Herr Brassel, welchen Zweck hatten die Bezirke früher?

Ruedi Brassel: Die Bezirke waren dezentrale kantonale Verwaltungseinheiten, die bevölkerungsmässig etwa gleich gross sein sollten. Daher kommt es etwa, dass die beiden Gemeinden Diegten und Eptingen dem Bezirk Waldenburg zugeteilt wurden, obwohl sie auf Sissach ausgerichtet sind.

Mit der Aufhebung der Bezirksgerichte und Bezirksschreibereien fällt diese dezentrale Kantonsstruktur nun weg. Soll man die Bezirke gleich mitabschaffen, wie es andere Kantone getan haben?

Ja, für mich sind die Bezirke überflüssig geworden. Die heutige Mobilität hat die Bezirksorganisation unterminiert. Zudem entsprechen die Bezirke nicht mehr der ursprünglichen Zielsetzung von gleich grossen Einheiten. Der Bezirk Arlesheim mit seinen 150000 Einwohnern stellt heute mehr als die Hälfte der gesamten Kantonsbevölkerung.

Befürworter eines Bezirks streichen jedoch hervor, dass dezentrale Strukturen wichtig sind.

Aus meiner Sicht ist die Zentralisierung im Baselbiet nicht ein wahnsinnig grosses Problem. Es ergibt jetzt keinen Sinn, drei Jahrzehnte über mögliche oder unmögliche Bezirksgrenzen zu diskutieren. Das ist ein Scheingefecht. Viel wichtiger wäre eine Debatte über einen wiedervereinigten Kanton Basel – aus historischen und heute auch aus finanzpolitischen Gründen. Das ergäbe ganz andere Perspektiven.

Und würde dezentrale Strukturen wie Bezirke wieder aktueller machen?

Das ist davon abhängig, welche Stellung den Gemeinden in einem fusionierten Kanton zukommt. Gibt es eine Vielzahl von kleinen Gemeinden oder werden zugleich Gemeindefusionen realisiert, die den nun grösseren Gemeinden mehr Gewicht geben? Oder zielt man auf die Bildung von mehr Zweckverbänden ab wie bei Spitex oder Feuerwehr? All diese Entwicklungen werden die Bedeutung der Bezirke weiter schmälern.

Somit ist es für Sie unnötig, den Bezirksbegriff auszuweiten, um regionale Aufgaben zwischen den Gemeinden zu ermöglichen? Das will der Kanton nun mit dem neuen Verfassungsartikel.

Regionalisierungen über die Gemeindegrenzen hinaus sind durchaus sinnvoll. Doch diese regionalen Aufgaben müssen sich nicht unbedingt an die heutigen Bezirksgrenzen halten. Da sind pragmatische Lösungen gefragt und nicht solche, die an überholten Strukturen kleben.