Das vermeintliche Ende war gut inszeniert: An einem Abschiedsapéro nach dem Liestaler Umzug stiessen die Rotstäbler gestern Sonntagabend gemeinsam mit befreundeten Cliquen, einigen Flaschen Weisswein und Speckgugelhopf an. Noch am Umzug schien es, als wäre es der grössten und ältesten Liestaler Trommler- und Pfeiferformation ernst mit dem Aufhören.

Schön sei es gewesen, doch ein 89. Rotstab-Jahr soll es nicht geben. Das Interesse der Besucher an richtigen Sujets schwinde – umgekehrt sei in der Clique das Empfinden gross, die «Fasnachts-Party» nur noch zu stören, lamentiert die Rotstab-Clique, nachzulesen auf ihrem Zeedel.

E junge Bursch am Umzug sait,
«Euchi Larve si denn grusig!»
Und dä näbedraa,
wo nid emol ä Blaggedde trait, sait:
«Hauet ab, i wart uf d Guggemusig!»

Trotz der Kritik an den jüngsten Fasnachts-Trends trat dann aber ein, was die bz bereits vor Tagen orakelte: Die Ankündigung, ab 2019 nicht mehr an der Strassenfasnacht teilzunehmen, war und ist letztlich «nur e Schtraich, Fake News nennt me hüt dä Saich»: So eilten am Apéro zwei Rotstäbler herbei und legten eine goldgelbe «Fake News»-Schleife um die Laterne. Der Erklärungsbedarf ist gross, schliesslich hat die Rotstab-Clique mit der im Januar auf ihrer Homepage publizierten Ankündigung in der Fasnachtsszene für Verunsicherung gesorgt.

«Das riesige Medien-Echo hat uns überrollt. Wir haben nicht damit gerechnet, dass unser Sujet ein solches Thema wird», sagt Carol Zumbrunnen, Präsidentin der Rotstab-Clique, auf Anfrage.

Fake News als Fasnachtssujet – ein heikles Unterfangen, wenn man selbst mit alternativen Fakten hausieren geht. Zumbrunnen räumt ein, dass das Thema die Cliquen-Mitglieder zum Nachdenken gebracht habe. Allerdings habe sie kein schlechtes Gewissen: «Wer Fasnächtler ist, sollte dies verstehen und uns das nicht übel nehmen.» Auch sagt sie, dass das ein einmaliger Gag gewesen sei, der in die Geschichte der 1930 gegründeten Clique eingehen werde.

Die Diskussion um die Liestaler Fasnachtskultur sei damit alles andere als vom Tisch. Auch sagt Zumbrunnen, dass es neben der Strassenfasnacht viele tolle Betätigungsmöglichkeiten für die Clique gebe – im Sommer werde man am Eidgenössischen Tambouren- und Pfeiferfest in Bulle teilnehmen. Im Herbst reist die Clique dann an die «Lord Mayor’s Show», eine der grössten Strassenparaden Londons. Und da ist ja immer noch das Rotstab-Cabaret, die renommierteste Vorfasnachtsveranstaltung im Landkanton. Langweilig wäre es der Clique also auch bei einem Verzicht auf die Strassenfasnacht nicht geworden.
Nur eben:

«E Fasnacht ohni Rotstab,
o mein Gott,
Das isch wie dr Lieschtler Stadtroot
ohni Ott.»

Eine witzige Pointe, die allerdings inhaltlich nicht zutreffend ist. Der Liestaler Stadtrat ohne den Grünen Lukas Ott mag zwar für einige tatsächlich schwer vorstellbar gewesen sein, ist aber seit Dezember Tatsache.