Es war halb neun Uhr abends, als im Februar 2017 eine 59-jährige Frau beim Bankomaten in der UBS Reinach 1000 Franken beziehen wollte. Im passenden Moment drängte sich ein junger, kräftiger und vermummter Mann an sie heran, liess sie eine Waffe im Rücken spüren, drückte die Frau mit dem Knie zu Boden und verschwand mit dem Geld. Die Frau wurde nur leicht verletzt, leidet seither aber an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Sie forderte eine Genugtuung von 4500 Franken vom Täter. Die Polizei erliess nach dem Überfall einen Fahndungsaufruf, woraufhin sich der Mann stellte und einen Tag in Haft verbrachte. Der 20-jährige Angeklagte aus Aesch gab am Montag vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz den Raub zu. Der Jahreswechsel von 2016 zu 2017 verlief für ihn nicht gut: Er verlor seine Lehrstelle bei einer Bank und war darüber frustriert. Zumindest war das der einzige Grund, der ihm einfiel: Es sei halt einfach passiert, wiederholte er mehrmals.

Auch auf weitere Fragen von Gerichtspräsident Beat Schmidli gab es keine Antworten. Etwa, weshalb er seine Druckluftwaffe im Auto spazieren führte und wozu er das Geld brauchte. Die CO2-Airsoftpistole «Beretta APX» hatte er vier Wochen zuvor für 120 Euro in Österreich bestellt und sich an ein Paketfach in Weil am Rhein liefern lassen. Mit dem 8er Tram importierte er die Waffe in die Schweiz, was ihm am Montag auch noch eine Verurteilung wegen Verstosses gegen das Waffengesetzes einbrachte. Die Pistole hatte zwar eine sehr geringe Mündungsenergie, sieht aber einer echten Waffe äusserst ähnlich und unterliegt deshalb der Bewilligungspflicht. Das habe er nicht gewusst, beteuerte der Mann im Gerichtssaal. «Sie hätten sich erkundigen müssen», erklärte ihm Schmidli.

Offenbar hatte er mit seinem Auto gleich gegenüber der Bank parkiert und die Automatenzone beobachtet. Dennoch wiederholte er mehrmals, die Idee zum Überfall sei ihm spontan gekommen. Videoaufnahmen des Überfalles zeigten zwar den Überfall klar, wegen der niedrigen Bildfrequenz der Überwachungskameras war die Dynamik und Gewalt des Niederringens aber nur schlecht einzuschätzen. Deutlich war indes zu sehen, wie die Frau zu Boden stürzte.

Genugtuung und Schadenersatz

Verteidigerin Sandra Waldhauser stöberte in der Akte des Opfers und betonte vor Gericht, die Frau habe früher in ihrer Beziehung Gewalt erfahren, man könne deshalb nicht alle psychischen Probleme dem Angeklagten aufbürden. Ihr Mandant sei allerdings zu einer Genugtuung von 1000 Franken bereit. Die drei Richter erhöhten die Genugtuung auf 2000 Franken, dazu kam ein Schadenersatz von 200 Franken. Offenbar hatte die Versicherung der Frau bereits 800 der gestohlenen 1000 Franken ausbezahlt.

Strafrechtlich gab es eine Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten wegen des Raubes. Es war seine erste Verurteilung als Erwachsener. Kurz vor seinem 18. Geburtstag war er Teil eines gewalttätigen Mobs nach einem Fussballspiel und wurde im 2016 vom Jugendgericht wegen Landfriedensbruchs und Gewalt gegen Beamte verurteilt. Staatsanwalt Jörg Rudolf hatte vergeblich eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten verlangt.