Der Schönthalplatz ist Geschichte. Die Regierung gab gestern ihre Grundsatzentscheide für den zukünftigen Rückbau der Rheinstrasse zwischen Liestal und Pratteln bekannt. Seit Januar hatte sie die Ergebnisse der offenen Mitwirkung (die bz berichtete) analysiert und bewertet. Die umstrittene Neugestaltung des Platzes auf der Höhe der Frenkendörfer Bahnhofstrasse mit ihrer verkehrsberuhigenden Wirkung wird der Kanton nicht weiter verfolgen. Stattdessen sollen die «Platzsituationen links und rechts der Fahrbahn» neu gestaltet werden; eine Temporeduzierung ist nicht mehr vorgesehen.

Vor allem die rebellischen Gewerbetreibenden der IG «Rheinstrasse vernünftig», die möglichst viel Verkehr auf der Rheinstrasse behalten wollen, lehnten den Schönthalplatz als «Flaschenhals» ab. Sprecher Christoph Keigel sieht die wesentlichen Forderungen der IG vom Kanton erfüllt (siehe Box): «Die Aktivitäten unserer Interessengruppe haben sich bezahlt gemacht.» Die Gewerbler bestehen dennoch auf ihren Maximalforderungen und behalten sich rechtliche Schritte vor, sollte der rechtskräftige Plan «von den geforderten Punkten abweichen».

Die beiden Gemeindepräsidenten Rolf Schweizer (Frenkendorf) und Roger Matter (Füllinsdorf) wollen sich ohne Beratung mit ihren Räten nicht detailliert zu den Entscheiden äussern. Am Schönthalplatz soll aber das Projekt ihretwegen nicht scheitern: «Für den Gemeinderat Frenkendorf ist es nur wichtig, dass es vorwärtsgeht», sagt Schweizer.

Auch der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) beider Basel kann ohne den Schönthalplatz leben. Geschäftsführerin Stephanie Fuchs findet es jedoch «äusserst mutlos vom Kanton, dass er den Platz einfach fallen lässt». Das sei eine Absage an eine siedlungsorientierte Gestaltung der Rheinstrasse. Das Argument, der Platz wäre nicht als Mittelpunkt angenommen, lässt sie nicht gelten: «Das ist die Frage nach dem Huhn und dem Ei: Ohne die Schaffung der entsprechenden Atmosphäre kann sich dort keine Belebung einstellen.»

Umweltverträglichkeit in Gefahr

Viel wichtiger ist für den VCS jedoch, dass die Umweltverträglichkeit eingehalten wird. Der Rückbau der Rheinstrasse sei als Ausgleichsmassnahme Bedingung für den Bau der H 2 samt Tunnel gewesen. Deshalb sei ein Spurabbau der Rheinstrasse auch nicht verhandelbar, wie die IG «Rheinstrasse vernünftig» meine, da sie bereits selbst das Ergebnis eines rechtskräftigen Kompromisses sei.

«Es hat wenig Spielraum bei der Rheinstrasse, wenn das Gesamtprojekt H 2 die Umweltverträglichkeitsprüfung bestehen soll», mahnt Fuchs. Das jetzige Projekt werde jedoch mehr Verkehr anziehen. Deshalb sei für sie ein «totaler Widersinn», dass eine rückgebaute Siedlungsstrasse im Notfall wieder als dreispurige Umfahrung ihrer Umfahrung fungieren sollte, obwohl dafür die A 2 bestehe: «Wenn die Möglichkeit da ist, die dritte Spur zu nutzen, ist auch der ständige Druck da, sie zu nutzen.»