Rückblickend hat das, was Daniela Schneeberger im bz-Interview zu Beginn ihrer Nationalratszeit Ende 2011 sagte, fast etwas Tragisches: «Die Baselbieter FDP möchte mich womöglich als Aushängeschild aufbauen», sagte sie damals. Zweieinhalb Jahre später kommen Zweifel auf, wie stark Schneebergers Rückhalt in der eigenen Partei noch ist. Wie es der Zufall wollte, sah sie sich just am Morgen des neuerlichen Gesprächs mit der bz Attacken aus den eigenen Reihen ausgesetzt, die die «Basler Zeitung» – anonym – publizierte.

Frau Schneeberger, ohne mit dem Namen hinzustehen, bezeichnen einige Parteikollegen Sie und ihre Arbeit im Nationalrat als «wirkungslos», «unsichtbar» und «nicht durchsetzungsfähig». Sie hätten den Ruf einer «naiven, überforderten Provinzpolitikerin». Das ist starker Tobak.

Daniela Schneeberger:Dass sich meine Kritiker bloss hinter vorgehaltener Hand äussern, ist feige und ich habe den Eindruck, es hat auch mit Neid zu tun. Mich hat erstaunt, dass die «Basler Zeitung» sich für so etwas hergibt. Mein Prinzip ist: Wenn ich jemanden kritisiere, dann direkt und ehrlich – das erwarte ich eigentlich auch von anderen.

Wie erklären Sie sich denn diese harsche Kritik aus den eigenen Reihen?

Jeder Politiker hat innerhalb seiner Partei nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner. Das gehört ein Stück weit dazu. Das Feedback, das ich direkt erhalte, ist oft sehr positiv. Ich glaube, wir erleben schon den Auftakt der Kampagne für die Nationalratswahlen vom Herbst 2015. Angriffe auf mich sind vermutlich Teil der Taktik. Die Nähe zur Bevölkerung ist mir das Wichtigste. Am Ende entscheiden schliesslich die Wähler. Das ist mein Trumpf.

Wen vermuten Sie hinter den Attacken? Die Ambitionen von Landrat und Wirtschaftskammer-Boss Christoph Buser etwa sind ja ein offenes Geheimnis ...

Ich hege keinen konkreten Verdacht. Ich hoffe, dass die Baselbieter FDP wie schon 2011 eine starke Liste zusammenstellen wird. Das ist auch gut so. Und ich weiss auch, was Christoph Buser alles in die Waagschale werfen kann. Sollte er tatsächlich für den Nationalrat kandidieren, überlasse ich ihm aber nicht kampflos das Feld. Es heisst schliesslich Wahlkampf – und nicht Wahlspaziergang.

Der Vorwurf, der letztlich hinter dieser Kritik steht, ist, dass Sie im Nationalrat keine Führungsfigur sind. Dem können Sie kaum widersprechen, oder?

Das wäre ja auch ungewöhnlich nach bloss zweieinhalb Jahren. SP-Nationalrat Eric Nussbaumer wurde nach seiner Wahl 2007 auch noch lange als Hinterbänkler verschrien. Dann kam Fukushima. Es ist doch nur logisch, dass ich mich zuerst einarbeiten muss. Das hat mit Überforderung nichts zu tun. Die Gesundheitskommission war vielleicht nicht das Richtige für mich. Das gebe ich zu. Aber letztlich kann auch nicht jedes Fraktionsmitglied ein Leader sein.

Wollen Sie in Zukunft dominanter auftreten?

Ich will durchaus mitbestimmen. Aber jeden Freitag in der Arena aufzutreten, muss wirklich nicht sein. Das Parkett der Eitelkeiten ist nicht meine Welt. Ich kann mich nicht verstellen, will authentisch bleiben. Das Amt habe ich so angepackt, wie ich eben bin: ohne die Ellbogen auszufahren. Ich habe mehr Freude an politischen Erfolgen als daran, meinen Kopf in der Zeitung zu sehen. Deshalb ergreife ich nur das Wort, wenn ich auch etwas beitragen kann. Aus der Tatsache, dass ich nicht gross für Schlagzeilen sorge, darf man nicht schliessen, dass ich meine Arbeit schlecht mache.

Was würden Sie denn rückblickend anders machen?

Höchstens früher schauen, dass ich beruflich entlastet werde. Das habe ich vielleicht etwas unterschätzt. Mittlerweile habe ich mich organisiert und kooperiere mit einer anderen Treuhandfirma.

