Schon wieder soll die Bottminger Gemeindeversammlung einen Nachtragskredit für die Sanierung des Burggartenschulhauses bewilligen. Schon im Oktober 2010 hatte sie 12 Millionen Franken für Umbau und Sanierungsarbeiten bewilligt.

«Als die Gemeinde den ganzen Sanierungs- und Umbauprozess gestartet hat, ging man noch davon aus, dass es sich um eine Teilsanierung handeln würde, ohne grosse Eingriffe an den tragenden Gebäude-Elementen und ohne spezielle Massnahmen für eine Erdbebenertüchtigung», sagt Gemeindeverwalter Martin R. Duthaler.

Während des Bauprozesses habe sich aber herausgestellt, dass die aktuell geltenden Normen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) im Hinblick auf die Erdbebensicherheit nicht erfüllt werden konnten. So wurde auf Empfehlung der Gemeindekommission eine Erdbebenertüchtigung geplant, für welche die Gemeindeversammlung im März 2014 einen Nachtragskredit von 1,59 Millionen Franken bewilligt hatte.

Zusätzliche 1,7 Millionen

Und morgen Dienstag soll sie weitere 1,7 Millionen absegnen. Als die Sanierung schon lief, stellte man nämlich zudem fest, dass bei einem Teil der tragenden Betonstützen Massnahmen zur Verbesserung der Durchstanzsicherheit notwendig sind. Laut Gemeindeverwalter Duthaler sind deshalb bereits zusätzliche Stahlstützen und -träger eingebaut worden, da dies vor den Massnahmen zur Verbesserung der Erdbebensicherheit erfolgen musste.

Diese Stützen verhindern, dass eine Decke bei einer Überbelastung, wie bei einem Erdbeben oder einer grossen Last, im Bereich um eine Betonstütze herum einstürzen könnte und sich somit die Stütze durch die Decke «stanzen» würde.

«Wir kommen jetzt mit einem Nachtragskredit, weil wir wissen, dass uns der ursprünglich bewilligte Kredit nicht reichen wird», sagt Duthaler. Den aktuellen Nachtragskredit braucht es nun, um die Erdbebenertüchtigung und die restlichen Umbauarbeiten zu finanzieren.

(Noch) keine Schuldzuweisungen

Hätte man die Mängel bei der Durchstanzsicherheit nicht voraussehen können? Bei der Gemeindeverwaltung äussert man sich nur zurückhaltend. «Neben der Gemeinde werden sich unter anderem zwei spezialisierte Unternehmen mit den Fragestellungen Erbebensicherheit und Durchstanzen beschäftigen müssen. Wir werden nun zusammen anschauen, was bei der Planung hätte besser laufen müssen», sagt Duthaler, der die Unternehmen nicht namentlich nennen will.

«Im Moment ist es kontraproduktiv, irgendwelche Schuldzuweisungen vorzunehmen: Wir sitzen mit den Verantwortlichen an einen Tisch und wollen die Situation bereinigen, wobei ein möglichst fristgerechter Abschluss der Bauarbeiten im Vordergrund steht», gibt Duthaler zu Protokoll.

Auszug aus Provisorium im Herbst

Die Räumlichkeiten werden dringend benötigt, weil nach den Sommerferien im Rahmen der Schulharmonisierung erstmals eine sechste Primarklasse eingeführt wird. Momentan befinden sich die Klassen in einem gemieteten Provisorium, das laut Duthaler jährlich 70 000 Franken kostet. Im August sollen die Tagesschule und das Werken und im Oktober die Klassenzimmer und Nebenräume bezugsbereit sein, heisst es in der Einladung zur Gemeindeversammlung.

Die Gemeindekommission von Bottmingen empfiehlt den Stimmberechtigten, nicht auf den Nachtragskredit einzutreten. «Wir lehnen den Kredit nicht ab», erklärt Vizepräsident Lukas Keller. «Die Empfehlung zum Nichteintreten bedeutet, dass wir diese Gemeindeversammlung nicht als den richtigen Zeitpunkt erachten, um über den Nachtragskredit abzustimmen.» Das Projekt solle zuerst weiter fortgeschritten sein und mehr Informationen zum Verlauf vorliegen, bevor man darüber befinden solle. «Man kann jetzt noch nicht sagen, ob etwas falsch gelaufen ist», sagt Keller.

Da die Arbeiten schon abgeschlossen oder noch im Gange sind, geht es wie Duthaler erklärt bei der Vorlage nicht darum, das Projekt zu stoppen. «Wir können keinen Baustopp vornehmen. Die Gemeinde ist gesetzlich verpflichtet, bei Bekanntsein eines Mangels diesen zu beheben, damit die Schulräumlichkeiten betriebsbereit an die Schule Bottmingen übergeben werden können.»