Kurz wurden die anwesenden Vertreter der Baurekurskommission, deren Bericht das Ehepaar Gaugler ans Kantonsgericht weitergezogen hatten, gestern hellhörig: «Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen», so das einstimmige Urteil der fünf Richter des Baselbieter Verwaltungsgerichts. Allerdings – und das ist letztlich das Entscheidende – schob Gerichtspräsidentin Franziska Preiswerk nach: «Zu grossen Teilen wird sie abgewiesen.»

Die Überraschung blieb aus. Der Kern des Urteils ist eine Niederlage für die ehemalige Landratspräsidentin Daniela Gaugler (SVP) und ihren Ehemann Christoph: Nur zwei der vier Wohnungen in der Liegenschaft an der Kanalstrasse 17 im Lausner Gewerbegebiet seien zulässig; eine als Abwartswohnung und eine für den Eigenbedarf. Jeder Mieterwechsel müsse vom Bauinspektorat (BIT) bewilligt werden. In den anderen beiden Wohnungen, einem Nagelstudio und einem Atelier, dürften die jeweiligen Betreiberinnen hingegen nicht wohnen bleiben. Innert vier Monaten, nachdem das Urteil rechtskräftig ist, muss der «rechtmässige Zustand» wieder hergestellt sein. Das bedeutet die ausschliesslich gewerbliche Nutzung dieser Räume.

Auch der Bed & Breakfast-Betrieb der Gauglers, der am Anfang der Enthüllungen durch die bz im Sommer 2014 stand, darf in den Augen der Richter nicht so wie bis anhin weitergeführt werden. Die Bewilligung für das Führen eines B&B mit sieben Zimmern bleibt zwar bestehen, allerdings nur für wechselnde Gäste und nicht für Dauermieter. Zuletzt hatten Personen teils über Jahre an der Adresse gewohnt und sich auch bei der Gemeinde offiziell angemeldet.

Kritik an der Gemeinde

Teilweise gutgeheissen wurde die Beschwerde nur, da einige Auflagen der Baurekurskommission (BRK) etwas angepasst werden sollen. So hielt der referierende Richter Niklaus Ruckstuhl fest, dass das BIT nicht über die Zwangsabmeldung des Wohnsitzes oder des Steuerdomizils bestimmen dürfe. Dies sei Sache der Gemeinde.

Erwähnenswert ist zudem, dass sowohl das Verhalten des BIT als auch der Gemeinde Lausen im «Fall Gaugler» von den Richtern durchaus auch kritisch betrachtet wurde: So sei es «unschön», befand Ruckstuhl, dass die Gemeinde über Jahre nichts gegen die missbräuchliche Nutzung der Liegenschaft unternommen und sogar selbst Sozialhilfebezüger einquartiert habe.

Richter Edgar Schürmann brachte deshalb gar etwas Verständnis «für den Groll der Beschwerdeführer» auf. Und Preiswerk tadelte das BIT dafür, eine der Wohnungen früher bewilligt zu haben, ohne zu überprüfen, ob der Betriebsinhaber wirklich vor Ort wohnen muss: Die nicht konstante Praxis «führte zu einer Unübersichtlichkeit, die von den Beschwerdeführern ausgenutzt wurde».

Das Urteil ist wegweisend

Vielleicht ahnten Gauglers, dass das Kantonsgericht der BRK und dem BIT grösstenteils folgen würde. So blieben sie gestern der Urteilsberatung fern und liessen sich durch Anwalt Michael Baader vertreten. Dieser darf seinen Klienten nun mitteilen, dass sie auch die ordentlichen Verfahrenskosten tragen müssen. Statt der üblichen 1400 Franken setzte das Gericht diese wegen des besonders aufwendigen Falles auf 2200 Franken fest.

Offen bleibt den Beschwerdeführern noch der Weg vors Bundesgericht, wobei die Aussichten auf Erfolg – nimmt man die drei klaren Urteile von BIT, BRK und Kantonsgericht als Gradmesser – eher dürftig erscheinen. Das Ehepaar Gaugler war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Liegt das Urteil des Kantonsgerichts in ein paar Monaten schriftlich vor, so dürfte es für den künftigen Umgang mit Nutzungskonflikten in Gewerbezonen wegweisend sein. So wurden erstmals Fragen zum Wohnen im Gewerbegebiet und zur Definition eines B&B aufgeworfen, die im Kanton Baselland bis heute noch nicht klar geregelt sind. Das ist vielleicht das einzig Positive, das vom «Fall Gaugler» in Erinnerung bleiben wird.