Es geschah im Juni 2014 um Mitternacht im Villenviertel von Füllinsdorf: Zwei Männer stiegen über den Wintergarten in das Einfamilienhaus ein und gingen direkt ins Schlafzimmer. Die 77-jährige Bewohnerin hatte Geräusche gehört und bereits das Telefon in der Hand, doch die beiden Männer waren schneller und kräftiger: Die Frau musste ihre drei Fingerringe abstreifen, die Männer durchsuchten das Schlafzimmer nach weiterem Schmuck. Dabei löschten sie das Licht im Zimmer, blendeten die Frau dauernd mit einer Taschenlampe und hielten ihr zeitweise gar Kissen vor das Gesicht. Schliesslich fesselten sie die Frau und sperrten sie in das fensterlose Badezimmer. Erst 17 Stunden später wurde die Frau per Zufall befreit, weil sie am folgenden Abend Gäste eingeladen hatte.

Am Donnerstag musste sich nun ein 36-jähriger Kosovare aus Mulhouse wegen des Überfalles vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten. Auf seine Spur kam man lediglich aufgrund eines anderen Einbruches in Biel-Benken, dort wie auch in Füllinsdorf hatte man seine DNA sichergestellt.

Einbrecher bereut die Tat

Er sagte, der andere Mann habe ihm weisgemacht, man gehe zu Albanern, um Schulden einzutreiben. Erst als sie im Schlafzimmer standen, sei ihm bewusst geworden, dass es um einen Einbruch ging. Seinen Mittäter habe er kaum gekannt. «Es tut mir sehr leid, dass so etwas passiert ist. Ich werde mich mein ganzes Leben schuldig fühlen», sagte er. Seine Erfahrung mit Einbrüchen ist nicht eindeutig: Beim Einbruch in Biel-Benken ein halbes Jahr zuvor drang er in ein Rebhaus ein und trank dort Schnaps.

Auf seine Spur führte sein Mobiltelefon, welches zur fraglichen Zeit in der Nähe eingebucht war. Im November 2014 kam er wieder in die Schweiz, wurde an der Grenze kontrolliert und sitzt seither in Haft. Im Kosovo sass der Mann bereits wegen eines Raubes im Gefängnis, doch ein offizieller Strafregisterauszug aus Pristina war nicht erhältlich. Formell gilt der Mann daher als nicht vorbestraft. Die drei Richter in Muttenz sprachen schliesslich eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren wegen Raubes, Freiheitsberaubung, Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch aus.

Keine Genugtuung für das Opfer

Für die überfallene Frau ist das Urteil bitter: Die von ihr geforderte Genugtuung von 10'000 Franken wurde aus rein formellen Gründen auf den Zivilweg verwiesen, weil sie keine Begründung für ihre Forderung angegeben hatte. «Natürlich ist es befremdlich, dass man einem eindeutigen Raubopfer nicht eine Genugtuung zusprechen kann. Das Gericht ist hier aber an die Gesetze und Vorgaben des Zivilrechtes gebunden», sagte Gerichtspräsidentin Jacqueline Kiss dazu. Die Frau müsse nun eben den beschwerlichen Weg via Opferhilfe oder über einen Zivilprozess auf sich nehmen, wenn sie die Forderung doch noch durchsetzen wolle.

Staatsanwältin Stephanie Eymann hatte zusätzlich eine Verurteilung wegen versuchter Lebensgefährdung und ein höheres Strafmass von 4,5 Jahren gefordert: Die Männer hätten dem Opfer das Kissen auf das Gesicht gedrückt. Das Gericht sah das aber anders: Es sei bei dem Kissen lediglich darum gegangen, die Sicht der Frau auf die Männer einzuschränken. Der Schock in jener Nacht war dennoch gross: Einer der Männer hielt einen Schraubenzieher in der Hand, im ersten Moment hatte das Opfer dies als Pistole interpretiert.

Alle Beteiligten können das Urteil noch weiterziehen. Vom zweiten Einbrecher jener Nacht in Füllinsdorf fehlt noch immer jede Spur.