Man fühlte sich ein wenig an den Film «Ödipussi» von Loriot erinnert, in dem beim Familienscrabble leidenschaftlich darüber gestritten wird, ob «Hundnase» und «Schwanzhund» zulässige Wörter sind.

«SCHOLARCH», verkündete Verteidiger Christian von Wartburg am Donnerstag im Gerichtssaal in Muttenz und streckte triumphierend den Fremdwörter-Duden in die Höhe. «Ein Anwaltskollege von mir wusste sofort, was ein Scholarch ist, er war nämlich in Einsiedeln auf der Klosterschule», betonte von Wartburg. In der Scrabbblerunde hätte er damit wohl gepunktet, doch Gerichtspräsident Daniel Ivanov wirkte nicht sonderlich beeindruckt.

Eher kein Klosterschüler

Der angeklagte 48-jährige Garagist aus dem Oberbaselbiet war vermutlich nie auf einer Klosterschule, doch er setzte das Rätsel in die Welt: Vom Zivilgericht wurde er im April 2017 zur Zahlung einer Lieferantenforderung von 1957 Franken verdonnert, diesen Betrag splittete er auf neun Einzahlungsscheine auf und malte jeweils einen Grossbuchstaben in das Mitteilungsfeld. Die Strafanzeige wegen Beschimpfung folgte prompt.

Auch die Anagramm-Spezialisten der Baselbieter Staatsanwaltschaft kamen bald zum Schluss, dass mit den neun Buchstaben nur ein einziges sinnvolles Wort gebildet werden könne, eben jenes, welches in einer Klosterschule definitiv fehl am Platz wäre. Der 48-Jährige zog den Strafbefehl mit der bedingten Geldstrafe vor Gericht.

Gegenüber der Staatsanwaltschaft hatte er noch von selbst geschriebenen Kärtchen für ein Monopoly-Spiel gesprochen, konnte aber den Zusammenhang zu Scrabble am Donnerstag nicht so recht erklären. Viel mehr wollte er nicht sagen. «Wenn man das erledigen will, zahlt man es doch einfach und zwar mit einem einzigen Einzahlungsschein», meinte der Gerichtspräsident. «Ja, aber das wäre ja langweilig gewesen. Ich hätte hundert schreiben können, aber ich habe bei neun aufgehört», erklärte der Angeklagte.

«Die Beschimpfung entstand erst in dem Moment, als der Privatkläger aus einer losen Buchstabenfolge ein Wort gebildet hat. Was der Privatkläger in seinem Kopf macht, ist nicht meinem Mandanten zuzurechnen», insistierte der Verteidiger. Auch gebe es das Comité Laicité République, kurz CLR, dieses befasse sich mit der Shoa, es könne daher auch Schoa CLR gemeint sein. Auch Buchstabensuppen kamen in der Argumentation des Verteidigers vor, man könne deshalb nicht den Wirt verklagen.

Einzelrichter Daniel Ivanov wertete die Buchstaben in der Mitteilungsspalte der Einzahlungsscheine aber klar als Beschimpfung und bestätigte den Strafbefehl. «In diesem Kontext kann mit diesem Buchstaben nur ein Wort gemeint sein. Das ist keine individuelle gedankliche Konstruktion des Empfängers.» Damit muss der Garagist auch mehrere hundert Franken an Gerichtsgebühren sowie seinen Verteidiger bezahlen. Eine Genugtuung von 200 Franken an den Beschimpften wies das Gericht allerdings ab.