Zum Spaziergang durch die Altstadt von Grossbasel treffen wir uns mit Doris Gysin in ihrer Wohnung. Wir sind uns schnell einig, dass nicht die ganze Altstadt besprochen werden kann – dazu müsste die Redaktion zwei Seiten zur Verfügung stellen. Aus diesem Grund beschränken wir uns auf die engste Wohnumgebung der SP-Grossrätin.

Wir starten beim Rosshof am Petersgraben. Das ursprüngliche Gebäude ist 1285 erstmals erwähnt. Daraus entstand später eine riesige Anlage mit Ställen und Gärten. Vor über 20 Jahren wurde die markante Überbauung für die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät erstellt. Doris Gysin weist auf die hellen Marmorstreifen am Boden hin. Eingraviert sind die Namen berühmter Pferde.

Voller Tatendrang geht sie weiter zum Universitätsgebäude und erzählt von poetischen Szenen, wenn eine Salsa-Gruppe unter dem Eingang tanze. Daneben liegt der Petersplatz. Er ist die nächstgelegene Grünanlage der Gysins und eigne sich für «Mini-Abendspaziergänge».

Wir schlendern zum Botanischen Garten. Dieses Kleinod mitten in der Stadt ist ein Lieblingsort von Gysin. Die Blumen blühen prächtig. Gysin bestaunt die hohen Bäume, diskutiert über den einem Ufo gleichenden Anbau der Unibibliothek und das darunter liegende kuppelförmige Viktoriahaus. Erstaunlicherweise ist kaum ein Gast hier zu sehen.

Läden und Restaurant-Vielfalt

Aus der Ruhe des Gartens schreitet die Grossrätin zum Spalentor in den Verkehrslärm. «Hier ist fertig mit der Beschaulichkeit», hält sie fest und schwenkt rasch in die Spalenvorstadt ein. Sie zeigt begeistert auf den «Mix von neuen innovativen Läden und traditionellen Geschäften». Ein «Zauberlädeli» und die ehrwürdige Konditorei «Streuli» locken. Gegenüber dem Musikladen Oesch liegt ein neues Geschäft für massgeschneiderte Kleidung. Der Fotograf bleibt vor einem kleinen Laden mit Modelleisenbahnen stehen. «Ein Paradies für Männer», sagt Grossrätin Doris Gysin trocken.

«Schauen Sie mal die Restaurant-Vielfalt, die wir hier haben», ruft sie plötzlich und zählt auf: «Ein Chinese, ein Inder, ein Vietnamese, ein Spanier und schliesslich das Ono und die Harmonie. Was will man mehr».

Am Spalenberg bleibt Gysin vor grossen Baumaschinen stehen; die Strasse wird verbreitert. Die Maschinen lärmen und rattern – die SP-Parlamentarierin will schnell weg und flüchtet in den Heuberg, wo sie jahrelang gearbeitet hat. Die Idylle und Ruhe sind wohltuend.

Wir biegen in den Unteren Heuberg ab und staunen. Sind wir hier in Basel oder im Berner Oberland? «Mein Geheimtipp in der Altstadt», sagt Doris Gysin. Viele der alten Häuser wurden vor dem Erdbeben von 1356 erstellt. Sie stehen etwas geduckt entlang der Strasse. Die lauschigen Innenhöfe sind üppig bepflanzt, die Vorgärten und Gärten ebenso. An einem Haus klettert ein Rebstock in die Höhe. Die vielen Trauben sind noch hellgrün – der Herbst ist weit weg. Kein Mensch ist zu sehen und auch kein Auto. «Hier spielen Kinder auf der Strasse, wenn sie nicht in den Ferien sind», erzählt unsere Begleiterin. Wir hatten sie gebeten, auch die negativen Seiten der Altstadt zu zeigen. «Hier gibt’s nichts, das ich nicht schön finde», sagt sie. Aber das kommt noch, prophezeit sie.

Architektonisches Durcheinander

Der Untere Heuberg mündet in den Gemsberg. Wir gehen zur Schneidergasse und «hier hört die Idylle auf», sagt Doris Gysin kopfschüttelnd. Die Verbindung von Altbauten mit neuen Gebäuden sei nicht gelungen.

Am Marktplatz ist die Verzweiflung noch grösser. Das prächtige Rathaus dominiert zwar den Platz, daneben stehen aber neuere Gebäude, die einfach nicht passen. Weder rechts noch links, noch vorne oder hinten entdecken wir ein stimmiges Ensemble. «Ein architektonisches Durcheinander», urteilt Doris Gysin. Die «grüne Drämmli-Wand» versperrt zudem den Blick auf die Häuserfassaden und auf dem Platz stehen überall Velos. Sie verstehe die deutschen Touristinnen, die kürzlich ausgerufen hätten, hier sei nichts gelungen. «Was kann man hier machen?», fragt sie leicht resigniert.

Wir lassen das architektonische Durcheinander der Freien Strasse aus und gehen gleich zum «Beizen-Bermuda-Dreieck» bestehend aus der «Hasenburg», dem «Gifthüttli» und dem neueren «La Fonda». Hier spülen Parlamentsmitglieder seit Jahrzehnten den Ärger nach einer verlorenen Abstimmung im Rathaus runter oder feiern Wahlsiege.

Studentenwohnhaus ist guter Plan

Wir spazieren zum Andreasplatz, einem weiteren Kleinod in der Innenstadt. Vor dem Restaurant «Zum roten Engel» sitzen nur junge Menschen. Die In-Beiz lockt auch in den Sommerferien. Doris Gysin findet, das sei die richtige Gelegenheit für ein politisches Statement: Sie begrüsse sehr die Pläne für ein Studentenwohnhaus in der Stadt. Die Studierenden benötigten billigen Wohnraum.

Wir gehen das Imbergässlein hinauf zur Peterskirche, wo die Gysins geheiratet haben. Am Ziel angelangt, sagt die Politikerin, sie sei gespannt auf das von einem holländischen Büro erarbeitete Gestaltungskonzept für den öffentlichen Raum der Basler Innenstadt. Dieses soll als Grundlage für konkrete Projekte dienen.