Etwas Nostalgie schwingt mit. Autofreie Sonntage – die gab es in der Schweiz im Jahr 1973. Wegen der Ölkrise verordnete der Bund ab dem 25. November an drei Sonntagen Fahrverbote. Die Bevölkerung eroberte die verwaisten Strassen mit Rollschuhen, Velos und Skateboards.

Solche Bilder wünscht sich Fabian Thomi für Pratteln. Der SP-Einwohnerrat hat an der jüngsten Sitzung des Ortsparlaments am vergangenen Montag ein Postulat eingereicht, das den Gemeinderat dazu auffordert, zu prüfen und zu berichten, ob in Pratteln ein regelmässiger autofreier Sonntag stattfinden könnte.

Thomi schwebt vor, dass ein bestimmter Perimeter der Gemeinde abgesperrt wird, damit die Bevölkerung die leeren Strassen und Plätze «abgasfrei für Spiel und Spass» nutzen könnte. Vorbild des Juso-Politikers ist Bern. Die Stadt verbannt viermal pro Jahr sonntags den motorisierten Individualverkehr, jeweils abschnittsweise und von 10 bis 18 Uhr. Betroffen war jüngst das Kirchenfeld-Quartier. Die angrenzenden Tangenten blieben für Autos stets befahrbar.

Thomi sieht seinen Vorstoss als kleinen Beitrag zum Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens. Er schreibt im Vorstosstext, es müsse «ein Umdenken bezüglich des Individualverkehrs stattfinden». Bei anderen Anlässen, etwa der Fasnacht, würden ja auch etliche Strassen abgesperrt. Für einen Aktionstag zugunsten des Klimas solle das ebenso möglich sein.

Der Prattler Gemeindepräsident sagt auf Anfrage der bz, er stehe der Idee grundsätzlich offen gegenüber. «Zuerst müsste aber klar sein, für welchen Zweck welche Strassen und Plätze genau gesperrt werden müssten», sagt Stephan Burgunder. «Wir müssten zudem wissen, welche Veranstaltungen und Aktionen stattfinden, und diese sollten öffentlich sein, also der Allgemeinheit dienen. Einfach vorsorglich Strassen sperren und schauen, was dann passiert – das sehe ich nicht.»

Grossflächig sperren nicht möglich

Der FDP-Politiker betont, es handle sich um seine persönliche Meinung. Zudem habe er das Thema noch nicht im Gesamtgemeinderat besprochen. Burgunder weist auch auf die unklare rechtliche Situation hin: «Als erstes hätten wir abzuklären, wer genau für welche Streckenabschnitte zuständig ist. Die Hauptverkehrsachsen gehören dem Kanton. Die Autobahn zu sperren, wäre Angelegenheit des Bundes. Das ist somit von vornherein utopisch.»

Von der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion heisst es, für kantonale autofreie Sonntage bestehe keine gesetzliche Grundlage. «Der Kanton hat keine Kompetenz für ein grossflächiges Fahrverbot für Motorfahrzeuge oder grossflächige Sperrungen von Strassen. Diese Kompetenzen hat schweizweit nur der Bund.»

Stimmvolk sagte Nein

Die politische Forderung nach autofreien Sonntagen ist nicht ganz neu. 1978 wurde über die Volksinitiative «für zwölf motorfahrzeugfreie und motorflugzeugfreie Sonntage pro Jahr» abgestimmt. Fast 64 Prozent der Stimmberechtigten und alle Stände lehnten das Begehren ab.

Fabian Thomi reichte am Montag zwei weitere Vorstösse ein, die dem Schutz des Klimas dienen sollen. Thomi sagt, seine Forderungen auf kommunaler Ebene seien auch eine Reaktion auf den Landrat. Der lehnte es Ende Februar ab, den Klimanotstand auszurufen – im Gegensatz etwa zu Basel-Stadt und der Stadt Zürich.

Auch Pratteln will vom «Climate Emergency» nichts wissen. Eine Resolution zum Klimanotstand verpasste am Montagabend das notwendige Zwei-Drittel-Mehr wegen einer Handvoll Stimmen. Urheber der Resolution: Fabian Thomi.