Die SBB haben in den ersten Juni-Tagen mit den Vorarbeiten für den Vierspurausbau im Baselbieter Kantonshauptort begonnen. Das erste sichtbare Resultat dessen ist ein Kahlschlag (siehe bz vom Dienstag). Wo vor zehn Tagen noch eine blühend-üppige Baum- und Sträucherreihe den Hang oberhalb der Oristalstrasse beim Liestaler Bahnhof zierte, sind jetzt nur noch Baumstümpfe übrig.

Diese Rodung sorgte bei vielen Leuten für Empörung. Nicht zuletzt, da jetzt Brut-und Setzeit ist. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) jedoch, das die Planungssetzung für den Vierspurausbau erteilte, verteidigte sich, alle bundesrechtlichen Bestimmungen seien eingehalten worden – so auch diejenigen des Umwelt und Naturschutzes.

Anderer Meinung ist Benedikt Schmidt aus Pratteln. Er schrieb in einem Leserbrief: «Mitten während der Brut- und Setzzeit haben die SBB die Bäume beim Bahnhof Liestal gefällt. Das eidgenössische Gesetz über die Jagd und den Schutz wild lebender Säugetiere und Vögel sieht eine Strafe für Personen vor, die das Brutgeschäft der Vögel stören.» Schmidt spricht den Verantwortlichen auch das ökologische Feingefühl ab. Ansonsten hätten sie die Bäume später gefällt.

Die bz ging der Sache auf den Grund. Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB, gibt den Ball an das Bundesamt für Verkehr (BAV) weiter. Dieses prüfe als Plangenehmigungsbehörde die Einhaltung aller bundesrechtlichen Bestimmungen, so etwa auch des Umwelt- und Naturschutzes. Die SBB hat vom BAV die Plangenehmigung für den Vierspurausbau in Liestal erhalten.

Ausnahmen vorgesehen

Im Bundesgesetz, auf dass sich bz-Leser Schmidt beruft, ist zwar festgehalten, dass mit einer «Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe» bestraft wird, wer vorsätzlich das Brutgeschäft der Vögel störe. Jedoch sei das erlaubt, wenn eine Berechtigung vorliege.

Offenbar beruft sich das BAV auf diesen Passus: Teil der Plangenehmigung wäre demnach auch die Berechtigung, allfällige Vögel zu stören, die zum Zeitpunkt der Rodungen am Hang bei der Oristalstrasse in Liestal am Brüten sind.

Beat Feigenwinter vom Amt für Wald beider Basel sagt auf Anfrage, müsse man in einem Wald Bäume fällen, so werde darauf geachtet, dass die Arbeiten ausserhalb der Brut- und Setzzeit durchgeführt werden könnten. Doch es gebe auch Ausnahmen, etwa, wenn kranke Bäume die Sicherheit von Passanten gefährden könnten. «Die Sicherheit geht vor.»