Der voll besetzte Shutte-Bus fährt die Geispelgasse hoch und erreicht schon bald die Hochebene über Muttenz. «Es ist einfach schön hier», meinen zwei Businsassen. «Rettet die Rütihard» heisst es auf mehreren Schildern entlang der Strasse. «Kein Salzabbau auf der Rütihard» steht in grossen Lettern auf einem Traktoranhänger. Der Protest gegen den Salzabbau im Naherholungsgebiet ob Muttenz war am Samstag für alle Besucher des Informationsanlasses der Schweizer Salinen unübersehbar.

Am Treffpunkt selber im nördlichen Waldstück der Rütihard mit Blick auf Münchenstein verteilten die Gegner in weissen Protestshirts Flyer. Sie blieben aber betont im Hintergrund. Das Wort hatten für einmal die Schweizer Salinen, nachdem in den letzten Monaten die Gegner die Debatte um den Salzabbau auf der Rütihard dominierten. «Wir wollen nicht überzeugen, wir wollen informieren», stellte Urs Hofmeier gleich zu Beginn klar. Der Geschäftsführer der Schweizer Salinen sprach von Transparenz und offenen Fragen, die man klären möchte.

Häuser in Gefahr?

Fragen hagelte es zuhauf. Die eine Stunde, die pro Rundgang angedacht war, reichte nicht aus. Der beratende Geologe Johannes Pietsch gab sich alle Mühe, die teils komplexe Materie für Laien verständlich zu erklären. Er betonte, dass die erste Sondierbohrung im März zu Beginn der Brut- und Setzzeit abgeschlossen sein wird. Die zweite Sondierbohrung beginne erst danach. «Es geht bei den Sondierbohrungen darum, zu erfahren, wie die Salzschichten aussehen, wie sie verlaufen und wie mächtig sie sind.» Während dies im Süden der Rütihard in Richtung Muttenz klar ist, ist in Richtung Münchenstein noch vieles offen. Auch stelle sich die Frage, ob das Salz bereits auf natürliche Weise mit Wasser gelöst wird.

In diesem Falle würde auf eine Salzförderung verzichtet, um dieses Phänomen nicht noch künstlich zu verstärken. Auch werde im Rahmen der Sondierbohrungen geklärt, inwiefern es Störungen im Schichtabbau geben könnte. Geologe Johannes Pietsch beschrieb auch die Kaverne, den künstlichen Hohlraum im Untergrund mit einem Durchmesser von rund 65 Metern, von wo aus das Salz gefördert wird. Aktuell befindet sich die erste Sondierbohrung auf 15 Metern Tiefe. Bis jetzt laufe alles reibungslos. Nur die Lärmimmissionen seien höher als gedacht, gab Urs Hofmeier zu. Man sei auf der Suche nach einer Lösung.

Kein Risiko eingehen

Die Dimensionen der Kaverne bereiten Stefan Kühn Sorgen. Er wohnt in Muttenz am Fusse des Hanges zur Rütihard. Der Hang sei jetzt schon instabil und das Wasser laufe teilweise unten durch. Um dort bauen zu können, mussten er und seine Nachbarn Betonnägel 20 Meter in die Tiefe einlassen, um den Gebäuden die nötige Stabilität zu verleihen. «Gemäss jetzigem Plan liegen die äussersten Bohrlöcher weniger als 50 Meter Luftlinie von den Liegenschaften entfernt. Ich befürchte, dass mit den künstlichen Hohlräumen die Stabilität der Häuser in Gefahr ist.» Man sei sich der Problematik bewusst und führe regelmässig Messungen im Untergrund durch, beruhigte Johannes Pietsch.

Die Sicherheitsvorkehrungen hätten im Vergleich zu früher zugenommen. Von einem «Nullrisiko» wollte am Samstag aber niemand sprechen. «Als Unternehmen haben wir selbstverständlich keinerlei Interessen, dass es zu Schäden kommt», ergriff Geschäftsführer Hofmeier das Wort, als die Fragen am Platz der Sondierbohrung immer kritischer wurden. «Wenn es die geringsten Anzeichen dafür gibt, werden wir die Bohrungen stoppen oder erst gar nicht bohren.»

Das reichte nicht allen. «Es geht hier um rein wirtschaftliche Interessen. Der Einzelne und die Natur kommen zu kurz», kritisierte Gisela von Büren. Pragmatischer sieht es Werner von Wartburg. «Es ist vernünftig, in der Schweiz Salz zu fördern. Und dies gehört halt auch zu Muttenz.» Wenn man es richtig macht, sei dies kein Problem, ist von Wartburg überzeugt. Ob er den Verantwortlichen der Schweizer Salinen vertraue, wird er gefragt. Er seufzt und denkt lange nach. «Ich vertraue den Geologen.»