Im Juni 2016 wollte Samira Marti Präsidentin der Juso Schweiz werden, zwei Monate später sorgte sie für Schlagzeilen, als sie Ständerat Claude Janiak mit klaren Worten entgegenhielt. Nachdem sie das Rennen um das Juso-Präsidium verlor, will Marti nun Vizepräsidentin der SP Baselland werden, wie sie gegenüber der bz verrät.

«Janiak sollte sich etwas zurückhalten», fand Marti am Rande der Delegiertenversammlung der SP im letzten August. Der Sachverhalt: das neue Nachrichtendienstgesetz. Marti setzte sich mit ihrem Nein-Vorschlag an der Versammlung durch. Als Vizepräsidentin in spe müsste sie mit Janiak zusammenarbeiten. Ein Problem? «Nein. In der SP haben alle Platz. Von der Juso bis zu Claude Janiak. Wir kämpfen alle für dieselben Ziele», sagt Samira Marti.

Falls sie gewählt werden würde, sei es zudem nicht ihre Aufgabe, sich öffentlich gegen Parteientscheide zu stellen. «Das ist nicht meine Auslegung von Führungsarbeit», so Marti. Wird sie, die an den letzten Nationalratswahlen mit Kondomen auf Stimmenfang ging, etwa brav? «Ich werde mich auch in Zukunft für die gleichen Inhalte einsetzen.»

Das heisst: weiter pointiert links zu politisieren. Doch basisdemokratisch gefällte Entscheide der Partei werde sie natürlich mittragen. Ihre Kandidatur sei denn auch kein Angriff auf etablierte Kräfte innerhalb der Partei.

«Ich will mitarbeiten». Ihr Credo: Machen, nicht motzen. Es ginge auch nicht darum, Macht zu erlangen. Sondern um ihre Grundüberzeugungen, wegen denen sie schon innerhalb der Juso an die Spitze wollte: Unmenschlichkeit etwa in Flüchtlings- oder in Wirtschaftsfragen und seit neuestem «ein faschistoider Mann als Präsident der USA».

Pointierte Vision

Programmatische Schwerpunkte teilweise weit weg vom Baselland. Und auch das Positionspapier, mit dem sie sich vor einem Jahr für das Schweizer Juso-Präsidium beworben hat, ist eine pointiert linke Vision, wie die Welt alternativ gestaltet werden könnte. Den Anspruch diese Vision im Baselland umzusetzen hat sie jedoch nicht, da scheint sie genug Realpolitikerin zu sein.

«Es braucht jedoch diese grosse, linke Vision», sagt Marti und fügt an: «Es braucht viele kleine Schritte, um diese Welt auf allen Ebenen solidarischer und gerechter zu gestalten, gerade im Kanton Baselland. Das ist für mich kein Widerspruch, im Gegenteil.»
Die SP Baselland habe sich in der letzten Zeit als Oppositionspartei etabliert.

Diesen Kurs wolle sie als Vize-Präsidentin denn auch weiterhin unterstützen. «Solange die SP nicht in der Regierung ist, ist es sinnvoll sich dezidiert als Oppositionspartei aufzustellen», sagt Marti. Doch es sei auch klar, dass die SP in die Regierung gehöre. «Schliesslich ist die SP die grösste Partei, die sich etwa gegen Bildungs- oder öV-Abbau einsetzt», sagt Marti.

Marti als Wunschkandidatin

Für SP-Präsident Adil Koller und und Vizepräsidentin Caroline Rietschi sei Marti die Wunschkandidatin gewesen. Wir freuen uns denn auch sehr, stellt sie sich zur Wahl», äussert sich Koller gegenüber der bz. Hauptsächlich Martis Kampagnenerfahrung und weniger ihre inhaltliche Position sei dafür ausschlaggebend gewesen, sie anzufragen.

«Da sie mit Florian Schreier ebenfalls einen ehemaligen Juso-Präsidenten als Vizepräsident ablösen soll, ist es inhaltlich keine grundsätzliche Veränderung.» Marti sei gut vernetzt und trotz ihres noch jungen Alters habe sie Erfahrung in der Kampagnenführung. Zuletzt etwa bei der Kampagne gegen die Unternehmenssteuerreform.

«Sie ist sich gewohnt anzupacken, das können wir gut gebrauchen. Samira Marti ist also eine pragmatische Lösung, es geht nicht um eine Rechts-links-Frage innerhalb der Partei», bekräftigt Koller. Parteiinterne Konkurrenz hat Marti indes nicht, deshalb sei die Wahl der Ziefnerin zu erwarten, so Koller.