Sabrina Mohn (28) hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Aus dem Nichts wurde die Jungpolitikerin aus Aesch 2009 als Nachfolgerin von Kathrin Amacker zur Präsidentin der CVP Baselland gekürt, fast gleichzeitig rückte sie in den Landrat nach.

Mohn macht seither fast alles richtig. Bei den Landratswahlen 2011 verlor die Baselbieter CVP zwar drei Sitze, bei den Nationalratswahlen 2011 konnte sie das Mandat von Elisabeth Schneider dank geschicktem Taktieren und der neuen Mitte-Allianz mit EVP, GLP und BDP aber komfortabel verteidigen. Bei der Ersatzwahl für den verstorbenen Regierungsrat Peter Zwick am 9. Juni wird die CVP ihren Sitz mit Anton Lauber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenfalls entspannt halten können. Wiederum dank geschicktem Taktieren und der Rückkehr ins bürgerliche Bündnis mit FDP und SVP.

Im April zu Ivo Corvini gezogen

Vor allem in ihrer Wohngemeinde Aesch ist man stolz auf die junge, aufstrebende Parteipräsidentin. Laut Informationen der «Schweiz am Sonntag» hat Mohn ihren Wohnsitz nun aber nach Allschwil verlegt, in einen anderen Wahlkreis also. Bei den Landratswahlen 2011 hatte sie im Wahlkreis Reinach (Aesch, Pfeffingen, Reinach) den einzigen CVP-Sitz erobert. Auf Anfrage bestätigt Mohn, die in den vergangenen Monaten ruhiger, zurückhaltender agierte als zu Beginn ihrer Amtszeit und die Partei gleichzeitig nach rechts positionierte, den Wechsel des Wohnorts. «Ja, es stimmt. Ich bin Anfang April nach Allschwil zu meinem Lebenspartner Ivo Corvini gezogen», sagt sie. Auf der Website des Landrats ist die neue Adresse in Allschwil bereits eingetragen, auf jener der CVP noch nicht.

So ungewöhnlich ein solcher Wohnortwechsel mitten in der Legislatur für Landräte ist, rechtlich ist dagegen nichts einzuwenden. Es gibt keine Bestimmung, die sie verpflichtet, während der gesamten Legislatur im gleichen Wahlkreis zu wohnen. Politisch ist ein Wohnortwechsel in einen anderen Wahlkreis aber diskutabel. Als «politisch nicht ideal» erachtet ein bürgerlicher Politiker, der nicht namentlich genannt sein will, einen solchen Umzug. Ein Landrat vertrete zwar den Kanton, werde aber von den Wählern eines bestimmten Wahlkreises ins Parlament delegiert.

«Politisch keine Bedenken»

Mohn hingegen findet den Wohnortwechsel «legitim» und hat «politisch keine Bedenken». «Ich bin gewählte Landrätin im Kanton Basel-Landschaft – und das bleibe ich», sagt sie. In Aesch sei sie immer noch gut verankert. Corvini (42) und sie würden zudem «im Herbst», nach der Hochzeit, wieder in ihren ursprünglichen Wahlkreis ziehen.

«Onlinereports» hatte die Beziehung zwischen Mohn und Corvini Ende 2012 beiläufig publik gemacht. Diese ist politisch bedeutsam: Corvini ist, wie Mohn, ein Schwergewicht der Baselbieter CVP. Immer wieder werden ihm Ambitionen auf ein Regierungsamt nachgesagt. Der Anwalt, der zum konservativen Parteiflügel zählt, sass von 2002 bis 2009 im Landrat. Heute ist er Präsident des Baselbieter Enteignungsgerichts, Präsident der römisch-katholischen Kirche Baselland und im Vorstand der CVP Allschwil/Schönenbuch. Seine Rolle bei der CVP Baselland beschränke sich heute auf die «gelegentliche Teilnahme» an den Parteitagen, sagt er.

Allschwil ist eine CVP-Hochburg. Neben Corvini stellt die Ortspartei mit ihren 280 Mitgliedern und Sympathisanten weitere Exponenten der CVP Baselland: Gemeindepräsident Anton Lauber, Vizepräsident der Partei und BaldRegierungsrat. Felix Keller, Präsident der CVP Allschwil/Schönenbuch, Präsident der CVP/EVP-Fraktion im Landrat.

Bei den Wahlen 2015 erneut antreten

Mohn, die beruflich als Lehrerin an der Sekundarschule Oberwil tätig ist, möchte bei den Landratswahlen 2015 erneut antreten. «Ich bin sehr gerne Landrätin und denke nicht ans Aufhören», sagt sie. Kandidiert Mohn wie bisher im Wahlkreis Reinach, stellt sich die Frage, ob sie von der dortigen Basis nach ihrem Wohnortwechsel noch getragen wird. Ein grösseres Risiko würde sie bei einer Kandidatur im Wahlkreis Allschwil eingehen. Hier müsste sie sich mit etablierten Einheimischen wie Keller messen.

Ein ähnlicher Fall ist FDP-Fraktionspräsident Daniele Ceccarelli aus Arlesheim zum Verhängnis geworden. 2003 und 2007 wurde er jeweils im Wahlkreis Münchenstein in den Landrat gewählt. Nach seinem Umzug nach Pfeffingen blieb er im Parlament, wurde aber 2011 im Wahlkreis Reinach abgewählt.

Mohn ist in der heikelsten Phase ihrer Präsidialzeit. Der Zickzackkurs der CVP-Spitze – erst mit der Mitte, dann mit den Bürgerlichen – hat Teile der Basis verunsichert. Der Regierungsratswahlkampf zwischen Lauber und Thomi Jourdan (EVP) ist eine Belastung für die Fraktionsgemeinschaft mit der EVP, diese droht zu zerbrechen. Bei einer Aussprache sollen laut Informationen der «Schweiz am Sonntag» deutliche Worte gefallen sein. Nach Zwicks Tod habe die Partei eine schwierige Zeit durchgemacht, sagt Mohn. Den Zustand der CVP erachtet sie aber trotz der aktuellen Turbulenzen als «sehr gut». Die Partei sei personell und finanziell so aufgestellt, dass sie für Lauber eine gute Kampagne führen könne. Dirigiert aus Allschwil.