Wer geglaubt hätte, dass die Baselbieter Baudirektion (BUD) schon genug Ärger am Hals hat, sollte besser zuerst diese Geschichte lesen. Denn im Vergleich zu diesem Skandal von paranormaler Dimension sind sämtliche GPK-Berichte und Strassenbau-Proteste lächerlich weltliche Realitäten.

Der Verschwörung auf den Grund gekommen ist das Zweimonats-Magazin «Mysteries» (Eigenanspruch: «Wir enthüllen, was andere verschleiern»). Für seine Macher steht fest, dass es die BUD ist, die einen «Getreide-Spuk» auf Schloss Wildenstein zu verschleiern versucht. Den Verdacht befeuert hat ein TV-Interview vom Juni dieses Jahres, das Moderator Nik Hartmann mit den beiden Schlossverwaltern Dieter Leutwyler und Hansjörg Surer führte. Just in dem Moment, als sich das Gespräch um übernatürliche Geschehnisse zu drehen beginnt, greift der SRF-Produzent zur Schere.

«Mysteries» zeichnet nach, was Surer im Interview sagt: «‹Im Turm hat es ab und an auf dem alten Tisch am Morgen ein bisschen Getreide. Und ich frage mich, wie dieses auf den Tisch kommt. Die Schlossführer sagen, dass es durch die Decke rieselt. Aber dass es stets genau an jenem ... mhhh ...› Surer stockt leicht verlegen und insistiert dann nachdrücklich: ‹Aber das ist doch spannend ...› Schnitt.» Unheimlich, nicht wahr? Ist Surer vor laufender Kamera zu weit gegangen, fragt sich «Mysteries»: «Hatte er zu viel ausgeplaudert, das nicht publik werden sollte?»

Ortstermin abgelehnt

Doch das dicke Ende kommt erst noch. «Mysteries» will vor Ort recherchieren und fordert von der Bau- und Umweltschutzdirektion ein klärendes Gespräch. Stattdessen erfolgt eine Absage: «Wie sie richtig feststellen, hat Herr Surer in der SRF-Sendung ‹Wunderland› etwas Ungewöhnliches zu Schloss Wildenstein preisgegeben. Damit hat er als ausgebildeter Schauspieler gekonnt dem Wunsch des Fernsehteams entsprochen», zitiert «Mysteries» aus der BUD-Replik. Und weiter: «Der Kanton Basel-Landschaft ist bestrebt, das Schloss als historisches Kulturgut staatlich zu erhalten (...) Er ist aber nicht daran interessiert, dass über das Schloss in grossem Umfang Berichte über geheimnisvolle, paranormale Phänomene verbreitet werden.»

Zumindest diese Sorge kann dem Kanton genommen werden. Laut Auskunft von besagter Stelle haben kein einziges Mal seit Erscheinen des «Mysteries»-Artikels Geisterjäger Schoss Wildenstein heimgesucht. Aber dass die BUD dem Schweizer Fernsehen unterstellt, dieses hätte zwecks Quote Hansjörg Surer dazu ermuntert, Nik Hartmann eine Gespenstergeschichte aufzutischen, will wiederum SRF nicht auf sich sitzen lassen. «Gerne versichere ich Ihnen, dass es zwischen den Protagonisten und unserem Team vor Ort keinerlei Absprachen gab bezüglich der diskutierten Themen», bekräftigt eine SRF-Sprecherin auf Nachfrage von «Mysteries»-Chefredaktor Luc Bürgin. Insbesondere sei Surer nicht dazu angehalten worden, etwas Mysteriöses zu berichten.

Wer jetzt noch immer nicht an eine Verschwörung glaubt, wird spätestens von folgendem Umstand überzeugt: Niemand anderer als Schlossherr Dieter Leutwyler hat die Absage an «Mysteries» formuliert, und zwar in seiner damaligen angestammten Funktion als Medienverantwortlicher der Bau- und Umweltschutzdirektion! Oder wie es das Magazin beschreibt: «Ironie des Schicksals: Wenige Tage später quittierte der Mann den staatlichen Dienst und zog sich vorzeitig in den Ruhestand auf Schloss Wildenstein zurück.»

Nun könnte es sein, dass Leutwylers Frühpensionierung schon lange vor Nik Hartmanns TV-«Wunderland» beschlossene Sache war. Möglicherweise gehören auch die Getreidekornschalen, die durch das immer gleiche Deckenloch rieseln, zum Mauerwerk, wie sie früher für Mauerfüllungen verbaut wurden. Doch wenn es um Verschwörungen und Erscheinungen im Baselbiet geht, will die bz an vorderster Front stehen. Also, liebe Bau- und Umweltschutzdirektion, raus mit der Sprache, spukt es jetzt auf Wildenstein, oder nicht?

«Wir können Ihnen zumindest bestätigen, dass sich kein Gespenst auf der Liste unserer Mitarbeitenden befindet», lässt BUD-Sprecher und Leutwylers Nachfolger Nico Buschauer ausrichten. Wers glaubt, wird selig.