Das Stimmvolk im Kanton Aargau hat am Wochenende die Mundartinitiative angenommen. Diese will, dass «die Unterrichtssprache im Kindergarten grundsätzlich die Mundart ist».

Was bedeutet dies für die Kantone beider Basel? Neben den Kantonen Basel-Stadt, Baselland und Solothurn ist der Kanton Aargau auch ein Kooperationspartner im Bildungsraum Nordwestschweiz. Dieser wurde Ende 2009 von den vier Kantonen lanciert, um im Bildungsbereich gemeinsame Lösungen zu erarbeiten und auf der nationalen Ebene ein grösseres Gewicht zu erhalten.

Dafür findet insbesondere auf der Verwaltungsebene und an der pädagogischen Hochschule eine entsprechende Zusammenarbeit statt. «Das Abstimmungsresultat im Kanton Aargau bedeutet nichts für den Bildungsraum Nordwestschweiz. Ob Mundart oder Hochdeutsch im Kindergarten gesprochen wird, ist kein gemeinsames Thema», sagt Christian Aeberli, Vorsitzender der Leitungskonferenz Volksschule im Bildungsraum Nordwestschweiz.

Visionäre Idee nicht Realität

Diese Einschätzung teilen alle von der bz angefragten Personen in Politik und Verwaltung. Allerdings fallen ihre Begründungen unterschiedlich aus und sie stützen sich auf teils verschiedene Auffassungen bezüglich des Bildungsraumes. Diesem misst Oswald Inglin, Präsident der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission (BKK), kein grosses Gewicht mehr zu: «Der Bildungsraum Nordwestschweiz hat mit dem Aargauer Kleeblatt-Entscheid an Bedeutung eingebüsst. Der ehemals grosse Traum eines einheitlichen Bildungsraums ist dadurch weitgehend verunmöglicht worden.»

Aeberli räumt zwar ein, dass die visionäre Idee eines gemeinsamen Bildungsraumes nicht Realität wurde, lobt aber die gegenwärtige Zusammenarbeit der vier Kantone: «Der Bildungsraum Nordwestschweiz ist keineswegs tot. Zurzeit sind zehn Arbeitsgruppen an verschiedenen Themen.» Aeberli betont, dass insbesondere über die Pädagogische Hochschule ein intensiver Austausch zwischen den vier Kantonen gepflegt wird, «eine Zusammenarbeit, die in dieser Form einzigartig in der Schweiz ist».

Unterschiede vergrössern sich

Mit der Abstimmung schlug der Kanton Aargau nicht zum ersten Mal einen eigenen bildungspolitischen Weg ein. So wird in den Kantonen Basel-Stadt, Baselland und Solothurn Französisch als erste Fremdsprache unterrichtet - im Kanton Aargau hingegen Englisch. Mit der Mundartinitiative nehmen die Differenzen zwischen den Kantonen nochmals zu. Dennoch will auch der Leiter der Volksschulen im Kanton Basel-Stadt, Pierre Felder, weiterhin an der Zusammenarbeit festhalten: «Es gab gewisse Rückschläge für den Bildungsraum Nordwestschweiz. Er ist aber immer noch eine wichtige Strategie.»

Auch der Baselbieter SP-Landrat, Thomas Bühler, will an der Zusammenarbeit festhalten: «Für den Bildungsraum Nordwestschweiz ist insbesondere die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte wichtig, die Anpassung der Schulstrukturen oder die Einführung des gemeinsamen Lehrplans 21. Hierbei sollte nicht jeder Kanton sein eigenes Süppchen kochen.»

In Bezug auf die Anpassung der Bildungsbereiche in den vier Kantonen sind jedoch die Meinungen geteilt. Für den Vorsitzenden der Leitungskonferenz Christian Aeberli ist der Kanton Aargau im Bildungsraum «in wesentlichen Strukturfragen harmonisiert». Dem widerspricht Oswald Inglin: «Von einer Harmonisierung sind wir weit entfernt.» Für Inglin besteht der eigentliche Bildungsraum lediglich zwischen Baselland und Basel-Stadt. Auch diese Zusammenarbeit könnte «durch Harmos-feindliche Initiativen gefährdet sein». Gegenwärtig sammelt das Komitee «Starke Schule Baselland» Unterschriften für eine kantonale Bildungsinitiative, die den Ausstieg aus dem Harmos-Konkordat verlangt.