Paul Hofer ist weg. Weit weg. Zurzeit sitzt er im australischen Melbourne an irgendwelchen Sitzungstischen und verhandelt mit potenziellen Geldgebern über die Unterstützung eines Start-Up-Unternehmens. Der 71-Jährige jettet um die Welt. Das ist sein Leben. War es schon immer. Natürlich: Es gibt auch den Oberwiler Politiker Hofer, der es bis in den Landrat und ins Parteipräsidium der FDP Baselland geschafft hat. Doch auch wenn er dem Parlament erhalten bleibt – mindestens bis zu den Wahlen 2019 – hat Hofer mit seinem Rücktritt als Parteipräsident am Mittwoch ein Zeichen gesetzt.

Wenn das politische Engagement die Erfolge des eigenen Unternehmertums gefährdet, dann hat das Unternehmen Vorrang. Das gilt längst nicht nur für Hofer, sondern ist der Grund, weswegen es grundsätzlich wenige selbstständige Unternehmer in politischen Ämtern gibt. Paul Hofer hat erkannt, dass er vielleicht noch alle zwei Wochen in den Landrat sitzen kann, nicht aber eine gespaltene Partei in die alles entscheidende vierjährliche Schlacht der Gesamterneuerungswahlen von Regierung und Kantonsparlament führen kann.

Hofer hat sich entschieden. Spät. Aber richtig. Jetzt kann er sich wieder dem widmen, wo er aufblüht, dem global business. Damit ist auch gesagt: Das Amt des Parteipräsidenten war seine Sache nicht. Natürlich betrieb er in dem guten Jahr, seit er Christine Frey im August 2017 beerbt hatte, erheblichen Aufwand. Und zu sagen, er hätte nichts geleistet, wäre kreuzfalsch: Hofer stellte die Parteileitung und die Geschäftsleitung komplett neu auf.

Dies, nachdem die alte wirtschaftskammernahe Führungsriege um Christoph Buser, Christine Frey, Andreas Dürr und Christoph Hiltmann sich zurückgezogen und einen Scherbenhaufen hinterlassen hatte. Diese Gruppe hat erheblich an Macht eingebüsst. Stattdessen blüht der gesellschaftsliberale Flügel auf. Auch setzte Hofer konsequent auf die Jugend mit dem 22-jährigen Aushängeschild Naomi Reichlin, die bereits zur Vizepräsidentin aufgestiegen ist. Aber auch die 29-jährige Gina Zehnder, die jüngst zur Geschäftsführerin ernannt wurde, wurde von Hofer gefördert.

Paul Hofer reüssierte in dem, was er kann. Er baute als Manager das «Unternehmen FDP Baselland» neu auf. Brachte klare Strukturen und eine neue Riege engagierter Leute. Auch die neue Präsidentin Saskia Schenker – das «ad interim» kann man wohl bald schon weglassen – gehört zum «Team Hofer» und dürfte sich als Glücksfall für die Partei erweisen. Denn sie bringt mit, was Hofer eindeutig fehlt: das politische und kommunikative Sensorium. In der Welt des Paul Hofer funktionierte es so, dass er sich selbst irgendeinen Plan zurechtlegte, bereits im Hintergrund etwas aufgleiste und dann die Parteileitung vor vollendete Tatsachen stellte. Fast-Regierungskandidat Daniel Recher aus Ziefen lässt grüssen.

Seine interne Kommunikation war wirr, teils zufällig und schlecht abgesprochen. Das ist Gift für die Arbeit in einem politischen Kollektiv. Und ging es um Botschaften nach Aussen, so zitterte die Parteileitung dem Vernehmen nach immer, wenn Hofer selbst eine Pressemitteilung verschickte. Es ist kein Zufall, wurde ihm zuletzt mit Kommunikationsleiter Daniel Piller ein Aufpasser zur Seite gestellt, der alles vorab prüfte.

Trotz dieser Zustände wurde Hofer nach aktuellem Wissensstand nicht aus dem Amt gejagt oder zum Rücktritt gedrängt. Es scheint tatsächlich sein eigener Entscheid gewesen zu sein und die berufliche Überlastung nicht bloss vorgeschoben. Natürlich dürfte die interne und externe Kritik – auch seitens der bz – nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sein. Doch zurückgetreten wäre Hofer deswegen nicht. Ein Top-Manager entscheidet selbst. Letzte Ausfahrt Australien.

Saskia Schenker wird nun in der fast unveränderten Parteileitung weiterarbeiten. Es wird nicht zum Comeback alter Kräfte kommen. Der Kurs der FDP bleibt derselbe – bloss mit einer Kapitänin, von der intern gesagt wird, dass sie viel strukturierter ist und alle mit einbezieht. Das muss Schenker nun beweisen. Die Wahlen 2019 können kommen.