Dieses Bild von Liestal als Genuss-Hauptstadt der Schweiz blieb in vielen Köpfen haften: ein langer Tisch vom Törli bis zum Regierungsgebäude, an dem 800 Personen an einem wunderschönen Sonntag im Herbst 2016 ein Festessen aus regionalen Produkten verzehrten.

Dass der genussreiche Grossanlass nicht ein einmaliger Gag war, sondern zunehmend grössere Kreise zieht, wissen hingegen die wenigsten. Mittlerweile stehen die Kantone Baselland und Basel-Stadt mitten in den Vorabklärungen, um beim Bund ein Projekt zur regionalen Entwicklung, kurz PRE genannt, einzureichen.

Klappt alles, kann vor allem die regionale Landwirtschaft die Wertschöpfung erhöhen. Und die Region profitiert endlich auch von der Investitionsförderung, die das Bundesamt für Landwirtschaft unter dem PRE-Gütesiegel ermöglicht. Andere Landesteile, allen voran die Bergkantone und die Westschweiz, setzen schon seit Jahren mit Erfolg auf diesen Fördertopf für die Regionalentwicklung.

Zwei Schlüsselpersonen beim Ganzen sind Lukas Ott und Lukas Kilcher. Ott, früherer Liestaler Stadtpräsident und heutiger Basler Stadtentwickler, präsidiert die im Nachgang zu Liestals regionaler Genuss-Pionierrolle gegründete Interessengemeinschaft (IG) Genuss aus Baselland.

Diese IG ist in der Zwischenzeit sowohl bezüglich Trägerschaft wie auch Name erweitert worden. Sie heisst seit diesem Frühjahr IG Genuss aus Stadt und Land, was zeigt, dass die beiden Basel zumindest auf diesem Feld Hand in Hand gehen wollen. In der IG sitzen nebst Ott dessen Nachfolger Daniel Spinnler als Liestaler Stadtpräsident, Andi Haas, Präsident des Bauernverbands beider Basel, Dominik Keller, stellvertretender Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie, sowie Lukas Kilcher, als Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain der zweite Schlüssel-Lukas.

Mit Vielfalt trumpfen

«Genuss aus Stadt und Land» ist nicht nur der Name der IG, sondern auch die Marke, unter der das PRE und dessen Produkte laufen werden. Als Perimeter gelten dabei Baselland, Basel-Stadt, das Fricktal und das Schwarzbubenland. Die landwirtschaftlichen Rohstoffe müssen zu 100 Prozent aus diesem Perimeter stammen.

Kilchers Ebenrain ist Dreh- und Angelpunkt beim PRE und stellt mit Johanna Gysin auch die Geschäftsführerin der IG. Kilcher sagt: «Wir müssen die Chance nutzen und auch auf die PRE-Schweizerkarte kommen. Für die Bauern in der Region eröffnen sich mit unserem PRE wertvolle Möglichkeiten, in ihre Betriebe zu investieren und gleichzeitig die Brücke zwischen Stadt und Land zu stärken.» Das Baselbiet sei eine kleine Agrarregion, könne also nicht mit Quantität, sondern mit Qualität und Vielfalt trumpfen.

Diese Vielfalt schimmert bei den 24 Teilprojekten (17 BL, 7 BS) durch, die der Ebenrain gegenwärtig für das Gesamtpaket PRE prüft und bündelt. Hier ein paar Beispiele:
eine regionale Schlachterei in Itingen eine Milchabfüllungsanlage auf dem Dietisberg eine Fruchtmanufaktur im Oberbaselbiet eine Käserei in Basel.

Alle müssen Teil beisteuern

Nach aktuellem Projektstand fallen Kosten von insgesamt 16,4 Millionen Franken an. Davon sollen der Bund, die beiden Kantone und die Projektträger je einen Drittel beisteuern. Kilcher hat das PRE kürzlich der Baselbieter Regierung vorgestellt, das Echo sei positiv ausgefallen. Stellvertretend dafür Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber: «Ich sehe das PRE als eine grosse Chance, unternehmerische Initiative in unserer Land- und Ernährungswirtschaft zu fördern. Als Konsument, der regionale und saisonale Lebensmittel schätzt, freue ich mich auf diese innovativen Projekte.»
Ähnlich tönt es aus Basel. Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin sagt: «Das PRE ‹Genuss aus Stadt und Land› überzeugt mich. Land- und Ernährungswirtschaft kommen mit regionalen Produkten näher zu den Konsumenten und zeigen ihre Qualität und Innovation.» Falls der Bund das PRE akzeptiert, soll es von 2019 bis 2025 umgesetzt werden.