Mitten in den Diskussionen um die Fusion des Basler Universitätsspitals mit dem Kantonsspital Baselland geht ein kleines Regionalspital in die Offensive. Die anthroposophische Klinik Arlesheim plant einen Neubau mit 36 Patientenzimmern. Er soll das heutige Spital-Hauptgebäude am Stollenrain ersetzen, die frühere Ita Wegmann-Klinik. Insgesamt will die Privatklinik 70 Millionen Franken in den künftigen Gesundheitscampus investieren. Die Lukas Klinik bleibt erhalten, wird jedoch saniert. Die Pläne für den Neubau sehen 36 Betten vor, bei Spitzenbelegung ist auch eine Doppelbelegung der Zimmer möglich. Zusammen mit der Lukas Klinik und weiteren Angeboten umfasst der Campus in Arlesheim künftig rund 100 Betten.

Die Klinikleitung stellte am Mittwoch in Arlesheim das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs vor. Die schweizerisch-holländische Arbeitsgemeinschaft der Büros Metron (Brugg) und Kopvol (Rotterdam) setzte sich mit dem Vorschlag «Schmetterling» gegen zwölf Mitstreiter durch.

Philipp Schneider, Verwaltungsrats-Präsident der Klinik Arlesheim AG, sagte bei der Präsentation des Siegerprojekts, es sei gar nicht so einfach gewesen, den Teams einen klaren Auftrag zu geben. «Wir fragten uns: Wie kann man eine anthroposophische Klinik bauen? Dafür gibt es noch keine Vorbilder. Wir wussten auch nicht, was von uns genau erwartet wird: ein kleines Goetheanum?»

Von aussen konventionell, von innen aber...

Das Siegerprojekt kommt wenig anthroposophisch, sondern konventionell daher, zumindest äusserlich. Betonelemente prägen die gekachelte Fassade des zwei- und dreistöckigen Baus, der von einem Park umgeben ist. Das Dach kragt aus, schützt die Balkone der Patientenzimmer vor Wind und Wetter. Der Grundriss gleicht drei ineinandergeschobenen Quadraten. Das lässt Raum für zwei Innenhöfe.

Das Anthroposophische ist in den Patientenzimmern zu finden. Sie haben eine schräge Decke, die von der Fensterfront zum Gang hin an Höhe gewinnt. Die gebogenen, «unebenen» Decken sind auch ein Grund, weshalb alle Patientenzimmer im obersten Stock angeordnet sind. Im Dach ist auch eine Art Oberlichtkanal vorgesehen – die Patienten können von zwei Seiten Tageslicht einlassen. Ein grosser Teil der Wände ist mit Holz getäfert. Das Bett ist frei im Raum platzierbar.

Vorgaben für die Zimmergestaltung gab die Wettbewerbs-Jury schon. Nur betrafen sie die Patienten und ihre Genese. Die Raumform sollte den Heilungsprozess fördern, sagte Lukas Schöb, ärztlicher Leiter der Klinik: «Kranke Menschen brauchen Schutz und Geborgenheit. Die Zimmer sollen eine schützende Hülle sein, darum sind sie auch im obersten Stock – dort, wo am wenigsten Betrieb herrscht.»

Architekt Daniel Kündig, der dem Preisgericht vorsass, ist sich sicher: Der Neubau der Klinik Arlesheim wird eine Vorbildfunktion einnehmen: «Wir können hier Pionierarbeit leisten – etwas schaffen, dass es in der Schweizer Gesundheitsarchitektur so noch nicht gibt.»

Fürs grosse Fest reichts nicht

Die Klinik Arlesheim ging 2014 aus der Fusion der Ita Wegmann-Klinik und der benachbarten Lukas Klinik hervor. Schwerpunkte sind Innere Medizin und Onkologie, das Haus Lukas ist auf Psychosomatik und Psychiatrie spezialisiert.

2021 wird die Klinik Arlesheim 100 Jahre alt. Fürs Jubiläumsjahr wird es nicht reichen mit dem Bezug des Neubaus, er wird wohl erst 2022 oder 2023 fertig. Als Nächstes wird das Vorprojekt gestartet. Da der Neubau neben das bisherige Hauptgebäude zu stehen kommt, läuft der Betrieb normal weiter.