Neuerdings hat der Aescher Bahnhof wieder ein WC. Der Öffentlichkeit steht für einen Franken dasjenige im Café Bistretto zur Verfügung, ohne Konsumationszwang. Die Gemeinde beteiligt sich an den Unterhaltskosten. Das Café ist allerdings nur von Montag bis Freitag von 6 bis 18.30 Uhr offen. Wer abends oder am Wochenende dringend aufs Klo muss, hat Pech gehabt.

Dabei gäbe es am Aescher Bahnhof eine separate Toilette. Das WC-Häuschen südlich des Hauptgebäudes steht sogar unter kantonalem Denkmalschutz. Doch es ist seit 2002 geschlossen. Die SBB als Besitzerin machte es dicht, nachdem Vandalen mehrfach gewütet hatten.

Später fragte der Verein «Attraktives Aesch» die Gemeinde an, ob sie das WC auf eigene Kosten führen könne – doch das wurde als zu teuer erachtet. Die Lösung mit dem Café versteht die Gemeinde jetzt als Provisorium. Gleichzeitig verhandelt sie nämlich mit den SBB, damit diese ihr WC wieder aufmachen.

SBB will halbe-halbe

Die SBB sind nicht grundsätzlich dagegen, wollen aber Geld von der Gemeinde. «Als angemessene Beteiligung erachten die SBB eine mindestens 50-prozentige Kostenübernahme der Investitionskosten», lässt die Pressestelle der Bahn verlauten. Nach diesem Prinzip gehen die SBB bei der Installation ihres genormten «WC Modul 13 +» an vielen vergleichbaren Bahnhöfen vor. Sicher ist: Falls Aesch wieder ein Bahnhof-WC führt, wird es vandalensicher, für beide Geschlechter und kostenpflichtig sein. «Das Interesse an einer Toilette besteht nach wie vor», räumen die SBB ein. «Jedoch ist eine Wiederinbetriebnahme auch von der Standortgemeinde abhängig.»

Noch ist es nicht so weit. «Wir tun unser Bestes.» So fasst der Aescher Verwaltungsleiter Matthias Gysin den Stand der Verhandlungen zusammen. Dabei könnte die Gemeinde ein Argument zugunsten des WCs in die Waagschale werfen: die Überbauung Birsmatt. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs entstehen Dutzende neuer Wohnungen, es entsteht neuer Gewerberaum. Damit dürften die Frequenzen des Knotenpunkts steigen. Zudem fährt dort neuerdings der Bus nach Flüh ab.

Für Regina Ventura, Präsidentin von «Attraktives Aesch», ist deshalb klar: Nach einer Tiefphase hat der Bahnhof Aesch wieder an Bedeutung gewonnen. «Die SBB sollten sich deshalb ernsthaft Gedanken machen über das WC.» Auch Gysin hofft, dass die Überbauung die Überlegungen der Bahn beeinflussen wird.

Doch das verneint man bei den SBB. Die Pressestelle verweist auf eine Kostenbeteiligung der Gemeinde als entscheidende Voraussetzung für die Wiedereröffnung. Damit droht in Aesch eine ähnlich vertrackte Situation wie am Bahnhof Dornach–Arlesheim. Die beiden Gemeinden möchten ihre Bahnhoftoilette den SBB übergeben und haben ihr für die Sanierung 26’000 Franken angeboten. Dafür soll das WC kostenlos sein, damit die Unterführung nicht stinkt. Die SBB hingegen beharren darauf, wie in allen ihren WCs schweizweit einen Franken zu verlangen. Das sorgte im Frühling im Dornacher Gemeinderat für einigen Ärger. Nun sieht es danach aus, als wären sich die Parteien einig geworden. Arlesheim teilt auf Anfrage mit, dass die Toilette Anfang 2015 an die SBB übergeben und dann auch kostenlos benützbar sein werde.

Toilette ist keine Verpflichtung

Druck besteht nicht, denn die SBB sind nicht verpflichtet, an Bahnhöfen Toiletten zur Verfügung zu stellen. Trotzdem wollen die Bundesbahnen in den kommenden Jahren für 100 sanierte Toiletten rund zwölf Millionen Franken ausgeben. Für Ventura ist klar, dass dabei das Aescher WC-Häuschen zum Zuge kommen soll. Schliesslich gehöre es zum Bild, das man sich vom Aescher Bahnhof mache. «Man sieht es schon auf alten Fotos.»

Und sie weiss eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. Laut einer Umfrage des Bahnhofsvereins wünschen sich 75 Prozent der Aescher ein WC an ihrem Bahnhof.