Sie sind in der Mitte Ihrer Zeit als Regierungspräsidentin. Das vergangene halbe Jahr war schwierig, die Regierung stand regelmässig in der Kritik. Spüren Sie den politischen Gegenwind?

Sabine Pegoraro: Es ist so, wir haben bewegte Zeiten hinter uns. Und da ist die Regierungspräsidentin gegen innen und aussen gefordert. Es liegt dies aber auch an den schwierigen Geschäften. Die Wirtschaftsoffensive ist sehr wichtig. Es liegt uns daran, dass wir schnell handeln können. Auch das Entlastungspaket führt zu vielen Fragen, obwohl wir hier meiner Meinung nach gut unterwegs sind.

Die Wirtschaftsoffensive will dem Kanton neuen Spielraum verschaffen. Auf der anderen Seite engt Sie das Entlastungspaket ein. Wie kann das aufgehen?

Das eine bedingt das andere. Das Entlastungspaket müssen wir umsetzen, damit wir wieder Handlungsspielraum erhalten. Es braucht die Wirtschaftsoffensive als Vorwärtsstrategie. Wir wollen den Steuerertrag der juristischen Personen erhöhen, indem wir neue Unternehmen fürs Baselbiet gewinnen. Damit wollen wir auch eine gewisse Aufbruchstimmung für die Wirtschaft erzeugen, denn die Wirtschaft profitiert generell, wenn es gelingt, neue Firmen anzusiedeln.

Nützt die Baselbieter Wirtschaftsoffensive der Nordwestschweiz insgesamt oder ist es eine Offensive, mit der die Nachbarkantone konkurrenziert werden?

Sie konkurrenziert natürlich in einem gewissen Mass die Nachbarn. Es geht ja darum, die Standortvorteile des Kantons Baselland zu vermarkten. Dennoch wird die Offensive der ganzen Region Nutzen bringen. Wir profitieren umgekehrt auch von Unternehmen und Branchen in Basel-Stadt. Wir sollten das nicht zu eng sehen.

Ihnen wird regelmässig vorgehalten, der Aargau oder Basel-Stadt sei besser unterwegs. Sie stehen unter Druck.

Nein, wir sind nicht unter Druck. Wir stehen wesentlich besser da, als dies immer gesagt wird. Klar engt uns der Finanzhaushalt ein. Aber wir haben auch festgestellt, dass wir Entwicklungspotenzial haben, insbesondere bei den Unternehmenssteuern. Wir erarbeiten einen Taxguide, um den Unternehmen aufzuzeigen, wie sich die Steuersituation darstellt. Mit unserer Arealentwicklungsstrategie wollen wir gezielt geeignete Areale attraktiv machen, damit wir im Baselbiet auch geeignete Investoren erhalten. Von der Arealentwicklung profitieren auch die Alteingesessenen: die Zulieferer, die Bauindustrie.

In Salina Raurica haben Sie die Coop-Ansiedlung als Erfolg gepriesen. Die Wirtschaftskammer war anderer Ansicht und hat nun Vorschläge ausgearbeitet. Ist die Studie der Wirtschaftskammer für den Kanton nützlich?

Ich finde die Studie interessant. Sie ist allerdings nicht in jeder Beziehung stimmig mit den Planungsvorgaben. Diese müssten angeglichen werden. Wichtig scheint mir aber vor allem, dass die Grundeigentümer und die Gemeinden einverstanden sind, und diese hatten bisher andere Vorstellungen. Ausserdem stehen gewisse Teile der Studie im Widerspruch zu den Beschlüssen des Landrats. Wir müssten beim Landrat einen anderen Entscheid erwirken. Geplant ist jetzt mal ein Workshop mit den Grundbesitzern und den Gemeinden.

Die Studie schlägt vor, dass der Kanton Vorinvestitionen tätigt. Ist das ein Tabu?

Das ist es sicher nicht. Wenn Vorinvestitionen geeignet sind, die Entwicklung voranzubringen, sind wir nicht abgeneigt. Ob dies der vorgeschlagene Boulevard ist, bestimmen wir nicht allein – das bedingte auch einen Beschluss des Landrats, der den Richtplan anpassen müsste. Der Verlauf der Rheinstrasse ist im Agglomerationsprogramm. Ein anderer Verlauf bedingte demnach auch dort eine Abänderung. Grundsätzlich aber sind wir offen für solche Erschliessungsmöglichkeiten. Wir klären zurzeit die Fragen ab, die die Studie aufwirft.

Zum Landrat. Das Verhältnis zwischen Landrat und Regierung scheint zurzeit ein schwieriges zu sein. Wie gehen Sie als Regierungspräsidentin damit um? Ist das Verhältnis zwischen Landrat und Regierung generell rauer geworden?

Der Umgang ist rauer geworden. Es wird manchmal auf den Mann oder die Frau gespielt. Das finde ich nicht gut. In den Kommissionen habe ich das Gefühl, dass die Zusammenarbeit besser spielt. Wir müssen auch im Landrat konstruktiv miteinander arbeiten. Ich hoffe, dass sich dies wieder einspielt. Die Fraktionen verharren heute oft auf ihren Positionen, ergreifen gar Referenden. Das macht die Konsensfindung enorm schwierig. Es braucht mehrheitsfähige Lösungen, damit wir vorwärtskommen.

