Zwischen 2016 und vergangenem Jahr gab es bei der Prattler Chemiefirma Rohner 225 Störfälle, an denen die Feuerwehr der Gemeinde eingreifen musste. Die Kosten dafür summierten sich seit 2015 auf über 40'000 Franken. Die letzte Tranche von 8700 Franken fürs letzte Jahr habe Rohner noch nicht beglichen, sagte Gemeinderat Stefan Löw (FDP) zu Beginn der Einwohnerratssitzung. Drei Fraktionen hatten wegen der Sicherheitsprobleme bei Rohner dringende Interpellationen gestellt, unter anderem zu den Schulden bei der Gemeinde.

Die Feuerwehreinsätze dürften noch den kleineren Betrag darstellen, den Rohner der Gemeinde schuldet. Hinzu kommen ausstehende Zahlungen für Wasserlieferungen und Abwasserentsorgung. Wie hoch diese ausstehenden Beträge sind, das wollte der Gemeinderat dem Einwohnerrat nicht verraten, mit Hinweis auf den Datenschutz. Mit der Firma Rohner bestehe ein Abzahlungsvertrag, sagte Löw. «Wird er nicht eingehalten, werden wir uns nicht scheuen, die nötigen Massnahmen zu ergreifen, um unsere Forderungen durchzusetzen», sagte er.

Ständig neue Finanzchefs

Einen Einblick in die Zahlungsmoral von Rohner gab Christine Gogel (SP), im Gemeinderat für Finanzen zuständig: Es habe schon «diverse Zahlungsvereinbarungen» mit Rohner gegeben, sagte sie. «Mit jedem neuen Finanzchef gibt es zwei, drei Monate lang Zahlungseingänge.» Doch die Fluktuation bei Rohner sei hoch. «Bis die neuen Finanzchefs eingearbeitet sind, müssen wir immer bohren, die Sache aufarbeiten und einen neuen Zahlungsvertrag abmachen.» Und dann laufe die Sache doch bald wieder aus dem Ruder.

Dass gegen Rohner Betreibungen laufen, ist bekannt. Im Herbst waren Forderungen von insgesamt 900'000 Franken offen, in den vergangenen Jahren wurden Löhne verspätet bezahlt. Für Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP) bewegen sich die Ausstände gegenüber der Gemeinde «in erträglichem Mass».

Wie unvorhersehbar die Finanzchefs der Firma sind, wurde deutlich, als Burgunder spontan das Wort ergriff. Am Nachmittag vor der Einwohnerratssitzung sei doch noch die Zahlung für die Feuerwehrkosten des letzten Jahres eingegangen, vermeldete er. «Das ist erfreulich», meinte Löw unter allgemeinem Gelächter, und Gogel kommentierte: «Jetzt hoffen wir, dass in Sachen Zahlungen wieder mal etwas läuft.»

Was im Einwohnerrat auch deutlich wurde: Die Gemeinde hat für die Altlastensanierung gesorgt – aber nicht ausreichend. Als die Immobilienfirma Hiag das Areal von Rohner kaufte, verlangte die Gemeinde Bankgarantien für die Altlastensanierung. Löw musste aber einräumen: Die Bankgarantien decken nicht die ganze Sanierung, insbesondere nicht diejenige des Bodens.