Wenn Sabine Pegoraro gewusst hätte, was für eine Welle der Kritik ihr aus den eigenen Reihen entgegenschwappen würde, sie hätte ihre ein Jahr alte Aussage vor kurzem wohl nicht wiederholt. Dass die freisinnige Regierungsrätin 2015 nämlich nochmals zur Wiederwahl antreten möchte, hatte sie schon im Januar 2013 öffentlich kundgetan. Doch erst ein Jahr später wird ihr nun vorgeworfen, sie habe die Parteileitung nicht eingeweiht und damit überrascht.

Im Lichte der Baselbieter Honorar-Affäre distanzierten sich in den vergangenen Tagen diverse FDPler mit verschiedensten Begründungen von Pegoraro. Vor allem im Landrat weht ihr ein rauer Wind entgegen: Christoph Buser, Rolf Richterich, Michael Herrmann, Siro Imber, Balz Stückelberger und Sven Inäbnit äusserten Kritik. Und auch Parteipräsidentin Christine Frey verwies mit Nachdruck darauf, dass die Nomination Pegoraros erst im Herbst von den Delegierten abgesegnet werden müsse und auch weitere Kandidaten denkbar seien. Bedingungsloser Rückhalt klingt anders.

Vorwürfe gegen Pegoraro «haltlos»

Aus den öffentlichen Voten der vergangenen Tage allerdings zu schliessen, dass sich der komplette Baselbieter Freisinn von seiner Regierungsrätin abwendet, ist falsch, wie eine Recherche der bz zeigt. Im Gegenteil: Die Baudirektorin kann auf einige gewichtige Unterstützer zählen. «Bei einer Nomination im Herbst hat Sabine Pegoraro meine Stimme», sagt etwa Paul Schär.

Dem Organisator des Pfeffinger Forums und ehemaligen Landratsfraktionspräsidenten stösst die geäusserte Kritik im Zuge der Honorar-Affäre sauer auf: «Alle Vorwürfe gegen Pegoraro sind haltlos. Sie hat eine reine Weste.» Die Finanzkontrolle bestätige, dass sie keine Verwaltungshonorare behalten habe. Dementsprechend gibt es für Schär keinen Grund, weshalb Pegoraro 2015 nicht wieder antreten sollte. Es sei ihr freier Entscheid. Dies habe Schär auch der «Basler Zeitung» gesagt, doch seien dort lediglich die Stimmen jener publiziert worden, die sich negativ über geäussert hatten.

Gysin verlangt Aussprache

Auch Handelskammer-Direktor Franz Saladin stört sich als FDP-Mitglied an der «medial angefeuerten» Negativstimmung. «Ich finde es toll, dass sie sich trotz des Gegenwindes noch einmal zur Verfügung stellt.» Natürlich werde er sich im Herbst alle Kandidaten anschauen, aber: «Zurzeit spricht nichts gegen Sabine Pegoraro.» Ihre Nomination sei denkbar und realistisch. Zwei weitere prominente Freisinnige, alt Nationalrat Hans Rudolf Gysin und Nationalrätin Daniela Schneeberger, geben sich sehr zurückhaltend, doch die ist Tendenz klar: «Die momentane Entwicklung in der FDP bereitet mir keine Freude», sagt Gysin. Er werde in den kommenden Tagen ein Gespräch mit der Parteileitung verlangen. Schneeberger versichert, dass Pegoraro keineswegs isoliert sei. «Ich bedaure die entstandene Unruhe.» Nun sei eine Auslegeordnung nötig. Pegoraro selbst schweigt. Wie die bz weiss, führt sie zurzeit intern mehrere klärende Gespräche.

Zwar kein Delegierter, doch eine gewichtige Stimme in der Partei ist Urs Steiner, EBL-Direktor und Verwaltungsratspräsident der Waldenburgerbahn. Er äussert sich explizit «als Konsument» zu Pegoraros Leistungen als Energie- und öV-Direktorin und hält fest: «Ich kann nichts Negatives sagen.» Viel mehr erstaune ihn die Diskussion rund um ihre Nominierung. Auch die FDP-Sektion Muttenz treibt dies um. Präsident Jürg Bolliger hält fest: «Pegoraro hat die erneute Nomination verdient.» Dies sehe der ganze Vorstand so. Er bemängelt, dass kurzsichtiges Denken zur Mode werde und alles Positive der Vergangenheit von der Honorar-Affäre in den Hintergrund gedrängt werde.

Bolliger plädiert für Kontinuität und sagt: «Zwölf Jahre in der Regierung sind nicht per se genug. Dieses Argument ist plakativ.» Wenig überraschend ist, dass die Pfeffingerin auf die Unterstützung ihres «Heimathafens» zählen kann. Sven Stohler, Präsident der dortigen FDP, sagt klipp und klar: «Sabine Pegoraro war und ist für die FDP eine gute Regierungsrätin.»