«Wir stehen im schwierigsten Moment unserer beruflichen Karriere und fühlen uns, als wären wir schon ein bisschen gestorben. Und trotzdem leben wir weiter.» Das sagt ein sichtlich gezeichneter Sascha Birkenmeier, der seit über elf Jahren zusammen mit seiner Frau Regula Nyffeler Birkenmeier das Liestaler Traditionslokal Schützenstube mitten im Stedtli führt.

Auslöser der Krise ist die letzte Woche im Amtsblatt publizierte Konkurseröffnung über die «Schützenstube Gastrobetriebe GmbH», deren Gesellschafter Birkenmeier und Nyffeler Birkenmeier sind. Aber so weit hätte es gar nicht kommen müssen, ist Birkenmeier überzeugt. Denn er habe mit dem Gläubiger, der das Konkursbegehren stellte – die Mehrwertsteuer-Verwaltung des Bundes – bereits eine Teilzahlung vereinbart. Doch davon habe das Zivilkreisgericht, das den Konkurs ohne seine Anhörung eröffnet habe, nichts gewusst, schildert Birkenmeier die offenbar unglückliche Verkettung der Abläufe.

Anfangsfehler mit Folgen

Dass die Schützenstube-Betreiber bei der Mehrwertsteuer-Verwaltung Ausstände von um die 100'000 Franken haben, hängt laut Birkenmeier mit der schwierigen Startphase zusammen. Damals hätten sie als Neulinge Fehler gemacht, was eine Anhäufung von Schulden zur Folge gehabt habe. Gegenüber Geschäftspartnern, Kunden und Freunden schilderte Birkenmeier die Situation vor ein paar Tagen in einem Rundschreiben so: «Wir haben durch viel Lohnverzicht und Einschuss von sämtlichem privatem Vermögen nie aufgegeben und immer weiter versucht, alle Schulden aus den ersten Betriebsjahren zu tilgen. Die Schützenstube Gastrobetriebe GmbH arbeitet heute dank wesentlichen Umstrukturierungen, viel Innovation ... und natürlich auch dank Ihnen als treue Geschäftspartner und Freunde wirtschaftlich und mit gutem Gewinn, doch die Altlasten sind uns nun zum Verhängnis geworden.» Wie das Verhängnis aussieht, darüber wird in den nächsten Tagen entschieden. Birkenmeier will mithilfe seines Anwalts beim Kantonsgericht einen Stopp des Konkursverfahrens und eine Nachlassstundung beantragen. Dies geht aber nur, wenn die Forderungen der Erstklass-Gläubiger, wozu die Mehrwertsteuer-Verwaltung nicht gehört, erfüllt werden und die nachstehenden Gläubigerklassen auf einen Teil der Ausstände verzichten.

Stimmt das Kantonsgericht einer Nachlassstundung zu, sieht Birkenmeier wieder Morgenröte am Horizont. «Andernfalls sind wir tot und die ‹Schützenstube› geht zu», ergänzt er. Damit würden acht Mitarbeiter ihre Stelle verlieren. Sehr dankbar ist Birkenmeier seinen Lieferanten, die ihn derzeit trotz Konkurseröffnung und der damit einhergehenden Sperrung der Geschäfts-Bankkonti beliefern.

Und Birkenmeier räumt auch mit einem Gerücht auf, das in Liestal kursiert: Sein finanzieller Engpass habe nichts mit dem Besitzerwechsel der «Schützenstube» per Anfang dieses Jahres zu tun. Der neue Eigentümer verlange nicht mehr Mietzins und wolle in den nächsten Jahren auch in die Räumlichkeiten investieren. Von daher hat die «Schützenstube», ein Anker in Liestals Gastroangebot, eigentlich gute Perspektiven.