Die Ankündigung der SBB, den Neubau des Bahnhofs Liestal um drei Jahre vorzuziehen, ist im Kanton Baselland auf ein überwiegend positives Echo gestossen. Allgemein wird erwartet, dass die Fertigstellung des neuen Gebäudekomplexes bis Ende 2022 die negativen Auswirkungen der Grossbaustelle rund um den Vierspurausbau abzumildern vermag.

Die SBB haben in der jüngsten Ausgabe der «Schweiz am Wochenende» die Vorverschiebung des Zeitplans und Beschleunigung des gesamten Bauprojekts bestätigt. Gemäss revidierter Planung könnten sämtliche Bauarbeiten bereits 2025 abgeschlossen sein, und die Bahn den Vierspur-Betrieb aufnehmen.

Kritik der Hausärzte

Gleichzeitig wird Kritik an einem der potenziellen Ankermieter im neuen Liestaler Bahnhof laut. Anfang Jahr hatten die SBB und das Kantonsspital Baselland die Absichtserklärung für die Einmietung eines neuen Gesundheitszentrums unterzeichnet. Die Vereinigung der Hausärztinnen und Hausärzte beider Basel (VHHB) schreibt nun in einer Medienmitteilung, «dass zum jetzigen Zeitpunkt kein Bedarf für ein solches Ambulatorium  besteht».

Neben der Konkurrenzierung der eigenen hausärztlichen Notfallpraxis im Kantonsspital Liestal und der Furcht vor einem neuen Kostenschub für die Steuerzahler kritisieren die Hausärzte insbesondere, dass sie vom Kantonsspital nicht in den Entscheidungsprozess miteinbezogen worden seien. Darum vermutet der VHHB, «dass die entsprechenden Bedürfnisse der Bevölkerung, die ein solches Vorhaben begründen könnten, nicht abgeklärt wurden».

Schlechter Austausch zwischen den Verbänden

Dieser Kritik widerspricht Kantonsspital-Sprecherin Anita Kuoni vehement: «Das Kantonsspital Baselland ist mit der Ärztegesellschaft Baselland in engem Austausch, die als Dachgesellschaft die Kommunikation gegenüber der Vereinigung der Hausärztinnen und Hausärzte VHBB führt.» Was bedeuten soll: Wenn sich der Hausärzteverband in der Ambulatoriumsplanung aussen vor gelassen fühlt, dann sei dies ein internes Problem des Ärzteverbands, nicht des Kantonsspitals.

Die SBB ihrerseits scheinen über die Kritik am Ambulatorium nicht allzu sehr beunruhigt zu sein; dann schon viel eher über die Referendumsdrohung gegen den Bahnhofs-Quartierplan, der voraussichtlich im Mai vors Stadtparlament kommt. In der «Schweiz am Wochenende» hat der Chef der Immobilienentwicklung Alexander Muhm klar gestellt, dass entweder der gesamte neue Bahnhofskomplex inklusive Bürohochhaus gebaut werden kann, oder sich andernfalls die SBB aus dem Projekt zurückziehen.

Dieses Festhalten am maximal 57 Meter hohen Bürogebäude am Emma Herwegh-Platz hat in erster Linie einen kommerziellen Hintergrund. Die SBB sind auf die Vermietung der zusätzlichen Gewerbeflächen im Hochhaus angewiesen, um die 100-Millionen-Franken-Investition in den Bahnhofsneubau ökonomisch rechtfertigen zu können. Alleine durch die Vermietung der Ambulatorium-Räume ans Kantonsspital Baselland im unteren Bahnhofsteil liesse sich ein zu geringer Ertrag erwirtschaften.

Mietvertrag wird noch dieses Jahr unterzeichnet

Laut Muhm war die frühzeitige Verpflichtung des Kantonsspitals in einem «Letter of Intent» als potenzieller Ankermieter für die SBB ein «Lucky Punch», welcher die Planungen erleichtert hat. Ansonsten würden es potenzielle Investoren vorziehen, zuerst Fakten zu sehen, ehe sie sich engagieren. Die SBB beabsichtigen, noch dieses Jahr die Unterschrift unter den definitiven Mietvertrag zu setzen. Kantonsspital-Direktionsmitglied Anita Kuoni bekräftigt diese Vorgabe und nennt den Sommer 2017 als Wunschtermin für den Vertragsabschluss. 

Mit dem KSBL und seinem Gesundheitszentrum wäre erst der Ankermieter für den Bahnhof im dreiteiligen Entwicklungsgebiet der SBB bestimmt. Die Mieter für die anderen zwei Gebäude für die weiträumigen Dienstleistungsflächen im grossen Hochhaus und kleineren Bürogebäude werden noch gesucht. «Am liebsten hätten wir einen grossen Partner», sagt der Chef Immobilienentwicklung Alexander Muhm, «doch ist dies zum jetzigen Zeitpunkt bloss spekulativ.» Eigentlich war der Kanton Baselland als Ankermieter im grossen Bürohochhaus vorgesehen und unterzeichnete ebenfalls eine Absichtserklärung, um seine Verwaltung an einem Ort zu zentralisieren. Doch im vergangenen September zog sich die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro überraschend aus der geplanten Einmietung im SBB-Neubau zurück.

Zwar habe dieser Ausstieg dafür gesorgt, dass der bereits vorbereitete Architekturwettbewerb fürs Bürohochhaus storniert wurde - deswegen existieren vom Hochhaus im Gegensatz zum restlichen Bahnhofsprojekt noch keine Visualisierungen -, doch stellt laut SBB die zu zwei Dritteln offene Ankermieterfrage keinen Grund dar, nicht schnellstmöglich mit der Planung des Projekts vorwärtszumachen.

Liestals Stadtpräsident Lukas Ott fasst die Liestaler Strategie der SBB so zusammen: «Der Standort am Bahnhof ist derart zentral und für alle Nutzer perfekt erschlossen, dass es die SBB sich leisten können, mit dem Neubau nicht unnötig zu zögern.»