Die Stimme von Hans-Ulrich Studer bebt über den Sole-Förderplatz. «Der Bürgerrat ist für den Salzabbau, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht», sagt deren Präsident am Samstagvormittag.

Weniger als zehn Meter entfernt, gibt ein offener Schacht den Blick auf die Sole-Leitung frei. Noch ist sie eine der Lebensadern der Schweizer Saline, die das gelöste Salz nach Schweizerhalle führt. Unter dem Zinggibrunn, in rund 300 Metern Tiefe neigen sich die Salzreserven dem Ende zu. Für die Schweizer Salinen steigt der Druck, die Zukunft sicherzustellen. Als von den Kantonen eingesetzte Salz-Versorgerin, muss sie neue Gebiete erschliessen, wenn die Schweiz auch ab 2025 ohne Salz-Importe auskommen soll. Im Fokus der Salinen ist der Untergrund der Rütihard. Eine rund 30 Meter dicke Salzschicht, in maximal 250 Metern Tiefe liegend: Für die Saline sind dies ideale Abbaubedingungen.

Als Landbesitzerin stellt sich die Bürgergemeinde hinter die Saline. Der Bürgerrat beteiligte sich, wie es die Gegnerschaft in der Facebookgruppe «Rettet die Rütihard» ausdrückt, in den letzten Wochen an der «Marketingmaschinerie» der Saline.

Dem Bürgerratspräsidenten Studer dürfte das Bekenntnis zur Saline nicht nur leicht fallen. «Meine Tochter wohnt auf dem Geispel oben (Rütihard; die Red.), ich habe auch Verständnis für ihre Situation», sagte er. Vor dem Bauernhof am einen Ende der Rütihard hing vor zwei Wochen die Hinweis-Tafel der Rütihard-Salzbohrungsgegner.

«Die Saline verniedlicht»

Mal für mal musste Hans-Ulrich Studer in seiner Ansprache neu ansetzen. Die Opposition war unter den paar duzend Personen in der Mehrzahl und sie unterbrach die Wortführer mit Fragen und Ausrufen. «Kleine Flurschäden werden sich auch auf der Rütihard nicht vermeiden lassen», sagte Studer. Ruedi Brunner entfuhr ein zynisches Lachen und der Landwirt hielt sich an der Absperrung zum Sole-Schacht fest.

Brunner ist das Gesicht der Widerstandsbewegung gegen die Salzbohrungen auf der Rütihard. Sie will den Hügelzug, der sich wie eine Zunge zwischen Muttenz und Münchenstein gegen Basel hinstreckt, nicht der Saline hergeben. Die Bürgerversammlung werde über den Dienstbarkeitsvertrag abstimmen können, versprach Studer. Dieser regelt unter anderem das Durchleitungsrecht, das die Bürgergemeinde als Landbesitzerin der Saline abtritt.

Geschäftsführer Urs Hofmeier erinnerte an die lange Tradition der Saline: «Wir sind seit 180 Jahren hier und möchten gerne noch 100 weitere Jahre bleiben.» Was machen die Salinen, wenn das Salz ausgeht? Gibt es ein Verbot, Salz zu importieren? Wieso will die Saline die Salzvorkommen unter der Rütihard bereits jetzt nutzen und nicht zuwarten? Hofmeier und seine Mitarbeiter hatten sich Fragen wie diesen zu stellen. Gemäss Hofmeier will die Saline ab 2040 neue Standorte sondieren. Dabei könnte die Ajoie mit Salzreserven in 1000 Metern Tiefe infrage kommen. Die Salzvorkommen in der Schweiz seien riesig und momentan gebe es europaweit einen Salz-Notstand. Mittelfristig bleibt die Rütihard in der Planung der Saline essenziell.

«Die Saline verniedlicht. Es hat etliche Bohrplätze wie diesen im Gebiet», sagte ein Teilnehmer. Er empfinde den Eingriff in die Natur als störend. Landwirt Brunner wies auf die vielen Wege im Gebiet Sulz hin. Allesamt seien sie von der Saline erbaut, zuvor habe es keine gegeben. Das möge sein, aber auf der Rütihard wolle man gänzlich auf zusätzliche Wege verzichten, sagte Dieter Rebmann, Leiter der Salinen.

Wie bereits in Leserbriefen und auf Facebook kritisierten viele Info-Besucher, die Bürgergemeinde habe ungenügend kommuniziert. Hofmeier nahm den Bürgerrat in Schutz: «Sie haben kommuniziert, wie es üblich war.»

Die Saline sucht den Weg der Kompromisse. «Wir wollen kein gespaltenes Dorf zurücklassen», sagte Hofmeier einer Besucherin im Gespräch. Für Brunner ist klar: «Die Salinen können nicht anders nach Salz bohren, als sie es sonst tun.» Auf der Rütihard geht es für den Landwirt um alles oder nichts. Zur Mittagszeit war der Tonfall nüchterner, die Emotionen hatten sich gelegt.