Die Bagger stehen bereit, die Mauern der alten Turn- und Konzerthalle abzunagen. Acht Allschwiler wollen den Abriss der «TuK», wie sie genannt wird, verhindern, mit einer superprovisorischen Verfügung. Es wäre sprichwörtlich die Rettung in letzter Sekunde.

Die Gruppe reicht heute Dienstag in Liestal eine Stimmrechtsbeschwerde beim Baselbieter Regierungsrat ein. Ziel ist eine vorsorgliche und superprovisorische Verfügung gegen den Abriss. Falls der Regierungsrat die Beschwerde gutheisst, müsste die Gemeinde alle Arbeiten stoppen.

Volksentscheid gab es keinen

Der letzte Strohhalm, an den sich die Beschwerdeführer klammern: Ein allfälliger Verfahrensfehler, der dem Gemeinderat unterlaufen ist. Über den Abriss der 1926 erbauten «TuK» hätte es eine Volksabstimmung geben müssen, sind die Freunde der Halle überzeugt. Denn im Geschäft zur Immobilienstrategie, das dem Einwohnerrat vorgelegt wurde, sei ein Referendum festgehalten.

In der Beschwerde wird aus dem Protokoll der Einwohnerratssitzung vom März 2017 zitiert, an der die Immobilienstrategie behandelt wurde. Im der Vorlage heisst es, das Schulhaus Gartenstrasse sei zu erhalten, die dahinterliegende Turn- und Konzerthalle jedoch abzureissen.

Weiter wird jedoch auch festgehalten, der Antrag unterliege dem obligatorischen Referendum.
«Wir mussten kürzlich mit Erstaunen feststellen, dass diese Volksabstimmung gar nie durchgeführt worden ist», sagt Matthias Häuptli zur bz. Der GLP-Einwohnerrat ist Mitunterzeichner der Beschwerde.

Im Dezember bewilligte das Ortsparlament den Abrisskredit für die «TuK». Häuptli ist jedoch überzeugt: «Der Widerstand gegen die Zerstörung dieses architektonisch und bauhistorisch wertvollen Gebäudes war damals noch nicht organisiert. Das hat sich geändert.»

«Immenser Verlust an Bausubstanz»

Tatsächlich fanden sich die Abrissgegner erst in den vergangenen Tagen, auf Initiative von Dieter Howald, ein Enkel des «TuK»-Architekten. Howald geht davon aus, dass viele Allschwiler noch gar nicht richtig mitgekriegt hätten, welch immenser Verlust an Bausubstanz drohe. Auch der oberste Baselbieter Heimatschützer ist der Ansicht, die Halle sei zu schützen. 

Der Abrissentscheid sei zwar rechtskräftig, sagt Howald, aber nicht ausdiskutiert: «Solange noch nichts zerstört ist, ist es nicht zu spät!»