Es ist wie ein schrecklicher, niemals endenwollender Traum: Die Brandserie in Riehen geht weiter und weiter. Vom Täter oder den Tätern fehlen bislang konkrete Spuren. Inklusive mit dem abgefackelten Bienenhäuschen am vergangenen Sonntag hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile 78 Feuer gezählt. Die meisten an Gartenhäuschen, Holzstapeln, in Tiefgaragen und – im prominentesten Fall – im März 2008 am denkmalgeschützten Bäumlihofgut. Die Riehener haben Angst. Die Bevölkerung stellt sich die Frage: Welche Strafe blüht diesem Serien-Brandstifter, der seit November 2005 in der Gemeinde sein Unwesen treibt und auch Menschenleben gefährdet?

Täter hat Ausmass nicht im Griff

Markus Melzl von der Basler Staatsanwaltschaft (Stawa) führt aus: «Wenn ein Brandstifter vorsätzlich Feuer legt, wird er zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und bis zu 20 Jahren verurteilt.» Gefährdet der Täter gar wissentlich Leib und Leben, muss er mit 3 bis 20 Jahren Gefängnis rechnen. Und davon ist auszugehen, denn: «Der Täter in Riehen wusste nicht immer, ob sich wirklich niemand am Tatort befand», betont Melzl. In den Gartenhäuschen oder Tiefgaragen zum Beispiel.

Würde der Brandstifter aus Riehen gefasst, müsste dieser zuerst von einem Psychiater auf dessen Schuldfähigkeit untersucht werden, sagt der Basler Anwalt Jascha Schneider. Er geht davon aus, dass der Täter ein Pyromane ist und somit dem Zwang folgt, Feuer zu legen. «Von dem Gutachten des Psychiaters hängt die Höhe des Strafmasses ab.»

Ist der Täter schuldfähig, besteht für ihn die Möglichkeit, sich einer ambulanten Therapie oder einer stationären Behandlung in einer geschlossenen Anstalt zu unterziehen. «Erklärt sich der Überführte bereit zu einer dieser beiden Varianten und bricht diese nicht ab, wird die Gefängnisstrafe aufgeschoben und kann sogar entfallen.» In gravierenden Fällen sieht das Gesetz sogar die Verwahrung eines gemeingefährlichen Täters vor, der nicht therapierbar ist. «Dies dann auf Lebzeit», führt Schneider aus.

«Leute wollen keine Kuscheljustiz»

Die Wut in Riehen ist gross. Neben der materiellen Zerstörung – die Basler Polizei spricht von Schäden in Millionenhöhe (bz berichtete) – kommt auch die emotionale Bindung zu den liebevoll angelegten und jetzt abgefackelten Schrebergärten hinzu. Für Jascha Schneider ist klar: «Wird der Brandstifter eines Tages gefasst, wird sich die Gesellschaft bestimmt lautstark zu Wort melden. Die Leute fühlen sich terrorisiert und wollen keine Kuscheljustiz.»

Ungehört würde die Öffentlichkeit denn auch nicht bleiben, denn: «Das Strafbedürfnis des Volkes wird in der Urteilsberatung vom Richter verhandelt.» Das Strafrecht solle schliesslich nicht nur andere Menschen abschrecken, straffällig zu werden, sondern den anderen Bürgern auch zeigen, dass es sich lohnt, keine Straftat zu begehen.

Die Tatsache, dass die Kantonspolizei in bald 90 Brandfällen noch immer im Dunkeln tappt, ist erschreckend. Die Staatsanwaltschaft aber geht nicht davon aus, dass es sich bei allen Taten um denselben Feuerteufel handelt. Und selbst wenn: «Es muss jeder Fall einzeln untersucht und dem mutmasslichen Täter vorgehalten werden», betont Markus Melzl. Könne ihm einer der Brände nicht nachgewiesen werden, würde die Untersuchung dieses Falles eingestellt.