13. März und 8. Dezember 2017. Das sind zwei magische Daten in Liestals Ausnahmejahr: Am 13. März startet die Sanierung der Rathausstrasse, der zentralen Einkaufsmeile im Stedtli. Am 8. Dezember beginnt der Weihnachtsmarkt auf der neuen Rathausstrasse; auf diesen Zeitpunkt hin müssen die ganzen Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Dazwischen findet das grosse Graben statt, bei dem sämtliche Werkleitungen vom Trinkwasser übers Abwasser, das Elektrische bis hin zum Gas ersetzt werden. Neu dazu kommen Fernwärme- und Sauberwasserleitungen. Das Ganze erfolgt etappiert in insgesamt neun Schritten mit Start beim «Amtshaus» und Ende beim Törli sowie der linken untern Rathausstrasse vom Dichtermuseum bis zum Regierungsgebäude. Als Finale wird der neue Deckbelag mit den Granit-Natursteinbänder eingebaut, was der Rathausstrasse einen Piazza-ähnlichen Charakter geben soll. Für den zuständigen Stadtrat Franz Kaufmann liegt die grosse Herausforderung weniger beim Baulichen als an der exponierten Lage: «Beim Frenke-Schulhaus verbauen wir momentan elf Millionen Franken und niemanden kümmerts. An der Rathausstrasse sind es ‹nur› knapp vier Millionen, aber hier stehen wir im öffentlichen Schaufenster und das macht das ganze heikel.»

Betroffen sind vom Umbau eine Vielzahl von Personen, allen voran die zahlreichen Gewerbler und Anwohner an der Rathausstrasse sowie die Konsumenten. Von Letzteren hofft man, dass sie Liestal während der Bauzeit nicht den Rücken zukehren. KMU Liestal versucht, das aktiv mit einem ganzen Strauss von Aktionen zu beeinflussen. Dazu KMU-Sprecher Michael Bischof: «Wir wollen die Baustelle zum Event machen, sodass die Leute ins Stedtli kommen.»

Installationsplatz in der Allee

Aber auch Bischof und seine KMU schauen sehnsüchtig ans Ende des Tunnels: «Wir haben grossen Respekt vor der Bauzeit mit ihren Begleitumständen wie Dreck, Lärm und Umsatzeinbussen. Aber wir wissen, dass die Sanierung nötig ist und wir da durch müssen und freuen uns, dass Liestal in neun Monaten über eine tolle Rathausstrasse verfügen wird.»

So weit bis jetzt bekannt, nutzen im Übrigen zwei Geschäfte die Bauzeit mit voraussichtlich weniger Kunden, um ihre eigenen Räume auf Vordermann zu bringen. Es sind dies Coop und die Bäckerei Finkbeiner. Letztere baut im Sommer während sechs Wochen den Laden um und eine Kaffee-Ecke ein. Finkbeiner-Brot wird in dieser Zeit am untern Stedtliende zu kaufen sein. Coop andererseits will im jetzigen Zeitpunkt noch nicht über den geplanten «Stabhof»-Umbau informieren.

Die Bauerei mitten im Stedtli ist auch eine logistische Knacknuss, weil die Zufahrten knifflig sind und der Installationsplatz mit Baucontainer und Materiallager in der Allee relativ weit entfernt steht. Erschwerend kommt dazu, dass während der ganzen Bauzeit die Zugänge zu allen Hauseingängen und Geschäften gewährleistet sein sollen. Dies hat die Stadt zugesichert.

Langer Regen wäre heikel

Kann Franz Kaufmann als politisch Verantwortlicher noch ruhig schlafen? «Ich mache mir keine Sorgen, aber es wird sicher auch unangenehme Situationen geben.» Diese will Kaufmann mit einer besonderen Massnahme auffangen: Vorerst gibt es jeden Dienstag um 13 Uhr im Rathaus eine öffentliche, einstündige Sprechstunde, bei der nebst Kaufmann auch die Projektverantwortlichen anwesend sind.

Zudem werden die Anwohner mit persönlichen Schreiben und die Öffentlichkeit mit Plakaten und über die Website der Stadt Liestal über die einzelnen Bauschritte informiert. Am 13. März, dem Tag des Baustarts, laden Stadt und KMU Liestal auch zu einem gemeinsamen Informationsabend ein.

Heikel könne es werden, wenn es wochenlang regnen würde, sagt Kaufmann. Dann würden die bis zu vier Meter tiefen Gräben zu Sümpfen und Bauverzögerungen wahrscheinlich.

Ein anderes Risiko für den Bau-Fahrplan stellen archäologische Funde dar. Kaufmann, selber Liestaler Stadtführer mit profundem historischem Wissen, schätzt dieses Risiko allerdings als klein ein. Im Juni 2018 wird die neue Rathausstrasse dann mit einem grossen Stadtfest gefeiert.