Die Anglikanische Kirche von Tansania und die tansanischen Gesundheitsbehörden wollen in den kleinen Dörfern der Serengeti und der Mara Region ein Gesundheitssystem aufbauen, das so viele Menschen wie möglich erreicht und nachhaltig Wissen innerhalb der Dörfer vermittelt. Aufgrund der schlechten oder gar nicht vorhandenen Wasserversorgung in den Dörfern grassieren in diesen abgelegenen Siedlungen regelmässig Malaria, Cholera, Typhus und andere Krankheiten. Seit zwei Monaten arbeite ich nun im Auftrag der schweizerischen Entwicklungsorganisation Interteam und der Anglikanischen Kirche in diesen Dörfern.

2000 Patienten am Tag

Als ausgebildete Umweltwissenschafterin entwickle ich einfache Schulungsmethoden und Hilfsmittel, um das Wissen auf spannende Art an sogenannte «Health Worker» weiterzugeben. Health Worker (Gesundheitsarbeiter) sind eigens von den Dörfern gewählte Gesundheitsbotschafter, die aktiv im Gesundheitswesen (Malariaprävention, Wasser- und Körperhygiene, HIV/AIDS und für Mädchen speziell eine Schulung für Menstruations-Hygiene) und in Erster Hilfe geschult werden.

In einem zweiten Schritt führen die Health Worker selbst Gesundheitsschulungen in ihren Dörfern durch. Doch erst muss man verstehen, wie solche Dörfer funktionieren und wie ihre Hierarchien aufgebaut sind. Auch wenn der Wissensstand der Dorfbewohner in Sachen Gesundheit und Hygiene eher gering ist, kann es sein, dass unterschiedlich viel Wissen vorhanden ist. Das muss bei jeder einzelnen Schulung und beim Erstellen von Schulungsunterlagen beachtet werden.

Das Ziel unserer Arbeit ist es einerseits, die Health Worker regelmässig zu schulen. Andererseits sollen die Health Worker so sicher mit der Thematik umgehen, dass sie selbst die Rolle als Lehrer übernehmen und ihr neu erlerntes Wissen in ihrem eigenen Dorf bei Dorfsitzungen, in Schulen oder bei Frauen- und Männertreffen weitergeben können.

Natürlich stehen wir nach zwei Monaten noch am Anfang unserer Arbeit; doch die gewählten Health Worker zeigen grossen Eifer, sich neues Wissen anzueignen. So beschäftigen wir uns beispielsweise mit Fragen, wie man sich die Hände richtig wäscht. Wenn man das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, ist es schwer vorstellbar, dass es Menschen gibt, die kaum Wissen in Sachen Hygiene und Krankheiten haben. Nicht einmal, dass lebende Tiere nicht in die Küche gehören, oder dass Wasser mindestens abgekocht werden muss, wenn man es aus einem stehenden Wasserloch holt, kann vorausgesetzt werden. Da unsere Zielgruppe, die Dorfbewohner, meistens krank sind, finden regelmässig Gesundheits-Checks in den Dörfern statt, um die notwendigste medizinische Versorgung vor Ort zu gewährleisten.

Während diesen flächendeckenden Checks werden alle Dorfbewohner auf Malaria, Würmer und sonstige Krankheiten hin untersucht, alle bekommen die wichtigsten Impfungen verabreicht, und Mütter bekommen die Möglichkeit, sich und ihre Babys untersuchen zu lassen. Teilweise gibt es 2000 Patienten an einem Tag zu versorgen. Darunter war kürzlich auch eine 21-Jährige, die zehn Schwangerschaften hinter sich hatte und noch neun lebende Kinder hat. Sie lebt so weit entfernt von Bildung und medizinischer Versorgung, dass sie sich nicht erklären konnte, woher ihre vielen Kinder kommen.

Todesangst beim Gesundheits-Check

Die Arbeit der Gesundheits-Checks ist sehr spannend und erfüllend, doch nicht immer ganz einfach. In extrem entlegenen Orten der Mara Region glauben die Einwohner, dass die Weissen ihr Blut trinken. Da kann es tatsächlich vorkommen, dass das eine oder andere Kind bei den Untersuchungen Todesängste ausstehen muss, weil es wirklich an diesen Mythos glaubt. Wenn die kleinen Patienten gar keine Nähe zulassen, ziehe ich mich meist zurück und gebe aus der Ferne Anweisungen, was gemacht werden soll. Der Stresspegel des total verängstigten Kindes soll so niedrig wie möglich bleiben.