Es gibt keine Baselbieter Bundesrätin: Elisabeth Schneider-Schneiter hat es nicht aufs Ticket der CVP geschafft. Nach dem Entscheid der Partei am Freitagabend stellte sich die Nationalrätin den Fragen der «Schweiz am Wochenende».

Frau Schneider-Schneiter, Ihre CVP-Fraktion hat den Entscheid gefällt; gegen Sie. Wie fühlen Sie sich gerade?

Elisabeth Schneider-Schneiter: Natürlich bin ich enttäuscht, aber es geht mir im Grunde gut. Ich muss jetzt die Situation analysieren und meine Schlüsse daraus ziehen.

Wie kann es Ihnen jetzt gut gehen?

Mit meiner Kandidatur habe ich nur gewonnen. Ich habe viele neue Erfahrungen gemacht, es war ein spannender Prozess, und ich hatte schweizweit so viel Medienpräsenz wie nie zuvor. Das wird sich bei den Wahlen 2019 auszahlen.

Was hat den Ausschlag gegen Sie gegeben?

Offensichtlich hat die Fraktion die Prioritäten anders gelegt. Es war ein Entscheid für die Bergkantone. Alles andere muss ich mir zuerst selber durch den Kopf gehen lassen.

Dann war es ein Entscheid gegen die Region Basel.

Die Wichtigkeit der Region Basel wird unterschätzt. Aber wir sind nun mal kein Stammland der CVP. Vielleicht hat beim Entscheid der Fraktion auch eine Rolle gespielt, dass wir nicht den Baselbieter Nationalratssitz gefährden wollten.

Hat Ihnen das so jemand direkt bestätigt?

Nein, aber so, wie ich Parteipräsident Gerhard Pfister kenne, wird er an ein solches Szenario gedacht haben.

Was denken Sie, wer wird bei der CVP das Rennen machen?

Auch zum jetzigen Zeitpunkt ganz schwierig vorauszusagen. Jeder Ausgang ist möglich.

Wie hoch stufen Sie die Möglichkeit eines CVP-Sprengkandidaten ein?

Diese Möglichkeit besteht bei Bundesratswahlen immer.

Wird es Pfister selber sein?

Nein, das schliesse ich aus.

Wie hat Ihre Familie auf die schlechte Nachricht reagiert?

Wir freuen uns nun alle, dass am Familientisch wieder in Ruhe über andere Dinge gesprochen werden kann.

Was werden jetzt unmittelbar Ihre nächsten Schritte sein?

Zuerst danke ich allen Menschen, welche mich unterstützt haben und mit mir zusammen für diesen Sitz im Bundesrat gekämpft haben. Dann werde ich das Wochenende mit meiner Familie geniessen.

Hatten Sie genügend Unterstützung aus der Region?

Ja. Meine Kantonalpartei, die Wirtschaft aber auch die Regierungen der beiden Basel und viele Menschen haben mir immer wieder ihre Unterstützung zugesichert. Das macht stark.

Was würden Sie im Rückblick besser machen?

Ich würde früher beginnen, meine Kandidatur aufzubauen. Meinen Entscheid zu kandidieren, habe ich zu spät gefasst. Das war bestimmt nicht entscheidend, hat aber unter Umständen eine Rolle gespielt.

Was wäre der richtige Zeitpunkt gewesen?

Doris Leuthard hatte ja schon vor über einem Jahr ihren Rücktritt angekündigt. Ich hätte gleich anschliessend damit anfangen können, meine Kandidatur aufzubauen.

Wieso haben Sie es nicht getan?

Ich war noch nicht so weit, um mich bereits festzulegen.

Nach aussen hin machte es den Anschein, als ob innerhalb der CVP mit harten Bandagen gekämpft worden sei. Wie dreckig verlief der Wahlkampf wirklich?

Das ist Teil des politischen Spiels. Das muss man aushalten können. Wir sollten zur Tagesordnung übergehen.

Welche Aussage über Sie in den letzten Wochen hat Sie am meisten geärgert?

Ich sei führungsschwach, was in keiner Art und Weise zutrifft.

Welche Aussage hat Sie am meisten gefreut?

Das Vertrauen in mich. Es sei mir möglich, der Partei als neue CVP-Bundesrätin ein dynamisches Zugpferd zu sein.

Sie wurden in den Medien von vornherein als Aussenseiterin dargestellt. Wie sehr hat Ihnen das zu schaffen gemacht?

Aussenseiterin zu sein, ist kein Makel. Ich hatte Mut, mich der Wahl zu stellen, und nicht schlechtere Voraussetzungen als die Konkurrenz. Jetzt waren andere Faktoren ausschlaggebend.

Ihr grosser Traum einer Wahl in den Bundesrat ist wohl definitiv ausgeträumt. Wie geht es mit Ihrer politischen Karriere weiter?

Unserer Partei werde ich noch an vielen Stellen dienen können. Im Vordergrund steht der Wahlkampf im Herbst 2019. Ich freue mich aber auch darauf, meine Arbeit als Präsidentin der Handelskammer weiterführen zu können. Und dann bin ich ja noch Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates… Die Arbeit wird mir nicht ausgehen.

Sie waren eine Kandidatin mit guten Voraussetzungen und haben es nicht einmal aufs Ticket geschafft. Kann es überhaupt noch jemand aus Basel schaffen?

Tatsächlich muss meine engere Heimat, die beiden Basel, die Voraussetzungen für ihre Politiker verbessern. Wir dürfen uns nicht mehr hinter dem Jura verstecken. Die Region Basel muss im Bundesrat vertreten sein. Ich hoffe nun, dass weitere Parteien Kandidaten oder Kandidatinnen aufbauen, um diese Lücke zu schliessen. Ich werde diese auf jeden Fall unterstützen und kann ihnen nun gute Tipps geben.

Welche Eigenschaften müsste er oder sie dafür mitbringen, die Sie nicht hatten?

Künftige Bundesräte müssen Kämpfer sein, die mit hohem Einsatz und Sachverstand für die Interessen der Schweiz eintreten. Ich dachte eigentlich, dass ich diese Eigenschaften mitbringe. Aber wie schon gesagt, Bundesratswahlen laufen oft nicht rational ab. Das macht sie auch so spannend.

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Elisabeth Schneider-Schneiter wird nicht Bundesrätin: Chefredaktor Patrick Marcolli schreibt, warum die Niederlage für die Region Basel gar nicht so schlimm ist. Seinen Kommentar können Sie in der «Schweiz am Wochenende» vom 17.11.18 lesen.