Die Vergangenheit hiess Huttwil, Interlaken oder Worb. 2012 hat das Autokino «Cinema Drive-In» dann seine wahre Heimat gefunden: an der Lohagstrasse 14, ganz im Nordosten von Pratteln. Das weisse Gebäude der benachbarten Firma Sieber Transporte bietet «die perfekte Wand», wie Organisator Giacun Caduff erklärt. Normalerweise würde die Miete einer 25 Meter breiten Leinwand eine schöne Stange Geld kosten – nicht aber in diesem Fall. Auch die Infrastruktur des Nachbarn darf man nutzen. «Mit Sieber Transporte pflegen wir eine megagute Zusammenarbeit», freut sich Caduff.

Wie der Veranstaltungsort wird auch das klassische Autokino-Flair aus den letzten Jahren beibehalten. Rollergirls und Popcorn-Boys servieren Hamburger und Milkshakes, sorgen für das passende Fifties-Feeling. Anpassungen habe es zwar gegeben, «aber das sind kleinere Upgrades, die den Besuchern gar nicht auffallen», versichert Caduff.

Zwei grössere Veränderungen gibt es aber: Zum einen läuft der Ticketverkauf erstmals über Starticket, und zum anderen ist der Foodtruck-Betreiber Meat & Greet für die Verpflegung zuständig. «Bisher haben mein Team und ich die Burger zubereitet», sagt Caduff. «Dieses Mal dachten wir, wieso nicht einmal etwas anderes ausprobieren?»

Die Hälfte der Streifen im Original

Was das Programm betrifft, setzt man beim «Cinema Drive-In» vor allem auf Klassiker – und das nicht, weil man sich aktuelle Blockbuster nicht leisten will. «Die Lizenzen für aktuelle Filme sind gar nicht teurer als für ältere», räumt Caduff mit einem Vorurteil auf, und fügt hinzu:«Wieso sollten wir Sachen zeigen, die ohnehin überall laufen?»

Die Filmauswahl hängt vor allem damit zusammen, dass die Stammkunden alte Streifen und Kultfilme schätzen. Zudem wird die Hälfte der Filme im Originalton mit Untertiteln gezeigt, die andere in der deutschen Synchronfassung. Das geht auf den Dialog mit den Besuchern zurück. «Wir haben die Leute befragt, welche Version sie bevorzugen – die Antworten waren fifty-fifty», verrät Caduff.

Die Filme um 22 Uhr werden allesamt in der deutschen Fassung auf die Gebäudewand projiziert, denn es sind vor allem Streifen wie «Jurassic Park» oder «Mrs. Doubtfire», die für die ganze Familie geeignet sind. «Synchronfassungen machen den Besuch mit Kids einfacher», findet der Organisator.

Start mit «Django Unchained»

Die Mitternachtsvorstellungen sind dann nicht mehr ganz so familientauglich: Mit Ausnahme der Seventies-Blechlawine «Smokey And The Bandit» stehen härtere Action («Die Hard»), Horror («Saw») und zotige Komödien («The 40 Year Old Virgin») auf dem Programm. Sie alle laufen im Originalton – mit Ausnahme von «Django Unchained», der heute am Eröffnungsabend gezeigt wird. Ein Quentin-Tarantino-Film auf deutsch? Da hat ein Filmfan wie Caduff ein komisches Gefühl. Doch die Nachfrage ist da: Bereits seien Tickets für 50 Autos im Vorverkauf weggegangen.

Sogar 80 Fahrzeuge werden morgen geparkt sein, wenn «Pretty Woman» über die Leinwand flimmert, die Vorstellung ist ausverkauft. Giacun Caduff rechnet damit, dass das Gelände auch bei den meisten anderen 22-Uhr-Filmen bis zum Bersten voll sein wird. «80 Autos tönt nach viel, ist es aber nicht», sagt der Veranstalter und versichert, dass in den Mitternachtsvorstellungen stets genug (Park-)Plätze für Kurzentschlossene vorhanden sein werden. Selbst Filmfans ohne Auto finden Platz: in einem London-Bus.

Und was sind das eigentlich für Leute, die sich Filme im Autokino ansehen? «Wir haben viele Pärchen», weiss Giacun Caduff und erwähnt an zweiter Stelle die Raucher. «Bei uns darf halt noch geraucht werden», meint er schmunzelnd. Auch Lärmbelästigung und Regen spielen beim «Cinema Drive-In» im Gegensatz zu gewöhnlichen Open-Air-Kinos keine Rolle.
Es hat also einige Vorteile, das einzige Autokino der Schweiz zu sein. Caduff freut sich: «Wir sind unique!».