Spätestens ab Sommer gilt im Schulschwimmen an vielen Primarschulen im Baselbiet das Vier-Augen-Prinzip. Zwei Personen müssen dann jeweils die Kinder im Becken beobachten: eine Lehr- und eine Aufsichtsperson. Geht es nach drei Politikern, so wären es nur ein Lehrer – und ein Computer.

Geräte, die Ertrinkende erkennen können, sind schon vielerorts im Einsatz. Und sie tragen den Segen der eidgenössischen Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Die GLP/BDP-Fraktion im Allschwiler Einwohnerrat fordert nun per Postulat den Gemeinderat dazu auf, die Anschaffung solcher Apparaturen zu prüfen. Denn sie kämen günstiger als bezahlte Begleiter – ohne Einbussen bei der Sicherheit.

«Diese Geräte arbeiten – im Gegensatz zu Aufsichtspersonen – ermüdungsfrei und amortisieren sich (...) innert kürzester Zeit», heisst es im Vorstoss. Die elektronischen Badmeister würden einmalig rund 250'000 Franken kosten, rechnet die GLP/BDP-Fraktion vor, die Begleitpersonen jedoch rund 200'000 Franken pro Jahr.

Die BfU empfiehlt drei Überwachungssysteme, die entweder mit Kameras, mit Druckmessern am Arm oder einer Kombination beider Verfahren arbeiten. Befindet sich ein Kind ungewöhnlich lang unter Wasser, schlägt das Gerät Alarm.

Allschwil hält an Begleitern fest

Die Überwacher heissen «Poseidon», «Argusmatik» oder «Blue Fox». Der Allschwiler Gemeinderat will keines der drei. «Der Schulrat ging der Sache schon vor dem Vorstoss der GLP/BDP-Fraktion nach», sagt die für die Schulen zuständige Gemeinderätin Franziska Pausa (SP). «An den Produkten ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Doch wir sind zum Schluss gekommen, dass eine Begleitperson die bessere Lösung darstellt, da diese den Überblick über die gesamte Gruppe behalten und eingreifen kann – das leistet kein elektronisches System.»

Der Gemeinderat hat das im Februar eingereichte Postulat noch nicht offiziell beantwortet. Die Schulleitung und der Schulrat Kindergarten und Primarschule Allschwil jedoch haben gestern bekannt gegeben, dass «ausgebildete Schwimmlehrpersonen» die Klassen begleiten werden, dies vorerst als Pilotprojekt für alle 1. und 2. Klassen mit mehr als 16 Schülern. Ein definitives Konzept folge.

Jérôme Mollat, Präsident der GLP/BDP-Fraktion, ist über die ablehnende Haltung der Gemeindebehörden nicht glücklich. «Wenn bereits erprobte und BfU-zertifizierte Sicherheitssysteme vorliegen, sollten diese unbedingt in Betracht gezogen werden», teilt er der bz mit. «Dies umso mehr, als die Investition schon nach kurzer Zeit deutlich günstiger zu stehen kommt als der ansonsten erforderliche Personalaufwand für zusätzliche Begleitpersonen.»

Kanton kennt System nicht

Das kantonale Amt für Volksschule (AVS) schliesst elektronische Sicherheitssysteme nicht explizit aus – diese sind ihm gar nicht bekannt, wie es einräumt. AVS-Leiter Markus Stauffenegger schreibt: «Das AVS hat nicht den Auftrag, Sicherheitssysteme zu kennen, zu evaluieren oder gar zu empfehlen. Solches ist der Fachexpertise dafür zuständiger Experten oder Organisationen zu überlassen.» Das bedeutet: Die Schulen können in dieser Angelegenheit selber entscheiden. In der Broschüre «Wassersicherheit für die Volksschule» vom Juni 2014 empfiehlt das AVS eine «zusätzliche Begleitperson» oder «andere Lösungen».

Eine elektronische Lösung käme wohl noch günstiger als von der GLP/BDP vermutet. Die Firma Deep Blue, die weltweit das Armband-System Blue Fox vertreibt, schreibt, sie biete 20er-Sets ihrer Armband-Sensoren für Schulen an. Kostenpunkt pro Set: rund 5000 Franken.