Alles war am 1. August bereit für eine Premiere. Erstmals sollte der «Rhystärn», das neue Flaggschiff der Basler Personenschifffahrt (BPG), in Rheinfelden anlegen. Die äusseren Bedingungen waren scheinbar perfekt, die Sonne strahlte – doch der «Rhystärn» konnte nicht anlegen.

Der Rhein führte zu wenig Wasser. Das rund 70 Meter lange Aushängeschild der BPG-Flotte mit seinen grossen Fensterfronten, das insgesamt rund 600 Personen Platz bietet, musste wenden und zurück nach Kaiseraugst fahren (die AZ berichtete).

30 Zentimeter fehlen

Gut zwei Monate später wartet Rheinfelden weiter auf die Premiere. Obwohl der «Rhystärn» ausser am Montag täglich gemäss Fahrplan auf der Schleusenfahrt von Basel flussaufwärts unterwegs ist, konnten in Rheinfelden bisher noch nie Passagiere aus- oder zusteigen. «Es fehlen rund 30 Zentimeter Wassertiefe, damit unsere Schiffe wieder anlegen können», erklärt Frédéric Petignat, Leiter Marketing der BPG.

Auch der Halt in Birsfelden fällt momentan wegen zu geringer Wassertiefe aus. Dass der Wasserstand an einzelnen Tagen zu niedrig ist, kommt immer wieder vor. «Eine so lange Periode mit Niedrigwasser gab es aber schon lange nicht mehr», sagt die Rheinfelder Vize-Stadtschreiberin Christine Schibler.

Im Zähringerstädtchen spürt man die ausbleibenden Besucher und Gäste. «Die Schifffahrt hat für den Tagestourismus in Rheinfelden eine grosse Bedeutung», sagt Christine Schibler. Jährlich seien es normalerweise rund 25 000 Passagiere, die in Rheinfelden zu- oder aussteigen, sagt Schibler. Wie viele es dieses Jahr sind, lässt sich noch nicht abschliessend sagen. «Wir können erst zum Abschluss der Saison eine konkrete Aussage machen», so Frédéric Petignat. «Was wir sicher sehen, ist, dass vor allem auf der Talfahrt weniger Gäste zusteigen.»

Schibler ihrerseits schätzt, dass durch das verunmöglichte Anlegen «etwa 40 Prozent der üblichen Besucher via Schiff» Rheinfelden diesen Sommer nicht direkt besucht haben. «Diese rund 10 000 geschätzten Schiffstouristen weniger wirken sich auf die Jahresbilanz aus», so Schibler.

Ladenbesitzer spüren Rückgang

Je nach Sortiment gebe es Geschäftsbesitzer, die den Besucher-Rückgang deutlich spüren, sagt Schibler. Eine Einschätzung, die Marco Veronesi, Präsident des Vereins «Rheinfelden Pro Altstadt» teilt. In normalen Jahren treffe jeweils kurz nach Schiffsankunft eine Welle von Kunden in den Geschäften der Altstadt ein. Diese fehlten in diesem Sommer. «Es gibt Branchen, die stark betroffen sind», so Veronesi. Vor allem Läden, in denen die Kunden gerne Ad-hoc-Käufe tätigen wie etwa Souvenirläden oder Boutiquen.

Wann der «Rhystärn» endlich zum ersten Mal in Rheinfelden anlegen kann, ist derzeit offen. Die Saison für die Schleusenfahrten dauert noch bis zum 28. Oktober. Frédéric Petignat weiss um die Wichtigkeit der Schiffstouristen für Rheinfelden. «Umgekehrt ist für die BPG Rheinfelden als attraktives Ausflugsziel wichtig», sagt er. Die Schleusenfahrt nach Rheinfelden sei «ein Highlight» für die BPG-Gäste. «Wir sind bereit und fahren Rheinfelden an, sobald der Wasserstand dies wieder zulässt», so Petignat. Bis dahin gibt es – allerdings nur für die Passagiere – einen Trost: «Das Wendemanöver vor dem Inseli mit Blick auf Rheinfelden und die Rheinbrücke ist sehr spektakulär – und in dieser Form bei normalem Wasserstand nicht zu erleben.»

Offerten werden eingeholt

Zum Regelfall sollen diese Wendemanöver in den kommenden Jahren aber nicht werden. Nach Abschluss der Kursfahrten-Saison wird die Schiffsanlegestelle in Rheinfelden erneuert, wie Christine Schibler sagt. Und man überlegt sich in der Stadt, ob und wie die rippenförmige Untiefe in der Anfahrt zur Anlegestelle behoben werden könnte. Eine Austiefung der kritischen Stelle sei angedacht, so Schibler. Derzeit würden Offerten eingeholt, um zu erfahren, was es koste, den Fels etwas abzutragen und die Fahrrinne auszubaggern. Liegen diese vor, wird der Stadtrat über die Pläne befinden.