Seit Monaten stinkt es in Pratteln. Verursacherin ist die ARA Rhein AG, welche die Abwässer der Schweizerhalle-Industrie reinigt. Der Gestank treibt nicht nur die geplagten Anwohner auf die Palme. Jetzt sehen Politiker auch die Ansiedlung von Firmen rund um die ARA in Gefahr. Diese befindet sich nämlich mitten in Salina Raurica, dem grössten Entwicklungsgebiet des Kantons.

«Dem Rhein entlang sind schicke Wohnungen geplant, in denen aber niemand wohnen will, wenn es stinkt», sagt der Grüne Landrat Philipp Schoch, Präsident der Umweltschutz- und Energiekommission. Und wenn die Schokolade, die Coop demnächst in Salina Raurica herstellen wird, modrig rieche, wolle sie niemand kaufen. «Wenn die Anlage ständig als Stink-ARA in den Schlagzeilen ist, läuft dort unten nichts», sagt der Prattler Schoch. Ähnliche Sorgen macht sich FDP-Landrat und Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser. Schon verschiedentlich hat er festgestellt, dass ansiedlungswillige Firmen sehr wohl wahrnehmen würden, wenn eine ARA in der Nähe sei. «Die ARA Rhein ist ein Hindernis für die Entwicklung von Salina Raurica», sagt er. In der Regel könne man die Unternehmen aber trotzdem überzeugen, sich anzusiedeln, wenn man ihnen aufzeige, wie mit einem geeigneten baulichen Konzept diese Emissionen verringert werden könnten. «Aber das kostet natürlich.»

Die ARA Rhein hat angekündet, bis 2016 die Gerüche definitiv in den Griff zu kriegen. Buser nimmt sie beim Wort. Die Politik solle sich aufzeigen lassen, mit welchen Massnahmen die ARA ihr Ziel erreichen will. «Wir sollten die ARA nicht einfach probieren lassen und hoffen, dass es bis 2016 besser ist», so Buser.

Dem Kanton fehlt die Erfahrung

Falls die Betreiber den Kanton nicht überzeugen können, dann will Buser auf eine eigentlich bereits geklärte Frage zurückkommen: auf die, ob man für die ARA einen neuen Standort suchen soll. Die Baselbieter Regierung hat erst vor wenigen Wochen beschlossen, auf die rund 400 Millionen Franken teure Verschiebung zu verzichten. «Die ARA ist in die Jahre gekommen», sagt Buser. «Es gibt heute vielleicht modernere Techniken. Falls sowieso ein Neubau nötig wäre, sollte man sich eine Verlegung nochmals überlegen.» Schoch fordert vom Kanton, über seine beiden Vertreter im Verwaltungsrat auf die ARA Rhein AG Einfluss zu nehmen. «Das haben sie bisher nicht gemacht.» Einer der Vertreter ist Regierungsrat Anton Lauber (CVP).

Es ist allerdings fraglich, ob Gestank Firmen von Salina Raurica fernhalten wird. Die entsprechende Frage löst bei Marc-André Giger ein schallendes Lachen aus. Der Leiter der Baselbieter Wirtschaftsoffensive kann aber nicht von konkreten Erfahrungen berichten, ob die ARA bei interessierten Firmen ein Thema sei. Der Kanton suche für Salina Raurica Firmen mit hoher Wertschöpfung, die grosse Flächen zwischen 10 000 und 30 000 Quadratmeter beanspruchen würden, ruft er in Erinnerung. «Solchen Firmen läuft man nicht jeden Tag über den Weg».

Zudem würde man interessierten Firmen die Rahmenbedingungen erläutern, mit denen sie umgehen müssten. Giger: «Wer hier hinwill, weiss, dass eine ARA da ist, die aber betreffend Geruchsemissionen zeitnah eine Sanierung anzustreben hat. Das müssen die Firmen akzeptieren.»

Das hat Coop Schweiz gemacht, bisher die einzige Firma, die eine Ansiedlung in Salina Raurica beschlossen hat. Derzeit baut Coop dort. Es seien Filter- und Kaminanlagen eingeplant, wie sie die Behörden vorschreiben, teilt Sprecherin Nadja Ruch mit. Aber zur Filterung von Gerüchen sei nichts vorgesehen. «Wir gehen davon aus, dass die unangenehmen Gerüche bis zur Inbetriebnahme 2017 kein Problem mehr sein werden.»