Rudolf Dürrenberger aus Lupsingen ärgert sich jedes Mal, wenn er mit seinem Auto durchs Nachbardorf Seltisberg fährt. Das ist wöchentlich mehrmals der Fall. Der Abschnitt der Kantonsstrasse vom Dorfplatz in Richtung Lupsingen ist in einem desolaten Zustand. Dürrenberger redet von einem «Feldweg mit Schlaglöchern und Unebenheiten am Laufmeter».

Grosses Ärgernis

Der Lupsinger ist 76-jährig und pensioniert. Als Bauleiter eines Ingenieurbüros war er vor mehr als zehn Jahren im Auftrag des Kantons beteiligt an der Strassensanierung in Seltisberg im Abschnitt Dorfplatz in Richtung Liestal. Rudolf Dürrenberger weiss, dass das Projekt für den Ausbau der zweiten Hälfte dieser Kantonsstrasse schon damals baureif war. Deshalb kann er nicht verstehen, wieso bis jetzt noch nichts geschehen ist. «Es kann doch nicht sein, dass dieses Stück Dorfstrasse wie ein schlecht unterhaltener Feldweg daherkommt», schimpft er. «Das bekommen vor allem die Lupsinger zu spüren.» Das sei nicht nur ein Ärgernis für Autofahrer aus Lupsingen, sondern auch für Seltisbergs Bevölkerung, vor allem für die Anstösser, erklärt Bernhard Zollinger, der Gemeindepräsident von Seltisberg. Diesem ist bewusst, dass die Situation um den Strassenabschnitt vom Dorfplatz in Richtung Lupsingen prekär ist. Doch es bewegt sich was. Zollinger: «Anfang Oktober beginnen die Sanierungsarbeiten an diesem Strassenstück. Sie dauern voraussichtlich 13 Monate.» Mitte September finde die letzte Sitzung mit Gemeinde- und Kantonsvertretern statt. Auch seien schon Infoanlässe für Anwohner und Einwohnerschaft durchgeführt worden.

Das Bauvorhaben wurde vor etwa zwei Jahren angestossen, nachdem vor einem Jahrzehnt ein erstes Projekt abgelehnt worden war. Grund: Der Kanton beharrte damals auf einer Strassenbreite von sechs Metern, wofür Anstösser kein Land verkaufen wollten. «Die Auseinandersetzungen gingen bis vor Bundesgericht», erinnert sich Bernhard Zollinger. Danach habe der Kanton nichts mehr unternommen, und die Sache sei auf Eis gelegt worden.

Nun haben sich Kanton und Anstösser aber gefunden. Diese sind jetzt bereit, Land abzutreten, weil der Strassenabschnitt teils verengt wird – wie bei der Ortsdurchfahrt in Waldenburg. Seltisbergs Gemeindepräsident weist ferner darauf hin, dass unter anderem die Autobus AG Liestal – sie führt eine Buslinie durchs Dorf – sich über den schlechten Zustand der Strasse beschwert habe.

3,5 bis 6,5 Meter breit

Der zu sanierende Abschnitt vom Dorfplatz bis zur Ortstafel in Richtung Lupsingen ist 670 Meter lang. Die neue Strasse ist an der engsten Stelle 3,5 Meter breit, maximal weist sie 6,5 Meter auf. «Das Trottoir wird durchgehend auf einer Seite geführt, aber wechselseitig», ergänzt Projekt- und Oberbauleiter Rudolf Büchler vom Baselbieter Tiefbauamt. Dazu kommen neue Leitungen für Fernwärme, Wasser, Kanalisation, Telekommunikation, Fernsehen und Strom. Die Gesamtkosten für das Strassenprojekt betragen laut Büchler rund drei Millionen Franken; zwei bis zweieinhalb Millionen übernimmt der Kanton, der Rest entfällt auf die Gemeinde.

Nun dürfte der Lupsinger Rudolf Dürrenberger einigermassen beruhigt sein. Ab November 2017 muss er nicht mehr auf einer Rumpelpiste durch Seltisberg fahren, sondern kann dies auf einer neuen Strasse tun.