Eine Spendenaktion kann auch zu erfolgreich sein.

Bei der Planung hatte das Team der Pfarrei St. Odilia in Arlesheim noch befürchtet, es könnte den Schiffscontainer für Syrien nicht voll bekommen. Nun muss das Team mindestens vier weitere Container bestellen. Man habe sogar kurz ans Aufgeben gedacht, sagt Pfarrer Daniel Fischler. Das war nach dem ersten Sammeltag, dem Donnerstag, als der Strom an Leuten, die Spenden vorbeibrachten, einfach nicht mehr versiegen wollte: «Wir waren schlicht überfordert.» Doch dann hat sich das Team laut Fischler gesagt: «Das kann es aber auch nicht sein, diese Leute wollen helfen – wir machen weiter!»

Übers Wochenende ist der Gabenberg nun nochmals stark angewachsen. Aber die Leute spenden nicht nur in Scharen – viele sind auch bereit, gleich selber mit anzupacken. Alleine gestern kamen wieder mindestens zwei Dutzend Freiwillige ins alte Feuerwehr-Magazin und in die Turnhalle des Domplatz-Schulhauses. Unter ihnen: Eine Gruppe Flüchtlinge, die in der temporären Aufnahmestelle wohnt, die Arlesheim im Juni eingerichtet hat.

Arbeit gibt es mehr als genug: Kleider sortieren, zusammenlegen und in Kisten packen, ebenso die Schuhe; dann die Kisten zusammenkleben, anschreiben und ab auf den Gabelstapler.

«Bitte keine Bücher»

Die Turnhalle stellte die Gemeinde am Donnerstag kurzfristig zur Verfügung. Eigentlich hätte sie bis heute morgen wieder frei sein sollen, doch das ist kein realistisches Ziel, wie sich gestern zeigte: Meterhoch standen die Kisten in der Halle, noch immer wartete kubikmeterweise Material darauf, gesichtet zu werden. Viele Spenden sind in erstaunlich gutem Zustand, etwa das praktisch neue Paar «Moon Boots»-Kinderschuhe in Silber. Manches Stück landet aber auch in der Tonne.

Gaby Schuldt vom Leitungsteam ergreift ein Mikrofon und erteilt den Helfern per Lautsprecher Anweisungen: «Packt bitte keine Bücher in die Kisten. Das könnte Probleme geben, wegen des Verdachts auf politische Schriften oder so.» Auch andere Waren müssen in Arlesheim bleiben, darunter Zahnpasta, Kosmetika oder Kindernahrung. «Den Menschen in Syrien fehlt es an allem», sagt Schuldt. Es seien, ergänzt Edith Fischer, die ebenfalls zum siebenköpfigen Leitungsteam gehört, jetzt aber vor allem warme Kleider gefragt. «Die Winter können in Syrien sehr kalt sein», sagt Fischer. «Und man darf nicht vergessen, dass es auch in Syrien selbst Millionen von Flüchtlingen gibt. Das ist auch der Sinn unserer Sammlung: Hilfe vor Ort.»

Die Hilfsgüter dürfen auch deshalb nichts Verderbliches enthalten, weil die Container mehrere Wochen lang unterwegs sein werden. Sie gelangen zuerst nach Hamburg, dann per Schiff in die syrische Hafenstadt Lakatia. Weiter geht die Reise per Lastwagen. Ziel ist – je nach Frontverlauf – Damaskus oder Homs.

Das grosse Echo auf die Sammlung, unter anderem berichtete die «Tagesschau» von SRF darüber, freut die Pfarrei St. Odilia, stellt sie aber auch vor finanzielle Probleme. Ein Container kostet rund 10 000 Franken – Geld, das nicht einkalkuliert war. Grosse Augen machte die Angestellte der Pfarrei, die gestern früh ein Couvert mit exakt diesem Betrag erhielt, abgegeben von einer Arlesheimerin, die anonym bleiben will.

Zu erfolgreich – das kann eine Spendenaktion eben doch nicht sein.