Für acht Personen ist die forensisch-psychiatrische Wohngruppe Horizonte eingerichtet. So steht es im öffentlich einsehbaren Betriebskonzept. Wie viele Personen sich tatsächlich hinter den hohen Hecken im Binninger Villenquartier aufhalten, ist unbekannt. Die Inhaber der Wohngruppe Horizonte GmbH hüllen sich in Schweigen mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte der Bewohner.

Unbehaglich ist es der betuchten Nachbarschaft. Sie klagt, zuweilen seien Schreie aus dem Umschwung des Landhauses zu hören. Mehrmals sei die Polizei vorgefahren. Seit Anfang Jahr staut sich der Ärger. Ein Moderation der Binninger Behörde bleibt ohne Erfolg.

Die Wohngruppe ist seit April 2016 in Binningen angemeldet. Nach Behördenangaben ersuchte sie im November 2016 um eine Heimbewilligung. Da nicht alle Bedingungen erfüllt worden seien, habe sich die Gemeinde auf Anraten des Kantons gegen eine solche Bewilligung ausgesprochen, sagt die Binninger Gemeinderätin Barbara Jost. Ob eine solche unnötig wird, wenn es sich nicht als Heim, sondern als Wohngruppe bezeichnet, ist unklar.

Neues Bewilligungsgesuch

Jost, zuständig für Soziales und Gesundheit, sagt, die Betreiber hätten ihr bei einer Aussprache, die kürzlich stattfand, gesagt, sie würden nun nochmals eine Bewilligung beantragen. Wo die Gespräche stehen, weiss die Gemeinde nicht. Interne Abklärungen würden derzeit die Zuständigkeiten innerhalb des Kantons prüfen. Dabei werde auch die Zonenkonformität der Wohngruppe genauer angeschaut.

Samuel Mathys, der als Geschäftsführer auftritt, nimmt zu konkreten Fragen nicht Stellung. In einem Statement erklärt er: «In unserer Wohngruppe betreuen wir psychisch kranke, urteilsfähige Erwachsene, welche uns von verschiedenen Behörden gestützt auf verschiedene rechtliche Grundlagen zugewiesen werden.» Entsprechend unterliege die Wohngruppe «unterschiedlichen rechtlichen Regimes für Bewilligung und Aufsicht». Mathys hat bei der Wohngruppe rechtlich allerdings keine Funktion mehr; Anfang Januar ist er gemäss Handelsregister als Geschäftsführer der GmbH ausgestiegen, Anfang März hat er sich auch als Gesellschafter verabschiedet. Einzige Inhaberin und Geschäftsführerin ist nun Svetlana Arsenijevic.

Auch das Betriebskonzept beantwortet die Frage nach der Bewilligung nicht. Es heisst darin, die Wohngruppe sei vom Amt für Straf- und Massnahmenvollzug des Kantons Basel-Landschaft «anerkannt». Amtsleiter Gerhard Mann verneint eine «Anerkennung». Richtig sei, dass sich die Wohngruppe verpflichtet habe, die Standards einzuhalten, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Vorbehalte scheint das Amt nicht zu haben, da es nach vorliegenden Informationen selbst eine Platzierung in der Wohngruppe vorgenommen hat.

Auch Andreas Frei, Leiter der Fachstelle Forensik der Psychiatrie Baselland, sagt, fachlich sei aus seiner Sicht nichts auszusetzen. Als externer Experte macht er alle zwei Wochen Visite in der Wohngruppe und ist abrufbar für Kriseninterventionen. Für die betreuten Bewohner sei das Umfeld eine Chance. Dass es allerdings Probleme mit den Nachbarn gebe, erstaune ihn nicht, sagt Frei.

Mit Metallgittern gesichert

Nachdem sich Nachbarschaft und Wohngruppe anfänglich ignoriert haben, formieren sich nun Widerstand und Ängste gleichermassen. Während Mathys versichert, «dass von der WG Horizonte GmbH keine Gefahr für Drittpersonen ausgeht», zeichnet das Sicherheitskonzept der Wohngruppe ein potenziell problematischeres Bild. Es heisst darin, das Konzept sei derart überarbeitet worden sei, dass das Wohnheim nun in der Nacht «durch Metallgitter geschlossen und gesichert wird.» Damit könnten nun auch «geschlossene Wohnheimplätze» angeboten werden, die von den Justizbehörden als Bedürfnis bezeichnet worden seien.

Was bisher weder die Nachbarschaft noch die Gemeinde wussten: Der Spuk hat ein Verfalldatum. Der Hauseigentümer, der nach Kalifornien ausgewanderte Immobilienunternehmer Urs Gribi, sagt auf Anfrage, der Vertrag mit der Horizonte GmbH sei ohnehin befristet: «Das Mietverhältnis dient als Zwischennutzung bis ein Neubauprojekt bewilligungsreif ist.»