Das Lüften des Gebäudes habe dann den Gestank verschlimmert, doch gegen Morgen habe sich dieser verzogen. Gemäss Krisenstab beruhigte sich die Lage nach Mitternacht. Beim Auslüften des Gebäudes könne indes je nach Wetterlage der Gestank auch am Donnerstagvormittag nochmals lokal auftreten.

Luftmessungen durchgeführt

Luftmessungen wurden laut Baselbieter Krisenstab laufend durchgeführt; sie hätten keine Gefahr für die Bevölkerung gezeigt.

Am Dienstagmorgen war es bei der Rohner AG zu einer Explosion mit anschliessendem Brand gekommen. Zwei Angestellte wurden dabei verletzt; am Produktionsgebäude entstand grosser Sachschaden. Die genaue Ursache wird noch untersucht. In der Folge war schon am Explosionstag von unangenehmem Geruch wegen eines Markierstoffes die Rede. (bos/sda)