Paul Dalcher dachte schon, er dürfe nicht mitbestimmen, wenn die FDP Baselland am Parteitag von morgen Donnerstag ihren Präsidenten neu wählt und die Parolen für die Abstimmungen vom 24. September fasst.

Doch am Dienstag erhielt der alt Landrat aus Pratteln dann doch noch seinen Stimmrechtsausweis in der Post – ein paar Tage später allerdings als die anderen Delegierten. Gestern nicht in seiner Post war allerdings die Einladung zur Parteiratssitzung, die vor der Delegiertenversammlung stattfindet. «Obwohl ich ein gewähltes Parteiratsmitglied bin», betont Dalcher. «Ich fühle mich ungerecht behandelt.»

Dalcher würde es nicht überraschen, wenn er ganz bewusst von der Parteiratssitzung ferngehalten würde. Im vergangenen Oktober wurde er nämlich aus der FDP ausgeschlossen. Vorgeworfen wird ihm von seiner Sektion Pratteln, dass er mit einer Plakatkampagne bei den letzten Gemeinderatswahlen gegen einen Kandidaten aus der eigenen Partei Stimmung gemacht und sich somit illoyal verhalten habe. Auf den Plakaten wurden alle bürgerlichen Kandidaten zur Wahl empfohlen, bis auf einen langjährigen FDP-Gemeinderat Rolf Wehrli.

«Nicht willentlich ausgeschlossen»

Gegen den Ausschluss aus der Partei hat Dalcher Rekurs eingelegt. Der Entscheid steht noch aus. «Deshalb hat der Rekurs aufschiebende Wirkung. Ich bin also immer noch Parteimitglied», erklärt Dalcher. Das habe ihm auch Kantonalparteipräsidentin Christine Frey bestätigt. Trotzdem sei er seither nie mehr zu Parteitagen oder Parteiratssitzungen eingeladen worden.

Christine Frey beschwichtigt: «Wir haben Paul Dalcher sicher nicht willentlich von den morgigen Veranstaltungen ausgeschlossen.» Er sei wohl nach dem Ausschlussentscheid von jemandem voreilig aus dem Adresssystem gelöscht worden. «Und die Einladungen werden automatisch mit diesem System verschickt.» Darum habe er wohl ursprünglich auch auf der Adressliste für den Parteitag gefehlt.

«Das ist mir aufgefallen, deshalb habe ich ihm den Stimmrechtsausweis nachträglich zukommen lassen.» Der fehlenden Einladung zur Parteiratssitzung ging Frey nach der Anfrage der bz ebenfalls nach und hat sie dem alt Landrat mittlerweile zukommen lassen. «Paul Dalcher hat ein Recht dabei zu sein», stellt Frey klar.

Mit dieser Erklärung ist Dalcher zufrieden. «Dass man Leute voreilig aus dem Adresssystem löscht, ist zwar nicht in Ordnung», betont er. «Dass ich aber seither im Adresssystem fehle, ist nachvollziehbar. Fehler passieren. Hauptsache, sie werden korrigiert.» Den verspätet erhaltenen Einladungen möchte Dalcher nachkommen, obwohl seine Partei ihn im Oktober ausschliessen wollte.

«Noch bin ich Mitglied.» Und er habe noch immer die Hoffnung, dass sein Rekurs gutgeheissen und er weiterhin der FDP angehören wird. Er sei auch nach wie vor überzeugt, nicht parteischädigend gehandelt zu haben. «Darum werde ich morgen auf jeden Fall teilnehmen. Es geht um wichtige Geschäfte, unter anderem um die Nachfolge von Christine Frey. Da möchte ich nicht fehlen.»