Der Mess-Computer der Fachhochschule Nordwestschweiz auf dem Regal hinter dem Boiler und das aufwendige Messsystem an der Wand im Heizungsraum der Familie Renggli-Ferrari in Oberwil zeigen: Da wird eine neue Heizung auf Herz und Nieren geprüft. Ihr Erbauer Martin Omlin bezeichnet sie sogar als «revolutionär». Omlins Stolz: «Es ist erstmals gelungen, eine Eisspeicherheizung so zu konzipieren, dass das Einfamilienhaus nach der Sanierung zu 100 Prozent mit Naturwärme läuft.»

Dies erreichte er durch die Kombination mehrerer Komponenten: Das Haus wurde so isoliert, dass seine Temperatur nachts nicht tiefer als 2 Grad absinkt, wenn man die Heizung ausschaltet. 19 Quadratmeter Niedertemperaturkollektoren auf dem Dach liefern der Wärmepumpe, solange die Aussentemperatur über dem Gefrierpunkt liegt, auch nachts Energie. Da nachts die Heizung ausgeschaltet ist, wird die Energie in den 10'000-Liter-Wasserspeicher unter der Garageneinfahrt gepumpt. Von dort kann man sie tagsüber wieder abrufen, falls die Wärme vom Dach nicht ausreicht.

Da alle Komponenten grosszügig dimensioniert sind, müsse das System nicht am Limit funktionieren. So müsse man den Speicher nur selten bis unter den Gefrierpunkt beanspruchen. Im vergangenen milden Winter habe immer das Dach genug Wärme geliefert, sodass es kein Eis im Speicher gab. Tritt dies ein, ist nämlich irgendwann die zur Verfügung stehende Wärmekapazität erschöpft. Für diesen Notfall haben konventionelle Wärmepumpen- und Eisspeichersysteme einen Elektro-Zusatzheizeinsatz.

«Nachhaltigkeit vorgetäuscht»

Die Revolution besteht also im Verzicht auf die Notheizung. «Sobald die Zuschaltung der Notheizung automatisch erfolgt, wird nämlich Nachhaltigkeit nur vorgetäuscht und vom Elektroheizeinsatz zunichtegemacht», kritisiert Omlin. Im Gegensatz zu Basel-Stadt gebe es im Baselbiet keine neutrale Kontrollstelle für die Inbetriebnahme neuer Heizsysteme. Entsprechend heize man bei schlecht berechneten Anlagen bei tiefen Temperaturen – über den Umweg Wärmepumpe – elektrisch.

Da stösst Omlin das Baselbieter Energiepaket sauer auf: EBL und EBM wurden als Partner des Energiepakets über das Programm 500x500 staatlich mitfinanzierte Energieberatungsmandate zugeschoben. Da EBL und EBM zugleich auch Abteilungen für Heizungsbau betreiben, werde durch die Partnerschaft mit dem Energiepaket der Wettbewerb ausgeschaltet. Seine Forderung: Der Kanton muss erstens die Nachhaltigkeit der installierten Heizungen kontrollieren. Und zweitens müssen sich EBL und EBM aus dem Heizungsbau zurückziehen.

Dazu erklärt Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser: «Das Energiepaket gibt ausdrücklich keine Empfehlungen zu Unternehmen ab. Das gilt auch für den Bereich Heizungen. Deswegen werden an die Veranstaltungen des Energiepakets stets sämtliche beim Energiepaket registrierten Energieberater eingeladen. Jene von EBM und EBL werden in keiner Weise bevorzugt.»

«Jeder soll selbst entscheiden, wen er wählt. Wir behandeln EBM und EBL nicht bevorzugt», bestätigt Felix Jehle von der kantonalen Fachstelle Energie. Und der stellvertretende Direktor der EBM, Thomas Wälchli, erklärt: «Unsere Energieberatung ist nicht kostendeckend, wir schreiben jährlich ein Defizit von 0,5 Millionen Franken.» Kunden würden nicht ans eigene Unternehmen verwiesen. «Durch die Energieberatung erhöhen wir das Marktvolumen in einem Umfang, den wir selbst gar nicht abdecken könnten. Also profitieren davon auch die KMU.»