Zum Schicksal des 1966 verstorbenen Künstlers Walter Eglin scheint zu gehören, dass Werke von ihm in Schulhäusern hinter Wänden verschwinden. Das war so mit dem inzwischen befreiten Mosaik «Sphinx» im KV Liestal. Das ist immer noch so mit dem Mosaik «Der Schatzgräber von der Muttenzer Hard» im Primarschulhaus Gründen in Muttenz. Dieses Werk wurde vor etwa zwei Jahren mit einer Gipswand zugedeckt, auf der nun eine Schülerarbeit zu sehen ist.

Eglins Sohn Toni ist empört: «Ich verstehe nicht, wieso man ausgerechnet diese Wand genommen hat, um die Schülerarbeit zu präsentieren. Die Sage, die dem Mosaik meines Vaters zugrunde liegt, hat etwas mit Muttenz zu tun und die Schule und die Gemeinde müssten doch ein Interesse am Werk haben.»

Kinderinteresse hatte Vorrang

Regula Meschberger, Mitglied der Primarschulleitung in Muttenz und Landrätin, sagt: «Es ist nicht einfach, Museum und Schule unter einen Hut zu bringen. Da wir praktisch keine freien Wände haben, haben wir eine Interessensabwägung vorgenommen, die zugunsten der Kinder ausfiel.» Meschberger betont, dass die Gipswand sorgfältig angebracht worden und das Mosaik darunter intakt sei. Und sie verweist darauf, dass das Primarschulhaus in einem Jahr abgerissen werde und der Ball beim Gemeinderat liege, was mit Eglins Mosaik geschehen soll.

Aber halt: Da war doch ein Angebot von Regula Meschbergers Ehemann Peter, der vor ein paar Monaten in einem Leserbrief auf «Onlinereports» schrieb, dass er 1955 als Schüler zuschaute, wie Walter Eglin seine «wunderschönen» Mosaike fertigstellte; ein Zweites befindet sich – unverdeckt – im angrenzenden Sekundarschulhaus. Und Peter Meschberger weiter: «Hoffentlich werden diese Mosaike dereinst erhalten, wenn das Schulhaus abgerissen werden muss. … Falls nicht, würde ich diese gerne mitsamt den Brünnchen zu mir nach Hause nehmen, dafür hätte ich noch Platz …» Doch das war offensichtlich nicht mit seiner Frau abgesprochen. Auf jeden Fall bricht Regula Meschberger, angesprochen auf den Leserbrief, in schallendes Gelächter aus und meint: «Das war ein Spruch, ich wüsste nicht wohin damit zu Hause.»

Von Meschbergers ist also keine Hilfe zu erwarten und der Ball liegt definitiv beim Muttenzer Gemeinderat. Gemeindepräsident Peter Vogt sagt, dass er wie auch der Kanton erst vor kurzem von einer Drittperson schriftlich auf die Problematik aufmerksam gemacht worden sei: «Im Moment weiss ich nicht, was mit dem Mosaik von Walter Eglin passiert.» Das Ganze sei aber nicht so dringlich, weil noch nicht feststehe, wann das Schulhaus abgerissen werde. Zuerst müsse jetzt der Baukredit fürs neue Schulhaus gesprochen werden. Für Toni Eglin aber ist klar: «Das Mosaik meines Vaters muss erhalten werden, und zwar am besten in Muttenz selbst wegen dessen direktem Bezug.» Technisch sieht Eglin kein Problem, das Mosaik aus der Wand zu lösen, da es sich wie die «Sphinx» auf einer Platte befinde.