Just als Röschenz letzten Monat fünf Flüchtlinge aus der Türkei aufgenommen hat, ist via Whatsapp ein gefälschtes Rundschreiben mit offiziellem Logo der Gemeinde, dem «Mattegumper», verschickt worden. Darin titelt eine unbekannte Urheberschaft: «Wir helfen den Flüchtlingen!» und macht weis, der Gemeinderat habe entschieden, in den kommenden Monaten 50 syrische Asylsuchende – vorwiegend Männer zwischen 30 und 45 Jahren – aufzunehmen.

Weiter heisst es: «Dies ist eine allgemeine Infobroschüre an die Gemeinde Röschenz», was dem Schreiben weiter offiziellen Charakter verleiht. Die Flüchtlinge sollen im Mehrzweckgebäude an der Unterdorfstrasse untergebracht werden. «Der Kanton Baselland hat der Gemeinde Röschenz die nötigen finanziellen Ressourcen bereitgestellt.» Auch sei die Gemeinde auf die tatkräftige Unterstützung ihrer Bevölkerung angewiesen.

Klare Worte des Gemeinderats

Zudem ist von drei Daten die Rede, an denen Spendenaktionen stattfinden sollen. Damit machen sich die Urheber laut Gemeinderat «in zynischer Art und Weise über die Hilfsbereitschaft der Röschenzerinnen und Röschenzer lächerlich». Im anonymen Flugblatt wird auch erwähnt, dass vermehrt Sicherheitskräfte im Dorf anzutreffen seien. Die Kantonspolizei übernehme dabei die Führung und Absicherung des jeweiligen Gebiets.

«Der Gemeinderat war sehr überrascht und befremdet über dieses anonyme Schreiben. Er verurteilt diese perfide Verunsicherungskampagne aufs Schärfste», erklärt Gemeindeverwalter Heinz Schwyzer. Der Rat könne sich nicht erklären, was das bezwecken soll. Der Inhalt entbehre jeglicher Grundlage.

«Mit dieser Aktion wird gezielt versucht, Ängste zu schüren, die kantonalen und kommunalen Behörden zu verunglimpfen und eine fremdenfeindliche Stimmung in unserem Dorf zu erzeugen», braucht der Gemeinderat im neusten «Mattegumper», dem offiziellen Infoblatt der Gemeinde Röschenz, deutliche Worte. Röschenz’ Exekutive hat am 22. Oktober bei der Baselbieter Polizei Anzeige gegen unbekannt eingereicht, was die Polizei bestätigt.

Das gefälschte Dokument wurde via der Smartphone-App Whatsapp in Umlauf gebracht. Mitte Oktober wurde ein Gemeinderat von jemandem aus der Dorfbevölkerung auf das anonyme Schreiben aufmerksam gemacht. Unbekannt ist, wie breit das Schreiben gestreut worden ist. Über das Motiv und die Täterschaft herrscht ebenfalls Unklarheit. Schwyzer sagt: «Alle mir bekannten Empfänger haben die Zeilen als Falschmeldung wahrgenommen.»

Die Gemeinde Röschenz beherbergt derzeit sieben Flüchtlinge. Dies entspricht 0,4 Prozent der Dorfbevölkerung. Sollte der Kanton die vorgeschlagenen 0,8 Prozent durchsetzen, müsste die Laufentaler Gemeinde sieben weitere Flüchtlinge aufnehmen. «Wir hätten die Möglichkeit, auch diese unterzubringen», sagt der Gemeindeverwalter.