Hochstimmung im Lager der «Starken Schule Baselland»: Am CVP-Parteitag vom Dienstag haben die Baselbieter Christdemokraten gegen den Willen von Parteivorstand und Landratsfraktion die Ja-Parole zur Beibehaltung von Einzelfächern gefasst. Zudem veröffentlichte am Mittwoch die Baselbieter Bildungsdirektion die Ergebnisse einer breit angelegten Umfrage, in der sich grosse Mehrheiten der teilnehmenden Primar- und Sekundarschullehrer gegen die Einführung von Sammelfächern und den kompetenzorientierten Lehrplan 21 aussprechen.

Zwar betont Starke-Schule-Geschäftsführerin Saskia Olsson, dass es reiner Zufall sei, dass ausgerechnet am Tag nach der Publikation der Studienergebnisse die Schulreformgegner ihren Abstimmungskampf im Hinblick auf den 5. Juni eröffnen – was nicht einmal Vorkämpfer Jürg Wiedemann so richtig zu glauben scheint. Aber dass die in der Studie erhobene breite Skepsis der Lehrerschaft für die Starke Schule zum bestmöglichen Zeitpunkt kommt, muss nicht weiter betont werden.

Mit einer für kantonale Verhältnisse gewaltigen Materialschlacht steigt das Komitee in die heisse Phase: 1000 Plakate und 40'000 Flyer hat es drucken lassen, um die Baselbieter Stimmbevölkerung am 5. Juni zu «3 x Ja» zu den Bildungsvorlagen zu bewegen. Die Gelder stammen aus der von zahlreichen Schulreformskeptikern offensichtlich gut alimentierten Kriegskasse. Auf «50:50» stuft der Birsfelder Landrat und Sekundarlehrer Wiedemann die Erfolgsaussichten für die Ausbremsung von Sammelfächern und Lehrplan 21 ein.

Bei der Vorlage für den Erhalt der Kaufmännischen Vorbereitungsschule KVS rechnet er sogar mit einer klaren Annahme. KVS-Schulleiter Peter Engel teilt diesen Optimismus. Nicht nur deshalb, weil der Landrat die KVS-Abschaffung schon einmal verhindert hat, sondern auch, weil er seiner Schule eine fast 100-prozentige Erfolgsquote im Finden von Anschlusslösungen für schulisch Schwächere zugute hält. Das sei letztlich auf die hohe Akzeptanz der Schule bei den regionalen Ausbildungsbetrieben zurückzuführen.

Lehrer ungenügend ausgebildet

Doch die KVS-Vorlage «Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere» wird in diesem Abstimmungskampf bloss eine Nebenrolle spielen. Wirklich wegweisend für die künftige Bildungsdiskussion in der Region sind die anderen beiden Vorlagen für den «Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer» und die Änderung des Bildungsgesetzes bezüglich der Einführung des Lehrplans 21. Wobei Jürg Wiedemann gleich wieder auf das «vernichtende Urteil» der Baselbieter Lehrpersonen verweist, das aus der jüngsten Umfrage der Bildungsdirektion hervorgeht.

Im Schnitt 70 Prozent der befragten Lehrer wollen lieber weiter die Einzelfächer Biologie, Chemie, Physik (statt des Sammelfachs «Natur und Technik»), Geschichte und Geografie (statt «Räume, Zeiten Gesellschaft») sowie Wirtschaftskunde und Hauswirtschaft (statt «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt») unterrichten. 60 Prozent der befragten Sekundarlehrer lehnen den Lehrplan 21 ab. Durch diese Umfrageergebnisse sieht sich die Starke Schule in ihrem Credo bestätigt, dass die Einführung von Sammelfächern zu einem Qualitätsabbau und einer Verteuerung im Unterricht führen würde, weil die hierfür benötigten Lehrkräfte zuerst aus- oder weitergebildet sowie teure spezifische Lehrmittel angeschafft werden müssen.

Vehement widerspricht Wiedemann dem Einwand, dass es ein schwaches Argument sei, sich so stark auf die Meinung der ohnehin reformmüden Lehrerschaft abzustützen. Vielmehr sei die Lehrerskepsis ernst zu nehmender Ausdruck der «extrem vielen gescheiterten Schulreformprojekte» der vergangenen Jahre, die stets ohne Pilotphase und entsprechende Studienbegleitung auf die Schnelle durchgedrückt worden seien. «Das ist es, was mich wirklich stört», sagt Wiedemann.