Im Fall der Schlossinitiative hat der Landrat die Regierung unterstützt – im Gegensatz zu einigen prominenten früheren Regierungsmitgliedern. Weshalb wollen Sie die Aufteilung von Schloss und Landwirtschaftsbetrieb in Wildenstein gemäss Ihrem Gegenvorschlag zur Initiative zulassen?

Verkaufen wollen wir die Schlösser so wenig wie die Initianten. Aber wir haben eine Lösung gefunden, mit der wir, bildlich gesprochen, unser Tafelsilber vergolden können. Das Geschenk der Kantonalbank von 10 Millionen Franken dient uns, den Unterhalt des Schlosses zu sichern. Das sollten wir annehmen, möglich wird es nur mit dem Gegenvorschlag. Beim Hof haben wir einen Partner gefunden, der besser als der Kanton geeignet ist, für eine gute Bewirtschaftung zu sorgen. Die Christoph-Merian-Stiftung hat in anderen Fällen bewiesen, dass sie sorgfältig mit der Natur umgeht und ihre Höfe biologisch betreiben kann. Für Schloss Bottmingen gibt es zurzeit noch keine Lösung, deshalb bleibt es vorderhand beim Kanton.

Was sagen Sie denjenigen Gegnern, die kritisieren, dass die Stiftung, die den Hof bewirtschaften soll, nicht im eigenen Kanton beheimatet ist?

Der Hof Wildenstein hat bisher nur Verlust erwirtschaftet. Es ist demnach wahrscheinlicher, dass in diesem Fall Geld von der Stadt ins Baselbiet fliesst als umgekehrt. Die Christoph-Merian-Stiftung hat sich auch andernorts im Baselbiet bewährt – etwa in Brüglingen, wo sie zwei Millionen Franken jährlich investiert. Ich verstehe deshalb die Argumentation nicht.

Das hat auch eine emotionale Komponente. Schliesslich läuft die Fusionsdiskussion zwischen den beiden Basel.

Dieses Geschäft hat meiner Meinung nach keinen Zusammenhang mit der Fusionsdiskussion. Die Christoph-Merian-Stiftung ist seit Jahrzehnten im Baselbiet tätig.

Zur Kantonsfusion haben Sie noch nie Stellung genommen – im Gegensatz zu Ihrem Basler Kollegen Guy Morin, der am Neujahrsempfang deutliche Avancen machte. Sind Sie absichtlich zurückhaltend?

In der Regierung haben wir vereinbart, dass wir als Gesamtregierung erst Stellung nehmen, wenn die Initiativen eingereicht sind. Das gilt auch für die Zusammenarbeitsinitiative.

Gilt das auch für Sie persönlich?

Persönlich habe ich schon eine Meinung. Ich bin gegen die Fusion. Mit der Fusion werden im Baselbiet Gräben aufgerissen. Ich setzte lieber auf die Zusammenarbeit. Ich befürchte auch, dass das Baselbiet mit einer Fusion schlechter wegkommt.

Ist die Fusionsdiskussion schuld, dass das politische Klima im Kanton Baselland zurzeit schlecht ist, wie das Ihr Regierungskollege meint?

Es ist ein Thema, das diskutiert wird. Aber ich glaube nicht, dass es deswegen schlecht ist. Die Initiativen sind noch nicht eingereicht. Die wirkliche Diskussion hat noch gar nicht begonnen.

Hat die Fusionsdiskussion Einfluss auf die gegenwärtige partnerschaftliche Zusammenarbeit der beiden Basel?

Bei der Zusammenarbeit der beiden Kantonsregierungen ist dies nicht der Fall. Wir haben entschieden, auf eine Simulation zu verzichten. Aber wir haben ein Projekt aufgegleist, das vorsieht, die Fülle der möglichen Aufgaben in beiden Kantonen zu erfassen und einander gegenüberzustellen. Insbesondere auch die Frage, welche Aufgaben werden auf Kantons- und welche auf Gemeindeebene wahrgenommen. Das ist auch für weitere partnerschaftliche Zusammenarbeit hilfreich.

Es stehen im Baselbiet Wahlen an. Welches ist Ihre Position? Sind Sie für eine bürgerliche Mehrheit auch nach dem Ausscheiden von Adrian Ballmer?

Ich hoffe, dass der bürgerliche Sitz erhalten bleibt. Sowohl der SP-Kandidat als auch der SVP-Kandidat sind grundsätzlich wählbar. Entscheiden wird natürlich wie immer das Volk. Es ist aber klar eine Richtungswahl, und da setze ich mich für eine Fortsetzung der bürgerlichen Mehrheit ein. Zwar lässt man bei den Regierungssitzungen in der Regel das Parteibüchlein zu Hause und entscheidet sachpolitisch. Aber bei gewissen Grundsatzfragen spielt die politische Überzeugung eine Rolle. Schliesslich wird man auch wegen seiner Überzeugungen gewählt.