Es muss eine bewegte Zeit gewesen sein, das 14. Jahrhundert: Frankreich und England brachen einen hundertjährigen Krieg vom Zaun, die Pest raffte einen Drittel der Bevölkerung Europas dahin, und die Könige des Heiligen Römischen Reichs legten die ungeheuerliche Frechheit an den Tage, sich vom Papst emanzipieren zu wollen. Was ihnen erstaunlicherweise auch noch gelang.

Und als sich jenes Jahrhundert langsam dem Ende zuneigte, tauchten auf einem Grat des Blauen Arbeiter auf. Ihr Auftrag: Einen mächtigen Turm errichten – 22 Meter hoch. Es war der Wohntrum der Ruine Pfeffingen, die bis heute weitherum sichtbar über dem Birstal thront. Die Anlage wird derzeit vom Kanton aufwendig saniert. Am Samstag ist Tag der offenen Baustelle – der Turm und die übrigen Teile können besichtigt werden (siehe Kasten rechts).

Aus welcher Zeit der Wohnturm stammt, darüber gab es bisher nur vage Schätzungen. Parallel zu den Sanierungsarbeiten konnten Spezialisten nun aber Holz, das für den Bau der Mauern verwendet wurde, untersuchen. Die Jahrring-Analysen ergaben: Die Hölzer wurden in den Jahren 1385 bis 1390 eingesetzt.

Über 600 Jahre alt

«Früher kamen wir gar nicht so hoch», sagt Projektleiter Michael Schmaedecke von der Archäologie Baselland. «Nun konnten wir aber das Gerüst für die Sanierung nutzen. Und siehe da: Die Hölzer sind wesentlich jünger als bisher angenommen.» Die Äste und Stämme dienten einst selber als Gerüst: Die Hölzer wurden beim Bau der Wand in diese eingemauert, das Tragwerk wuchs so gemeinsam mit dem Turm in die Höhe. Als dieser fertig war, schnitten die Arbeiter die herausragenden Enden vorne und hinten ab – zurück blieb in der Wand der Mittelteil, der Feuer, Witterung, Tieren und Raubbau des Menschen trotzte.

Die heutige Ruine war jedoch nicht der erste Bau auf dem Grat. Etwas weiter südlich wurden Reste der Vorgängerbauten gefunden, diese datieren aus dem frühen 11. Jahrhundert.

Der Turm präsentiert sich mittlerweile wieder ohne Umklammerung; die Arbeiten sind zügig vorangeschritten. Begonnen hatte die Sanierung 2013. Die Archäologie Baselland schätzt, dass sie schon 2016 beendet sein könnte – das wären dann drei Jahre früher als geplant: 2010, als der Landrat den 7-Millionen-Kredit für die Sanierung sprach, ging man noch davon aus, dass die Arbeiten sechs bis sieben Jahre in Anspruch nehmen würden.

Dass etwas geschehen musste, war schon spätestens ab 2007 klar. In jenem Jahr wurde der Wohnturm für das Publikum gesperrt. Ganze Teile davon drohten einzustürzen, auch die übrigen Teile der Anlage befanden sich zumeist in erbärmlichem Zustand. Das kulturhistorische Zeugnis war am Zerfallen.

Bund beteiligt sich finanziell

Nicht anders präsentierte sich die Situation bei der Ruine Homburg, die sich wie die Ruine Pfeffingen ebenfalls im Eigentum des Kantons befindet. Die Homburg-Sanierung beschloss der Landrat bereits 2007, drei Jahre darauf waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Ruinen Pfeffingen und Homburg verbindet, zusammen mit Schloss Wildenstein, auch die eigentümliche geschwungene Form des Grundrisses. Diese ist laut Archäologe Schmaedecke eine regionale Spezialität.

Erfreuliches konnte am Mittwoch bei einer Besichtigung der Baustelle in Pfeffingen Regierungsrat Urs Wüthrich verkünden. Der Bund habe die Wichtigkeit des Unterfangens ebenfalls anerkannt. Er beteilige sich an den bisherigen Etappen an den Kosten, und das mit dem maximal möglichen Satz von 25 Prozent. «Auf diese Weise», sagte Wüthrich, «sind bereits über 730 000 Franken zusammen gekommen.»