Roger Moll, in der Stadt ist man derzeit wohl nicht so gut zu sprechen auf Sie: Es heisst, Sie seien der Totengräber des Ozeaniums.

Roger Moll: Das wundert mich. Ich habe das Ozeanium bewusst nie in Zusammenhang gebracht mit dem Margarethenstich. Weil: Wir sind der Meinung, dass das Ozeanium so gebaut werden kann, wie es der Zoo bauen will – mit ganz minimen baulichen Änderungen. Was jetzt gesagt wird aus dem Departement Wessels und von Herrn Keller (gemeint sind der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels und Marc Keller, Sprecher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements, Anmerkung der Redaktion), ist Angstmacherei. Dass sich Wessels nun zum Fenster hinauslehnt, bevor der Ratschlag zum Ozeanium im Grossen Rat überhaupt besprochen worden ist, das ist Unsinn. Dieses Vorgehen ist komplett falsch.

Ohne Zweifel hat man jetzt ein Problem in der Stadt, seit klar ist, dass der Margarethenstich nicht kommt. Es ist unklar, wohin die Wendeschlaufe an der Heuwaage versetzt werden kann. Wie lautet Ihr Lösungsvorschlag?

Im Jahr 2003 hat die die Firma Rapp eine Studie angefertigt, damals ging es um das geplante, aber nie realisierte Multiplex-Kino. Es wurde skizziert, wie die Schlaufe ausschauen könnte. Dann hat Rapp eine weitere Studie im Zusammenhang mit dem Ozeanium erstellt. Unter anderem ist dort der Heuwaage-Bogen aufgeführt. Ebenso ist eine leichte Verschiebung der Schlaufe im Raum Heuwaage vorgesehen. Also: Es ist absolut machbar, das Ozeanium zu bauen – natürlich mit gewissen Änderungen in der Planung. Aber man muss halt den Willen haben.

Der Wille ist doch da. Nur wird das Projekt Ozeanium nun komplizierter und teurer.

Die Mehrkosten werden sich in Grenzen halten. Zurück zum Willen. Hier komme ich zu meiner grossen Kritik an der Basler Regierung. Ich war immer der Meinung, dass sie eigentlich gegen das Ozeanium ist – ausser dem zurück getretenen Regierungspräsidenten (Guy Morin, die Redaktion). Der war dafür. Aber das, was jetzt aus dem Departement Wessels kommt, ist der Beweis, dass man von jener Seite das Ozeanium gar nicht will.

Das Referendumskomitee hat eine neue Weiche ins Spiel gebracht. Das Tram könnte an der Heuwaage von Binningen her kommend nach rechts in die Innere Margarethenstrasse abzweigen. Laut BLT-Direktor Andreas Büttiker wäre eine solche Weiche aber nicht praktikabel: Die Trams wären dort wegen der Kurvenradien und der Neigung Schienenfresser.

Die wollen das einfach nicht, Punkt, Schluss! Es gibt wie erwähnt Studien dazu von Rapp Ingenieure. Wenn diese Kurvenradien und Neigungen nicht möglich wären, dann müsste man die Weichen am Bankenplatz wieder heraus reissen.

BLT-Direktor Andreas Büttiker zur Abstimmung über den Margarethenstich

BLT-Direktor Andreas Büttiker zur Abstimmung über den Margarethenstich

(24.9.2017)

Man hat einen Riesenbatzen verschenkt. Der Bund hätte sich mit sieben Millionen Franken am Margarethenstich beteiligt.

