Münchenstein legte seinen Rechnungsabschluss für das Jahr 2014 erstmals nach dem neuen Rechnungslegungsmodell HRM 2 vor. «Diese Rechnung ist mit nichts mehr vergleichbar, was vorher war», erklärte Finanzdirektor Jürg Bühler (Pro Münchenstein) an der Gemeindeversammlung vom Montag.

Diese barg aber keine unangenehmen Überraschungen. Im Gegenteil: Gegenüber dem Budget, das noch einen Aufwandüberschuss von 1,2 Millionen Franken veranschlagte, konnte gar ein kleiner Ertragsüberschuss verbucht werden. Dieser beträgt 92 441 Franken. Das verbesserte Ergebnis wird durch Sondereffekte gar noch verschlechtert.

Verschiedene Effekte

Wären nicht neue Vorfinanzierungen im Umfang von 2,5 Millionen Franken gebildet worden. Demgegenüber standen aufgelöste Vorfinanzierungen über 1,8 Millionen Franken. Ohne diesen Effekt, hätte der Ertragsüberschuss rund 777 000 Franken betragen. Dennoch, damit alleine kann die frappante Abweichung des Rechnungsergebnisses gegenüber dem Budget nicht erklärt werden. Münchenstein profitierte noch von weiteren positiven Effekten auf der Ertrags- und Aufwandseite. Einen Landverkauf und der horizontalen Finanzausgleich spülten je rund eine halbe Million in die Kasse und die Steuererträge der natürlichen Personen stieg, steuererhöhungsbereinigt, um 522 000 Franken. Aufwandseitig profitierte die Gemeinde von tieferen Personalkosten und einer geringeren Zinsbelastung.

Die neue Rechnungslegung führt für die Gemeinde Münchenstein zu erheblichen Buchgewinnen. So wuchs das Eigenkapital durch die Neubewertung des Finanzvermögens um fast 35 Millionen Franken, wovon allerdings die Verbindlichkeiten gegenüber der Pensionskasse Baselland in der Höhe von 17,6 Millionen Franken in Abzug gebracht werden musste. Dennoch: Das neue Eigenkapital der Gemeinde beträgt nun fast 65 Millionen Franken. Bühler betonte aber: «Leider habe wir dieses Geld nicht Cash.» Die Verschuldung der Gemeinde beträgt fast 50 Millionen Franken, wobei die Verbindlichkeit gegenüber der Pensionskasse BL darin schon enthalten ist.

Es ist nicht alles im Lot

Die Rechnung war in der Versammlung unbestritten. Kritik erntete aber die ungenaue Budgetierung, die sicher auch auf die fehlenden Erfahrungswerte mit HRM 2 zurückzuführen sind. «Wenn das so ungenau ist, werden auch die Budgetdiskussionen schwierig», meinte FDP-Präsident David Meier. Daniel Altermatt (GLP) gab weiter zu bedenken, dass die Selbstfinanzierung der Gemeinde unbefriedigend sei. Diese lag bei Nettoinvestitionen von knapp über drei Millionen Franken bei 87,2 Prozent. Laut Bühler sollte die Gemeinde aber eigentlich in der Lage sein, Investitionen im Umfang von vier Millionen Franken gänzlich aus Eigenmitteln zu finanzieren. «Wir investieren zu wenig», so Altermatt. Und mit Blick auf die anstehenden, grossen Investitionen, etwa bei Schulhäusern, kommt er zum Schluss: «Der kleine Überschuss ist kein Grund für ein Hurra!»

Es wird weiter geschossen

Die Gemeindeversammlung lehnte einen Bürgerantrag zur Einstellung der 300 Meter Schiessanlage sowie einen Änderungsantrag zur Schliessung der gesamten Anlage in der Au ab. Der Antragsteller brachte sein Anliegen nicht aus finanziellen Überlegungen hervor, sondern weil er sich am Lärm störte. Der Schiessverein hatte allerdings gut mobilisiert, und Bürgergemeindepräsident und Schütze Clive Spichty hielt ein längeres Plädoyer für den Erhalt der Anlage. Hätte der Souverän sich für Stille anstelle des regelmässigen Schiesslärms entschieden, hätten die Münchensteiner Schützen nach Aesch ausweichen müssen, wobei die dortige Anlage bereits gut ausgelastet ist. Das hätte die Existenz von fünf in der Schiessanlage Au ansässigen Schützenvereine infrage gestellt, argumentierte Spichty.