Sie betonen immer, dass Ihnen die regionale Verwurzelung nach wie vor wichtig ist. Aber sollten Sie die Zeit, die Sie in den Gewerbe- oder den Turnverein stecken, nicht besser in Bern nutzen?

Nein. Die Region ist mir wichtig. Hier sind die Leute, für die ich in Bern bin. Mein Präsidium beim Gewerbeverein Sissach und Umgebung bedeutet nicht viel Aufwand, da der Verein sehr gut organisiert ist. Und das Präsidium beim Schweizerischen Treuhänderverband und die Mitwirkung in der Gewerbekammer, dem Parlament der KMU, laufen auch gut. Was ich mir nicht nehmen lasse, ist, im Baselbiet immer wieder Anlässe zu besuchen. Die Bevölkerung will ihre Nationalrätin sehen und ich will das Volk spüren. Den Vorwurf, dass ich zu viele Aufgaben stemme, kann ich nicht nachvollziehen. Ich setze mich lieber für die Region ein, anstatt Verwaltungsratsmandate zu sammeln.

In zweieinhalb Jahren haben Sie elf Vorstösse eingereicht. Dabei werfen Ihnen die anonymen Kritiker vor, dass diese nicht ihrer Eigeninitiative entsprungen seien, sondern entweder von ihrer Fraktion oder dem Baselbieter Regierungsrat vorgegeben wurden. Das käme doch einer politischen Bankrotterklärung gleich ...

Natürlich habe ich die Vorstösse aus eigenem Antrieb erarbeitet. Dass ich mich je nach Thema bei den betroffenen Stellen in Baselland, etwa dem Regierungsrat, rückversichere, damit kein Aspekt vergessen geht, ist doch klar – alles andere wäre auch unprofessionell. Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Schliesslich wurde ich gewählt, um die Interessen des Baselbiets und der Region in Bundesbern einzubringen.

Apropos: Wie weit sind Sie in Sachen Wiederwahl-Kampagne für den 18. Oktober 2015?

Ich bin daran, mein Unterstützungskomitee zu bilden und bin zuversichtlich, dass es am Ende ähnlich stark sein wird wie 2011. Allerdings muss ich natürlich wie alle Kandidaten erst von der FDP offiziell nominiert werden.

Egal, wer sich gegen Sie in Stellung bringt: Können Sie sich vorstellen, dass die FDP ihre Bisherige nicht einmal nominiert?

Nein, das wäre unvorstellbar.

Haben Sie sich schon überlegt, dass Sie – dank einer bürgerlichen Wahlallianz – im Herbst 2015 sogar für den Ständeratssitz des SP-lers Claude Janiak kandidieren könnten? Dann würde Christoph Buser in den Nationalrat nachrücken. Wenn dann auch noch Sabine Pegoraro Regierungsrätin bleibt, wäre das für den Baselbieter Freisinn doch ein Riesenerfolg.

Das wäre wirklich ein grosser Erfolg. Tatsächlich habe ich mir auch schon über den Ständerat Gedanken gemacht. 2015 kann schliesslich alles sehr schnell gehen. Bei den möglichen Allianzen und dem weiteren Vorgehen möchte ich aber noch nicht vorgreifen. Das muss alles diskutiert werden.

Ein Ständerat müsste allerdings dann doch ein Leader sein. Auf welche Themen wollen Sie künftig ihren Fokus richten und sich Anerkennung erarbeiten?

Aktuell baue ich Druck auf, um endlich mehr Grenzwächter für die Nordwestschweiz zu bekommen. Das Ziel ist, dass wir weniger Einbrüche durch ausländische Banden haben. Dann liegen mir die Unternehmenssteuer-Reform III und die Erbschaftssteuer-Reform am Herzen, weil sie unsere regionalen KMU stark betreffen und wir im Wettbewerb mit dem Ausland stehen. In der Finanzkommission möchte ich die Revision des nationalen Finanzausgleichs im Sinne Basellands begleiten. Und in der Staatspolitischen Kommission (SBK) ist die Migrationspolitik wichtig. Hier setze ich mich für den Grundsatz «hart aber fair» ein.

Übrigens: In der SBK betreue ich nun meine ersten Dossiers, unter anderem eine Teilrevision des Ausländergesetzes. Ich mag zwar noch kein Alphatier sein, doch so langsam komme ich in Fahrt. (lacht)