Hinter diese sieben Millionen ist ein Fragezeichen zu setzen. Der Anteil des Bundes war abhängig von der Schlussabrechnung, und bei dieser beträgt sein Anteil 40 Prozent. Und wie hoch dieser Betrag ausgefallen wäre, weiss kein Mensch, kein Experte, kein Bauexperte. Also, es wäre okay gewesen zu sagen: Es sind Subventionen vom Bund in der Höhe x zu erwarten, aufgrund der Schlussabrechnung. Aber so wurde den Leuten Sand in die Augen gestreut. Das Einzige, was gesichert war, waren die zwei Millionen der BLT. Und wenn man jetzt über die Schlaufe diskutiert, im Zusammenhang mit dem Ozeanium: Der Kanton Baselland könnte die sieben Millionen, die er ausgegeben hätte für den Margarethenstich, an Basel-Stadt zahlen an die Umlegung der Schlaufe. Man könnte sogar noch weitergehen. Basel ist die Kernstadt der Region Nordwestschweiz. Ich stelle mir vor: Baselland und Basel-Stadt vereinbaren ein fifty-fifty, teilen sich die Kosten für die Verlegung der Schlaufe hälftig. Das wäre auch partnerschaftlich kein schlechtes Zeichen. Wenn ich noch im Landrat sässe, würde ich sogar in diese Richtung einen Vorstoss machen.

Baselland soll die Hälfte zahlen an den Kosten der Tramschlaufen-Versetzung an der Heuwaage?

Richtig!

Was sagen Sie zu den Fake-News, die im Umlauf waren vor der Abstimmung? Es hiess etwa, das Margarethen-Kirchli werde abgerissen.

Das ist ein Witz. Der ganze Perimeter um das Kirchli ist im Inventar für schützenswerte Landschaften des Bundes aufgeführt. Da wird also nichts verändert. Aber wer mich klar enttäuscht hat, sind die Denkmalpflege und der Heimatschutz des Kantons Basel-Stadt. Wenn man sich vor Augen führt, wie das ausgesehen hätte mit den neuen Masten und den Abspannungen der Fahrdrähte – das hätte den Hügel verunstaltet. Und da sagen die Denkmalpflege und der Heimatschutz nichts... Nein, sie sind sogar noch dafür.

Sabine Pegoraro wurde kritisiert, dass sie sich nicht in den Abstimmungskampf eingeschaltet hat als Baselbieter Baudirektorin.

Im Nachhinein mit so etwas zu kommen, ist höchst unanständig. Ich hätte mir eine solche Kritik zu meiner Zeit als Landrat nie erlaubt. Auch die Aussage von Ständerat Claude Janiak, er würde nun das Komitee für den Erhalt des Läufelfingerli nicht mehr unterstützen, finde ich charakterlos von einem gewählten Politiker.

Er sei eine beleidigte Leberwurst - Janiak hat selber gesagt, man dürfe ihn jetzt so nennen.

Er ist ein Schlitzohr.

Sie hatten das gesamte Polit-Establishment des Leimentals gegen sich. Auch der Landrat hatte sich für den Margarethen-Stich ausgesprochen. Doch das Volk entschied ganz anders. Was stimmt hier nicht mehr?

Das ist ein Problem, das die Politik überall hat, also nicht nur kommunal, sondern auch kantonal und national. Die Politiker haben den Kontakt zur Basis verloren. Und wenn der Kontakt verloren gegangen ist, dann fehlt irgendwann auch das Vertrauen. Ich pflegte während meiner politischen Tätigkeit immer den Austausch mit Andersdenkenden. Ich akzeptierte jede Meinung, solange man anständig blieb. Heute ist das anders. Die Politiker bewegen sich in ihrer Blase. Das sieht man bei den Baselbieter Volksvertretern in Bern: Die wissen nicht mehr, wie die Bevölkerung tickt. Dabei wurden sie doch genau von diesen Leuten gewählt.

Was müssten die Politiker anders machen?

Man muss hinstehen: Sagen, was man denkt und was man will, was die Ziele der eigenen politischen Arbeit sind. Und dann muss man zuhören können, in Erfahrung bringen, wo den Wählerinnen und Wählern der Schuh drückt. Das ist ein Riesenaufwand und mit Arbeit verbunden. Bei mir hiess das früher, neben Beruf und Familie: An Anlässe gehen und Freitagabend sowie am Samstag und Sonntag Dossiers studieren.

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Roger Moll (75) sass von 1987 bis 2003 für die FDP im Landrat, 1995/96 präsidierte er ausserdem den Binninger Einwohnerrat. Der pensionierte Bautechniker wohnt in Binningen.